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Ich werde für dich das Gesicht der Liebe sein
Die Handlung des Filmes 'Dead Man Walking'
Der Film erzählt eine Geschichte über Schuld, Gewalt, Angst, Gerechtigkeit - und über die Frage, ob ein Mensch selbst im Abgrund noch als Mensch angesehen werden kann.
Im Mittelpunkt steht Schwester Helen Prejean, eine katholische Nonne, die in einem Armenviertel arbeitet. Eines Tages erhält sie einen Brief von Matthew Poncelet, einem Mann im Todestrakt eines Gefängnisses in Louisiana. Er bittet sie um Beistand. Matthew wurde wegen der brutalen Ermordung eines jungen Paares zum Tode verurteilt.
Als Helen ihn zum ersten Mal besucht, begegnet sie keinem reuigen Menschen. Matthew ist zynisch, aggressiv, rassistisch, voller Abwehr. Er leugnet seine Verantwortung teilweise, spielt Härte vor und versucht, niemanden an sich heranzulassen. Viele würden sagen: Dieser Mensch verdient kein Mitgefühl mehr.
Doch Helen bleibt. Sie besucht ihn immer wieder. Nicht, weil sie seine Tat entschuldigt. Auch nicht, weil sie die Familien der Opfer vergessen würde. Im Gegenteil: Der Film zeigt sehr eindringlich den Schmerz der Eltern, ihre zerstörten Leben, ihre Wut, ihre Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Helen steht zwischen beiden Welten: zwischen den Trauernden und dem Verurteilten. Gerade darin liegt die Kraft des Films. Er macht es dem Zuschauer nicht leicht. Matthew ist kein 'sympathischer' Mensch. Und dennoch beginnt Helen hinter all den Masken einen verängstigten Menschen zu sehen - einen Menschen, der sich selbst verloren hat.
Je näher der Hinrichtungstermin rückt, desto mehr zerbricht Matthews Fassade. Zum ersten Mal beginnt er ehrlich hinzuschauen. Er gesteht schließlich seine Beteiligung an den Morden. Nicht mehr Ausreden. Nicht mehr Verdrängung. Wahrheit.
Und dann kommt jene zutiefst bewegende Szene. Kurz vor der Hinrichtung sitzt Helen bei ihm. Matthew hat Angst. Unfassbare Angst. Er weiß, dass er sterben wird. Alles Harte fällt von ihm ab. Er ist nicht mehr der zynische Gefangene. Nur noch ein Mensch, der sich an etwas festhalten möchte.
Da sagt Schwester Helen zu ihm sinngemäß: 'Ich werde für dich das Gesicht der Liebe sein.' Im englischen Original sagt sie: 'I'll be the face of love for you.' Dieser Satz ist das Herz des ganzen Films. Denn Helen sagt damit nicht: 'Alles ist gut.' Oder: 'Deine Tat war nicht schlimm.' Sie sagt: 'Auch jetzt bist du nicht verlassen.' 'Auch jetzt schaut dich noch jemand mit Menschlichkeit an.' 'Du musst nicht allein in die Dunkelheit gehen.' In dieser Szene verdichtet sich die ganze Botschaft des Films: Dass ein Mensch mehr ist als seine schlimmste Tat. Dass Wahrheit und Einfühlen zusammengehören. Dass Liebe gerade dort beginnt, wo niemand mehr an Liebe glaubt.
Die Hinrichtung selbst ist erschütternd nüchtern dargestellt. Kein Pathos. Keine Erlösung im billigen Sinn. Während Matthew zur Exekution geführt wird, sieht man zugleich Bilder der ermordeten Jugendlichen. Der Film vergisst die Opfer nie. Gerade deshalb wirkt Helens Nähe zu Matthew so radikal: Sie hält den Schmerz beider Seiten aus.
Am Ende bleibt kein einfacher Trost. Aber etwas anderes bleibt: die Ahnung, dass Menschlichkeit darin besteht, einem Menschen auch im äußersten Moment noch ein Gesicht der Liebe zu zeigen.