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Kommentar zu Matthäus 17, 1-23
Text: Matthäusevangelium 17, 1–23 - Übersetzung: Elberfelder Bibel
1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie abseits auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht; 3 und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. 4 Petrus aber begann und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. 5 Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme (kam) aus der Wolke, welche sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! 6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als ihn, Jesus, allein. 9 Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemandem die Erscheinung (weiter), bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferweckt worden ist! 10 Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse? 11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge wiederherstellen. 12 Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden. 13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach. 14 Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie 15 und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes! Denn er ist anfallskrank und leidet arg; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen. 17 Jesus aber antwortete und sprach: Ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her! 18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. 19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? 20-21 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens[2]; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände, 23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.
Kommentar
Matthäus 17,1-23 verbindet drei Ereignisse: die Verklärung Jesu auf einem hohen Berg, die Heilung eines schwer kranken Jungen und die erneute Ankündigung von Jesu Leiden und Sterben. Diese drei Szenen gehören innerlich zusammen. Sie vermitteln eine zentrale Botschaft: Gott begegnet uns nicht nur in den lichtvollen Momenten unseres Lebens, sondern gerade auch dort, wo wir leiden und an unsere Grenzen stoßen.
Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Dort wird er vor ihren Augen verwandelt. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie Licht. Mose und Elija erscheinen und sprechen mit ihm.
Der Berg ist in der Bibel ein besonderer Ort der Gottesbegegnung. Mose steht für das Gesetz, Elija für die Propheten. In Jesus erhält das, was Israel seit Jahrhunderten von Gott erhofft, eine neue Gestalt.
Die Verklärung zeigt deutlich: In Jesus leuchtet die grenzenlose Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes auf. Petrus ist überwältigt. Er möchte drei Hütten bauen, um diesen wunderbaren Augenblick festzuhalten.
Auch wir kennen solche Momente: ein tiefes Gespräch, eine herzliche Begegnung, eine Erfahrung des Angenommenseins, ein Moment inneren Friedens. Für kurze Zeit erscheint unser Leben in einem anderen Licht. Solche Augenblicke möchten wir bewahren.
Doch eine Stimme aus der Wolke sagt: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören." Die Jünger können nicht auf dem Berg bleiben, sondern Jesus vertrauen und seinen Weg mitgehen. Als sie voller Angst zu Boden fallen, kommt Jesus zu ihnen, berührt sie und sagt: "Steht auf, fürchtet euch nicht!" Jesus begegnet menschlicher Angst mit einer liebevollen Berührung.
Als die Jünger aufblicken, sehen sie nur noch Jesus. Das außergewöhnliche Licht ist verschwunden.
Beim Abstieg fragen die Jünger nach Elija, dessen Wiederkunft damals erwartet wurde. Jesus erklärt, dass Elija bereits gekommen sei, aber nicht erkannt wurde. Matthäus bezieht diese Aussage auf Johannes den Täufer. Johannes wurde abgelehnt und getötet.
Kaum ist Jesus vom Berg herabgestiegen, begegnet ihm ein verzweifelter Vater. Sein Sohn leidet schwer. Immer wieder stürzt er ins Feuer oder ins Wasser. Die Jünger konnten ihm nicht helfen.
Der Gegensatz könnte kaum größer sein. Auf dem Berg: Licht, Herrlichkeit, Gottesnähe. Unten im Tal: Krankheit, Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Die Gotteserfahrung auf dem Berg findet ihre Fortsetzung in der liebevollen Zuwendung zu einem leidenden Menschen. Jesus bleibt nicht in der Himmelsherrlichkeit. Er geht dorthin, wo Menschen ihn brauchen.
Die Krankheit des Jungen wurde damals als dämonische Besessenheit verstanden. Die beschriebenen Symptome erinnern an epileptische Anfälle. Entscheidend ist jedoch: Da ist ein leidendes Kind, ein verzweifelter Vater und ein Mensch, der sich ihrer Not annimmt. Jesus heilt den Jungen. Die Heilung wird zum Zeichen des Reiches Gottes: Menschen sollen aufleben können. Was sie gefangen hält und ihr Leben zerstört, verliert seine Macht.
Anschließend spricht Jesus vom Glauben, der so klein sein kann wie ein Senfkorn und dennoch Berge versetzt. Damit ist keine magische Kraft gemeint, mit der sich jede Krankheit beseitigen ließe. Ebenso wenig sind Menschen an ihrem Leiden schuld, weil sie angeblich zu wenig glauben.
Am Ende kündigt Jesus erneut sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung an. Jesus bleibt seinem Weg treu, selbst wenn dieser Weg ihn das Leben kostet.
Auch unser Leben kennt Berge und Täler: Stunden des Glücks und Zeiten der Trauer, Augenblicke der Geborgenheit und Erfahrungen der Ohnmacht. Das Evangelium verkündet, dass Gott auch in den Tälern unseres Lebens uns ganz nahe ist.