Texterläuterung Johannes 3, 14-18

Text: Johannesevangelium 3, 14–18 - Einheitsübersetzung neu

14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. 16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

Texterläuterung

Der Abschnitt Johannes 3,14-18 gehört zu den bekanntesten und zugleich tiefsten Texten des Johannesevangeliums. Er steht im Zusammenhang des nächtlichen Gesprächs Jesu mit Nikodemus, einem Pharisäer und Mitglied des Hohen Rates. Nikodemus sucht Jesus auf, weil er spürt, dass in diesem Menschen etwas von Gott gegenwärtig ist. Das Gespräch kreist um neues Leben, Wiedergeburt 'aus Wasser und Geist' und um die Frage, wie ein Mensch wirklich zum Leben findet.

Mit den Versen 14-18 öffnet sich der Blick plötzlich weit: von der persönlichen Suche eines einzelnen Menschen hin zur ganzen Welt.

Die eherne Schlange in der Wüste

Jesus sagt: 'Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden.' Damit erinnert das Johannesevangelium an eine Erzählung aus dem Buch Numeri (Num 21,4-9). Das Volk Israel ist auf Wegen in der Wüste. Viele Menschen werden von giftigen Schlangen gebissen. Mose richtet auf Gottes Weisung hin eine bronzene Schlange auf einem Pfahl auf. Wer sie anschaut, bleibt am Leben.

Dieses Bild wird im Johannesevangelium auf Jesus bezogen. Das Entscheidende dabei ist: Die Rettung geschieht nicht durch magische Kräfte, sondern durch Vertrauen. Menschen schauen auf Jesus, der seine Liebe verschenkt hat mit allen Konsequenzen, - und öffnen ihm ihr Herz.

Das Wort 'erhöhen' hat im Johannesevangelium eine doppelte Bedeutung. Einerseits meint es ganz konkret das Erhöhtwerden am Kreuz. Jesus wird von der Erde 'emporgehoben'. Andererseits klingt darin bereits Verherrlichung an. Gerade im Augenblick äußerster Ohnmacht zeigt sich nach Johannes Gottes tiefstes Wesen: seine Liebe. Das Kreuz ist nicht nur ein Ort des Leidens, sondern zugleich Offenbarung Gottes. Dort wird sichtbar, wie weit Gottes Liebe geht. 'So sehr hat Gott die Welt geliebt ...' Johannes 3,16 ist gewissermaßen die Mitte des Evangeliums: 'Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab ...' Auffällig ist das Wort 'Welt'. Im Johannesevangelium bezeichnet 'Welt' oft die von Angst, Gewalt und Gottesferne geprägte Menschheit. Gerade diese Welt liebt Gott. Nicht erst die Guten. Nicht erst die Frommen. Nicht erst die Perfekten. Gott liebt die Welt in ihrer Zerbrechlichkeit. Der Satz sagt auch nicht: Gott liebte die Welt irgendwann einmal. Die Liebe Gottes ist Gegenwart. Sie ist Bewegung auf den Menschen hin.

'Damit jeder, der an ihn glaubt ...' 'Glauben' bedeutet im Johannesevangelium weit mehr als das Für-wahr-Halten bestimmter Aussagen, bestimmter Glaubenssätze. Gemeint ist Vertrauen. Sich Christus anvertrauen. Sich öffnen für das Leben, das er uns zeigt. Das 'ewige Leben' beginnt dabei nicht erst nach dem Tod. Im Johannesevangelium ist es schon jetzt erfahrbar: als Leben aus der Verbindung mit Gott, als inneres Heilwerden, als Leben im Licht. Nicht Verurteilung, sondern Rettung. Besonders wichtig ist Vers 17: 'Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.' Das widerspricht vielen religiösen Vorstellungen von einem strafenden Gott. Der Blick Gottes auf den Menschen ist nicht Verurteilung, sondern Rettung. Johannes spricht zwar auch vom Gericht. Doch das Gericht geschieht nicht als willkürliche Strafe Gottes. Es besteht darin, dass der Mensch sich dem Licht öffnet oder sich davor verschließt (eine Zeit lang, gewiss nicht für immer).

Johannes 3,14-18 ist kein Drohtext, sondern ein Einladungstext: eine Einladung, auf die Liebe Gottes zu schauen und sich in sie hineiunfallen zu lassen.

Das Gesicht der Liebe

Ich werde für dich das Gesicht der Liebe sein

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