Texterläuterung Matthäus 13, 52

Text: Matthäusevangelium 13, 52 - Einheitsübersetzung neu

Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Texterläuterung

In Matthäus 13,52 schließt Jesus seine Gleichnisrede mit einem kurzen, aber bedeutungsvollen Bild ab: 'Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.' Jesus spricht hier von einem Schriftgelehrten. Zur Zeit Jesu waren Schriftgelehrte Menschen, die die Heiligen Schriften Israels kannten, auslegten und lehrten. Doch Jesus meint nicht einfach einen Gelehrten im herkömmlichen Sinn. Er spricht von einem Schriftgelehrten, 'der ein Jünger des Himmelreiches geworden ist'. Gemeint ist ein Mensch, der die alten Schriften kennt und zugleich durch die Begegnung mit Jesus einen neuen Blick auf Gott gewonnen hat.

Das Bild vom Hausherrn verdeutlicht diese Aufgabe. In einem wohlhabenden Haus gab es eine Vorratskammer oder Schatzkammer, in der Wertvolles aufbewahrt wurde. Ein guter Hausherr weiß, was dort liegt, und kann je nach Situation das Passende hervorholen. Er bringt nicht nur Neues oder nur Altes, sondern beides.

So soll auch ein Jünger Jesu handeln. Er verwirft das Alte nicht. Die Erfahrungen Israels, die Weisheit der Propheten, die Gebote und die Geschichten des Glaubens bleiben wertvoll. Gleichzeitig eröffnet Jesus ganz neue Perspektiven: Gottes grenzenlose Liebe, seine Nähe zu allen Menschen, die Vergebung und das Vertrauen auf das kommende Reich Gottes. Das Neue hebt das Alte nicht auf, sondern lässt es in einem neuen Licht erscheinen.

Matthäus schreibt sein Evangelium für Menschen, die oft aus dem Judentum kamen und nun Jesus nachfolgten. Sie standen vor der Frage, wie sich ihr bisheriger Glaube und die Botschaft Jesu zueinander verhalten. Dieses Wort Jesu gibt eine Antwort: Wer Jesus folgt, muss die alten Schätze nicht wegwerfen. Vielmehr lernt er, Altes und Neues miteinander zu verbinden.

Der Vers spricht aber nicht nur die ersten Christen an. Er beschreibt eine Grundhaltung des Glaubens. Glaube bedeutet nicht, starr an Vergangenem festzuhalten. Er bedeutet ebenso wenig, alles Alte geringzuschätzen und nur dem Neuen nachzulaufen. Reifer Glaube lebt aus der Fähigkeit, die alten Schätze zu bewahren und zugleich offen zu bleiben für neue Einsichten, neue Erfahrungen und neue Wege, auf denen Gott den Menschen begegnet.

So wird der Jünger Jesu zu einem Hausherrn des Glaubens: Er lebt aus einem reichen Schatz, aus dem er immer wieder Altes und Neues hervorholen kann - zum eigenen Leben und zum Wohl anderer Menschen.

Aus dem Schatz des Herzens