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Petrus, Johannes und Jakobus erzählen
Text: Matthäusevangelium 17, 1–23 - Übersetzung: Elberfelder Bibel
1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie abseits auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht; 3 und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. 4 Petrus aber begann und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. 5 Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme (kam) aus der Wolke, welche sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! 6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als ihn, Jesus, allein. 9 Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemandem die Erscheinung (weiter), bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferweckt worden ist! 10 Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse? 11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge wiederherstellen. 12 Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden. 13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach. 14 Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie 15 und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes! Denn er ist anfallskrank und leidet arg; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen. 17 Jesus aber antwortete und sprach: Ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her! 18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. 19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? 20-21 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens[2]; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände, 23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.
Wir haben ihn gesehen, wie wir ihn noch nie gesehen haben
Es war Abend geworden. Ein kleines Feuer brannte, und die Jünger saßen beisammen. Petrus, Jakobus und Johannes waren ungewöhnlich still. Die anderen hatten längst bemerkt, dass etwas mit ihnen geschehen war.
Andreas rückte näher an seinen Bruder Petrus heran. "Was ist eigentlich dort oben auf dem Berg passiert? Seit ihr zurückgekommen seid, seid ihr wie verwandelt."
Petrus blickte ins Feuer. Lange sagte er nichts. Dann begann er leise: "Ich weiß nicht, ob ich Worte dafür finde. Ich weiß nicht einmal, ob ich selbst begreife, was wir erlebt haben." "Versuch es", sagte Andreas. Petrus sah zu Jakobus und Johannes hinüber. "Wir sind mit Jesus auf den Berg gestiegen. Es war ein langer Weg. Wir waren müde. Und dann ..." Er hielt inne. "Dann war plötzlich alles anders." "Was war anders?", fragte Thomas. "Jesus", antwortete Johannes, "Jesus war anders. Und doch war er derselbe." Die anderen schauten ihn verständnislos an. Johannes suchte nach Worten. "Ihr kennt doch sein Gesicht. Ihr habt es tausendmal gesehen. Wenn er mit den Kindern lacht. Wenn er einem Kranken zuhört. Wenn er traurig ist über die Hartherzigkeit der Menschen." Er schwieg einen Augenblick. "Aber dort oben ... dort haben wir etwas in seinem Gesicht gesehen, das wir vorher noch nie so gesehen hatten." "Was denn?"
"Licht", sagte Jakobus. "Licht?", fragte Thomas. "Ja. Aber nicht wie das Licht einer Fackel. Nicht wie das Licht der Sonne, das von außen auf einen Menschen fällt. Es war, als würde das Licht aus ihm selbst kommen." Petrus nickte. "Sein Gesicht leuchtete. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass alles, was Jesus jemals gesagt und getan hat, vor meinen Augen lebendig wurde. Jede liebevolle Berührung. Jedes Wort der Vergebung. Jeder Mensch, den er aufgerichtet hat." "Und Mose und Elija waren da als unvorstellbar schöne Lichtgestalten", fügte Jakobus hinzu. "Mose und Elija?", fragte Andreas erstaunt. "Ja. Es war, als wäre die ganze Geschichte unseres Volkes gegenwärtig. Alles, was unsere Väter und Mütter von Gott erhofft hatten. Alles, was die Propheten verkündet hatten. Und mitten darin stand Jesus."
Eine Weile sagte niemand etwas. Dann fragte Thomas: "Und was habt ihr getan?" Petrus lächelte verlegen. "Ich habe etwas ziemlich Dummes gesagt. Ich wollte Hütten bauen. Drei Hütten. Für Jesus, Mose und Elija." "Warum?", fragte Andreas. Petrus blickte auf. "Weil ich wollte, dass es niemals aufhört." Seine Stimme wurde leiser. "Kennt ihr das nicht? Einen Augenblick, in dem ihr so glücklich seid, dass ihr euch wüünscht, die Zeit würde stehen bleiben? In dem ihr euch vollkommen geborgen fühlt? Als könnte euch nichts mehr geschehen?" Die anderen nickten. "So war es dort oben. Ich wollte bleiben. Für immer."
