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Zwischen verschlossenen Türen und offenem Himmel
Text: Johannesevangelium 20, 19–23 - Einheitsübersetzung neu
19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Gottes Wort ist für uns wie Licht in der Nacht
Es ist Abend. Der erste Tag einer neuen Welt - und doch fühlt sich alles noch an wie gestern.
Die Türen sind verschlossen. Nicht nur mit Riegeln und Holz, sondern mit Angst. Mit Erinnerungen. Mit dem Echo von Hammerschlägen, die noch immer im Herzen nachklingen.
Sie sitzen beisammen. Nah beieinander - und doch jeder für sich. Jede und jeder trägt seine eigene Nacht.
Und mitten hinein in diese Enge, in diese vorsichtige Stille, in dieses Zittern der Seele tritt ER. Nicht durch die Tür. Nicht nach den Regeln dieser Welt. Er ist einfach da. Und sagt: 'Friede sei mit euch.' Kein Vorwurf. Kein 'Warum habt ihr mich verlassen?' Kein 'Wo wart ihr, als ich euch brauchte?' Nur dieses eine Wort: Friede. Es legt sich in den Raum wie warmes Licht. Wie ein Atemzug, der tiefer geht als alle Angst.
Und dann zeigt er seine Hände. Seine Seite. Die Wunden sind noch da. Nicht versteckt. Nicht ausgelöscht. Sie leuchten. Als wollten sie sagen: Auch das Dunkelste in deinem Leben kann verwandelt werden. Auch das, was dich gebrochen hat, kann ein Ort werden, an dem Licht wohnt.
Da beginnt etwas aufzubrechen. Fast unmerklich: Freude. Keine laute, überschäumende Freude. Eher wie ein erstes Aufatmen. Wie der Moment, in dem ein verschlossenes Herz zum ersten Mal wieder einen Spalt weit offen ist. Und wieder sagt er: 'Friede sei mit euch.' Als müsste dieses Wort erst in ihnen Wurzeln schlagen. Tiefer. Noch tiefer.
Und dann: Sendung. 'Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.' Er traut ihnen etwas zu. Diesen Menschen, die sich eben noch versteckt haben. Diesen Menschen mit ihren Zweifeln, ihren Bruchstellen, ihren ungeklärten Fragen. Er sagt nicht: Wartet, bis ihr stark seid. Er sagt nicht: Wartet, bis ihr alles versteht. Er sendet sie mitten aus ihrer Unfertigkeit heraus.
Und dann geschieht etwas, das man kaum beschreiben kann. Er beugt sich zu ihnen. Und haucht. Kein Sturm. Kein Feuer. Kein Donner. Nur ein Hauch. Wie am Anfang der Welt. Als Leben begann. Ein Atem, der nicht von dieser Welt ist und doch in diese Welt hineinwill. Und in diesem Hauch liegt alles: Kraft. Mut. Neues Beginnen. Der Geist. Nicht als Idee. Nicht als Theorie. Sondern als Nähe. Als inneres Wissen: Du bist nicht allein.
Und dann diese Worte, die schwer sind und zugleich leicht: Von Vergebung. Vom Lösen und Binden. Als würde er sagen: Ihr dürft Türen öffnen, wo Menschen sich selbst eingeschlossen haben. Ihr dürft Licht hineintragen in fremde und in eure eigenen Dunkelheiten. Nicht aus euch selbst. Sondern aus diesem Atem heraus.
Das ist das größte Wunder dieses Abends: Dass Menschen, die sich eingeschlossen haben, zu Menschen werden, die sich öffnen. Dass aus Angst Frieden wächst. Dass aus verschlossenen Räumen offener Himmel wird.