Das Netz der Liebe Gottes
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Das Netz der Liebe Gottes ist unendlich größer als das engstirnige Schubladendenken der Menschen

Text: Matthäusevangelium 13, 47-48 - Übersetzung: Das Jesus-Evangelium

Womit soll ich die Gottesherrschaft vergleichen? Fischer ließen ein Schleppnetz hinab in den See. Es brachte Fische jeder Art zusammen. Als es gefüllt war, zogen sie es ans Ufer und setzten sich hin, um die Fische zu sortieren. Die Reinen unter ihnen warfen sie in Körbe, die Unreinen warfen sie zurück in den See.

Gottes Wort ist für uns wie ein kostbarer Schatz

Wir Menschen neigen dazu, die Welt einzuteilen. Wir ordnen, sortieren und bewerten. Wir unterscheiden zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, zwischen denen, die dazugehören, und denen, die nicht dazugehören. Zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Zwischen Anständigen und Unanständigen. Zwischen Erfolgreichen und Gescheiterten.

Dieses Denken begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Es gibt uns scheinbar Sicherheit. Wenn wir die Menschen in Gruppen einteilen können, wissen wir, wo wir selbst stehen möchten. Am liebsten natürlich auf der richtigen Seite.

Auch im Glauben geschieht das immer wieder. Menschen teilen ein in Reine und Unreine, in Würdige und Unwürdige, in Gerettete und Verlorene. Und nicht selten übertragen sie dieses Denken auf Gott. Sie stellen sich Gott als einen großen Sortierer vor: Er prüft die Menschen, trennt die Guten von den Schlechten, belohnt die einen und bestraft die anderen.

Doch Jesus zeichnet ein anderes Bild von Gott. Im Gleichnis vom Netz werden zunächst alle Fische eingesammelt. Das Netz schließt alles ein. Es macht keinen Unterschied. Es fragt nicht nach Wert, Herkunft oder Qualität. Erst die Menschen am Ufer beginnen zu sortieren. Darin liegt ein wichtiger Hinweis. Das Sammeln ist Gottes Werk. Das Sortieren ist Menschenwerk.

Jesus begegnet in seinem Leben immer wieder genau denen, die andere bereits aussortiert hatten. Er setzt sich an einen Tisch mit Zöllnern und Sünderinnen und Sündern. Er berührt Aussätzige. Er spricht mit Menschen, die als religiös oder moralisch gescheitert gelten. Er fragt nicht zuerst nach ihrer Würdigkeit. Er schenkt ihnen seine Nähe.

Der Gott Jesu Christi ist kein Gott der Ausgrenzung. Er ist ein Gott der unerschöpflichen Liebe. Er hat jedes Geschöpf aus Liebe ins Dasein gerufen. Niemand ist ein Versehen. Niemand ist überflüssig. Niemandällt aus seinem Herzen heraus. Die Sonne scheint über Gerechte und Ungerechte. Der Regen fällt auf die Felder aller Menschen. Die Liebe Gottes wird nicht nach Leistung verteilt. Sie wird nicht verdient. Sie ist Geschenk.

Darum ist Gott ganz anders, als viele ihn sich vorstellen. Er sitzt nicht auf einem Richterstuhl und wartet darauf, Fehler zu zählen. Er führt keine Liste der Verfehlungen. Er sucht keinen Anlass zur Verdammung.

Jesus erzählt von einem Vater, der dem verlorenen Sohn entgegenläuft. Von einem Hirten, der dem einen verlorenen Schaf nachgeht. Von einer Frau, die die verlorene Münze sucht, bis sie sie findet. Das ist die Richtung Gottes: nicht wegstoßen, sondern suchen; nicht verurteilen, sondern heilen; nicht verdammen, sondern retten.

Natürlich erleben Menschen die Folgen ihres Handelns. Wer Hass sät, wird die Bitterkeit des Hasses erfahren. Wer sich verschließt, leidet unter seiner eigenen Enge. Doch das ist etwas anderes als ein Gott, der Menschen aktiv bestraft oder verwirft.

Die Liebe Gottes bleibt bestehen. Sie hört nicht auf. Sie wird nicht zurückgenommen. Sie begleitet den Menschen selbst dort, wo er sich verirrt hat. Sie klopft an verschlossene Türen. Sie wartet geduldig. Sie gibt niemals auf. Vielleicht ist das eine der größten Herausforderungen des Evangeliums: Gottes Liebe ist größer als unsere Schubladen. Wir möchten oft entscheiden, wer dazugehört und wer nicht. Gott aber schaut auf jedes Geschöpf mit den Augen der Liebe. Wir fragen: Wer ist würdig? Gott fragt: Wer braucht meine Liebe? Wir fragen: Wer hat recht? Gott fragt: Wer leidet? Wir fragen: Wer gehört dazu? Gott antwortet: Alle.

Darum lädt uns Jesus ein, unser dualistisches Denken loszulassen. Nicht länger Menschen in wertvoll und wertlos, rein und unrein, gut und schlecht einzuteilen. Sondern sie mit den Augen Gottes zu betrachten. Denn am Ende steht nicht die Trennung, sondern die Liebe. Nicht die Verdammung, sondern die Heilung. Nicht die Ausgrenzung, sondern die Umarmung.

Keiner fällt durch das Netz Gottes

Im Netz der unendlichen Liebe - Bildmeditation