Evangelium - Lebenshilfe für uns jetzt
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Evangelium - Lebenshilfe für uns jetzt

Wenn wir das Wort ›Evangelium‹ hören, denken wir vielleicht sofort an Religion, Kirche, Glaubenslehren, Matthäus, Markus, Lukas, Johannes oder die Frage, was nach unserem Sterben auf uns wartet.

Dabei bedeutet Evangelium ganz einfach: gute Nachricht, frohe Botschaft. Und die frohe Botschaft von Jesus gilt nicht irgendwann in der Zukunft. Sie gilt für unser Leben jetzt. Jesus will uns nicht auf ein fernes Jenseits vertrösten. Er möchte uns helfen,dass unser Leben jetzt gelingt. Jetzt menschlicher und gütiger zu werden. Jetzt Frieden zu stiften. Jetzt zu lernen, wie wir mit unseren Ängsten umgehen. Jetzt aufzustehen, wenn wir gefallen sind. Jetzt gemeinsam das Reich Gottes wachsen zu lassen.

Deshalb können wir das Evangelium auch als große Lebenshilfe verstehen. Jesus zeigt uns, was unserem Leben wirklich guttut. Wenn er sagt: "Sorgt euch nicht", spricht er zu Menschen, die sich von Sorgen auffressen lassen. Wenn er sagt: "Richtet nicht", möchte er uns von der ständigen Einteilung in gut und böse befreien. Wenn er sagt: "Liebt eure Feinde", weist er uns einen Weg aus dem Kreislauf von Hass, Vergeltung und Gewalt. Wenn er sagt: "Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen", schenkt er uns eine einfache Orientierung für unser Zusammenleben. Und wenn er Menschen vergibt, aufrichtet und ihnen einen neuen Anfang ermöglicht, sagt er: Du bist mehr als deine Fehler. Du darfst weitergehen.

Das ist Lebenshilfe. Das Evangelium ist deshalb auch eine Orientierungshilfe. Unser Leben ist kompliziert, und wir müssen täglich Entscheidungen treffen. Nicht immer wissen wir, was richtig und wichtig ist. Jesus gibt uns keine Gebrauchsanweisung mit tausend Vorschriften. Er schenkt uns etwas viel Wertvolleres: eine Richtung. Und diese Richtung heißt Liebe. Wir können uns fragen: Was dient dem Leben? Was hilft einem Menschen? Was schafft Frieden? Was heilt eine seelische Wunde? Was bewahrt die Würde eines Menschen? Was verbindet, anstatt zu trennen? Daran können wir unser Handeln ausrichten.

Das Evangelium ist auch Lernhilfe. Denn niemand kommt fertig auf die Welt. Unser ganzes Leben ist ein Lernprozess. Wir lernen, zu gehen und zu sprechen. Wir lernen, Beziehungen zu gestalten. Wir lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Wir lernen, dass wir nicht immer Recht haben. Wir lernen Vergebung. Wir lernen Geduld. Wir lernen Vertrauen. Und vor allem müssen wir lieben lernen. Jesus ist uns dabei ein wunderbarer Lehrer. Er verlangt nicht, dass seine Jüngerinnen und Jünger von heute auf morgen vollkommen sind. Denken wir an Petrus: Wie oft versteht er Jesus nicht! Wie oft reagiert er vorschnell! Er hat Angst, versagt und verleugnet Jesus. Und doch lässt Jesus ihn nicht fallen. Jesus gibt ihm Zeit.

Diese Botschaft gilt auch für uns: Gott schenkt uns Zeit zum Lernen. Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen Umwege gehen. Wir dürfen manch eine Erkenntnis erst nach dem dritten, zehnten oder hundertsten Versuch gewinnen.

Das Evangelium ist deshalb auch Reifungshilfe. Ein reifer Mensch ist nicht jemand, der keine Fehler mehr macht. Reifung bedeutet vielmehr, allmählich wahrhaftiger, gütiger, barmherziger und friedfertiger zu werden. Vielleicht reagieren wir heute in einer Situation noch mit Zorn. Doch morgen gelingt es uns vielleicht, einen Moment innezuhalten. Vielleicht tragen wir heute einem Menschen noch etwas nach. Irgendwann können wir loslassen. Vielleicht denken wir heute zuerst an uns selbst. Morgen nehmen wir den Menschen neben uns wahr.

So wächst das Reich Gottes in uns. Nicht spektakulär, oft ganz unscheinbar. Wie das Senfkorn, von dem Jesus erzählt. Wie der Sauerteig, der langsam den ganzen Teig durchdringt.

Deshalb ist das Evangelium auch Botschaft der Hoffnung. Es sagt uns: Du kannst dich entwickeln. Menschen können sich verändern. Unsere Welt kann sich wandeln. Wir sind nicht dazu verdammt, immer dieselben Fehler zu wiederholen.

Und schließlich ist das Evangelium eine Trostbotschaft. Denn auf unserem Weg gelingt vieles nicht. Wir bleiben unfertig. Wir verletzen andere und werden selbst verletzt. Wir scheitern an unseren guten Vorsätzen. Dann sagt uns Jesus nicht: "Du hast versagt." Er sagt: Steh wieder auf. Geh weiter. Ich gehe mit dir.

Vielleicht ist das eine der schönsten Botschaften des Evangeliums: Wir müssen nicht fertig sein. Wir dürfen Lernende bleiben.

Jesus, die menschgewordene Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, geht diesen Weg mit uns. Er hilft uns leben. Er hilft uns lernen. Er hilft uns wachsen und reifen. Er zeigt uns die Richtung. Und diese Richtung heißt: mehr Menschlichkeit, mehr Barmherzigkeit, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Frieden, mehr Liebe.

Nicht irgendwann.

Sondern: Jetzt.