Weil er seiner Sendung treublieb
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Weil er seiner Sendung und seiner Botschaft treu blieb

Text: Matthäusevangelium 20, 17–19; 16, 21-23; 17, 22-23 - Übersetzung: Elberfelder Bibel

20, 17-19: 17 Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm er die zwölf Jünger allein zu sich und sprach auf dem Weg zu ihnen: 18 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohen Priestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen; 19 und sie werden ihn den Nationen überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferweckt werden.

16, 21-23: 21 Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse. 22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: (Gott) behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren. 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Anstoß, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.

17, 22-23: 22 Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände, 23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.

Gottes Wort schenkt uns Hoffnung und Trost

Jesus musste leiden. Musste. Warum?

Jesus wandert mit seinen Jüngerinnen und Jüngern dem Ziel Jerusalem entgegen. Dreimal spricht er offen darüber, was ihn dort erwartet: Ablehnung, Leid und Tod. Solche Worte können uns erschauern lassen. Vielleicht fragen wir uns: Warum setzt Jesus diesen Weg überhaupt fort? Möchte er leiden? Erwartet Gott dieses Leiden von ihm?

Nein. Jesus sucht das Leiden nicht auf. Er liebt das Leben. Er heilt Menschen, lädt sie zum Tisch und erzählt von Gottes Reich, von Vertrauen und Güte. Alles an ihm vermittelt die Botschaft, dass Gott Leben schenkt und will.

Jesus will nicht leiden. Doch er weiß: Wenn er seiner Botschaft treu bleibt, kann es sein, dass Leid ihn ereilt. Und hierin liegt ein wesentlicher Unterschied. Es gibt Momente, da wollen wir etwas nicht, nehmen es aber dennoch auf uns, weil uns etwas anderes wichtiger ist. Ein Mensch sagt die Wahrheit, obwohl er Schwierigkeiten erwartet. Jemand steht einem anderen bei, obwohl er dafür verspottet wird. Einer widerspricht, wenn Schwächere ungerecht behandelt werden. Eine andere bleibt ihrem Gewissen treu, selbst wenn sie dadurch Nachteile hat.

Leiden ist nicht wertvoll. Wertvoll ist, wofür wir bereit sind, es in Kauf zu nehmen. Bei Jesus ist es seine Vision vom Reich Gottes. Er träumt von einer Welt ohne Angst, in der Menschen ihren Wert nicht mehr beweisen müssen. Einer Welt, in der jeder erfahren darf: Ich darf sein. Ich bin gewollt. Ich bin angenommen.

Vielleicht ist dies eine der tiefgründigsten Botschaften Jesu überhaupt. Oft haben wir etwas anderes gelernt. Das Abrechnen beginnt früh: Wenn du brav bist, bekommst du Lob. Wenn du etwas leistest, hast du Wert. Wer erfolgreich ist, wird anerkannt.

Irgendwann übertragen wir diesen Maßstab auf unsere Beziehung zu Gott: Ich muss genug Gutes tun. Ich muss richtig glauben. Ich muss Gottes Erwartungen erfüllen. Jesus kehrt diese Reihenfolge um. Nicht zuerst Leistung und dann Liebe. Nicht zuerst gutes Verhalten und dann Annahme. Nicht zuerst Tun und dann Sein. Sondern andersherum: Zuerst darfst du sein. Du bist ein Mensch, den Gott gewollt hat. Dein Wert hängt nicht davon ab, wie viel du leistest, wie erfolgreich du bist oder wie andere über dich denken. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das direkt vor der dritten Leidensankündigung steht, erzählt genau davon. Selbst die zuletzt Angekommenen erhalten, was zum Leben nötig ist. Gott rechnet nicht wie ein Buchhalter. Seine Güte wird nicht verdient. Alles ist Gnade. Wer dies erfahren darf, wird innerlich frei.

Vielleicht können wir dann wieder wahrnehmen, wie viel uns geschenkt ist: den Atemzug, das Sonnenlicht, den Anblick eines Baumes, den Gesang eines Vogels, die Begegnung mit einem geliebten Menschen. Wir dürfen einfach sein. Unser Leben muss nicht erst durch Leistung Wert erhalten. Und aus diesem Beschenktsein kann Neues wachsen. Wer sich angenommen weiß, muss andere nicht kleinmachen. Wer seinen eigenen Wert erkennt, muss sich nicht über andere erheben. Wer Güte erfahren hat, kann Güte weitergeben.

Wegen dieser Botschaft gerät Jesus in Konflikt mit den Mächtigen seiner Zeit. Denn wer seine Würde von Gott empfängt, lässt sich von Angst nicht mehr beherrschen. Jesus weiß, sein Weg wird gefährlich. Dennoch geht er ihn weiter. Nicht weil er sterben möchte. Sondern weil er leben möchte - so wahrhaftig, so frei und so liebevoll, dass selbst die Furcht vor dem Tod ihn nicht abhalten kann.

Und deshalb endet keine seiner Leidensankündigungen im Tod. "Am dritten Tag wird er auferstehen." Das ist die entscheidende Botschaft. Das letzte Wort heißt: Leben.