"Aber dann", sagte Johannes, "kam diese Wolke." Petrus wurde ernst. "Und eine Stimme. Ich werde sie nie vergessen." "Was hat sie gesagt?" "Dieser ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören."
Wieder wurde es still. "Ich hatte Angst", gestand Jakobus. "Eine solche Angst, dass ich zu Boden fiel."Wir alle hatten Angst", sagte Johannes. "Und dann?", fragte Andreas. Petrus lächelte. "Dann geschah etwas, das ich beinahe noch wunderbarer fand als alles andere." "Was denn?" "Jesus kam zu uns. Er berührte uns. Ganz sanft. So, wie er schon so viele Menschen berührt hat. Und er sagte: Steht auf. Fürchtet euch nicht."
Petrus sah in die Runde. "Da habe ich etwas begriffen. Das Licht, das wir gesehen hatten, war nicht verschwunden. Es war noch immer da. In seiner Stimme. In seiner Hand. In seiner Liebe." Johannes nickte. "Als wir aufblickten, war alles wieder wie vorher. Keine Wolke, kein Mose, kein Elija. Nur Jesus." "Und dann seid ihr heruntergekommen vom Berg?", sagte Thomas. "Ja", antwortete Jakobus. "Und unten wartete dieser Vater mit seinem kranken Jungen." "Wir konnten ihm nicht helfen", sagte Andreas bedrückt. "Wir hatten alles versucht." "Ich weiß", sagte Petrus. "Und Jesus hat ihn geheilt", fügte Johannes hinzu.
Thomas blickte nachdenklich ins Feuer. "Merkwürdig", sagte er schließlich. "Ihr habt oben auf dem Berg Gottes Herrlichkeit gesehen. Und unten im Tal habt ihr einen verzweifelten Vater und sein leidendes Kind gefunden." "Ja", antwortete Petrus. "Und ich glaube, gerade das gehört zusammen." "Was meinst du?" Petrus überlegte. "Dort oben habe ich Jesus im strahlenden Licht gesehen. Unten habe ich ihn gesehen, wie er sich zu diesem Jungen hinunterbeugte." Er sah die anderen an. "Und wisst ihr, was mich seitdem nicht mehr loslässt?" Niemand antwortete. "Ich glaube, es war dasselbe Licht." "Dasselbe Licht?", fragte Andreas. "Ja. Auf dem Berg konnten wir es mit unseren Augen sehen. Unten im Tal konnten wir es in seiner Liebe erfahren." Johannes lächelte. "Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis Jesu: dass Gott nicht nur dort ist, wo alles hell und schön ist, sondern auch dort, wo Menschen leiden und verzweifeln." Jakobus fügte hinzu: "Und dass wir nicht auf dem Berg bleiben dürfen, wenn unten jemand auf uns wartet."
Das Feuer war inzwischen kleiner geworden. Lange saßen sie schweigend beisammen. Schließlich sagte Thomas: "Ich wäre auch gern dabei gewesen. Ich hätte dieses Licht so gern gesehen." Petrus sah ihn liebevoll an. "Thomas, heute Nachmittag, als du dem Vater des kranken Jungen die Hand auf die Schulter gelegt hast - erinnerst du dich?" "Ja." "Du hast ihm gesagt: Hab keine Angst. Wir lassen dich nicht allein." "Ja", antwortete Thomas. "Aber was hat das damit zu tun?" Petrus lächelte. "Vielleicht hast du da dieses Licht weitergegeben." Thomas schwieg.
Johannes blickte in die Glut. "Dann müssen wir gar nicht alle auf diesen Berg steigen", sagte er leise. "Nein", antwortete Petrus. "Wir müssen nur lernen, mit den Augen Jesu auf die Menschen zu schauen."
In diesem Augenblick kam Jesus zu ihnen und setzte sich ans Feuer. Niemand sagte etwas. Petrus betrachtete sein Gesicht. Es war müde vom langen Tag. Kein überirdischer Glanz lag darauf. Nur das warme Licht des Feuers spiegelte sich in seinen Augen. Jesus lächelte. "Was schaut ihr mich so an?" Petrus lächelte zurück. "Ach, nichts, Meister." Dann rückte er ein wenig zur Seite, damit Jesus näher ans Feuer konnte.