Religion in uns gegen Religion von aussen
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Religion in uns gegen Religion von aussen oder: Das menschliche Herz ist Gottes Tempel

Text: Matthäusevangelium 21, 23–27 - Einheitsübersetzung neu

Und als er in den Tempel kam, traten, als er lehrte, die Hohen Priester und die Ältesten des Volkes zu ihm und sprachen: In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue. Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: von Menschen, so haben wir die Volksmenge zu fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten. Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht. Da sagte auch er zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.

Gottes Wort ist Orientierung für uns

Diese Collage zeigt zwei Wege, Religion zu verstehen.

Auf der einen Seite sehen wir den Tempel von Jerusalem - groß, beeindruckend, Mittelpunkt des religiösen Lebens. Darüber schwebt ein Herz. Es scheint den Tempel zu umschließen und zugleich zu sagen: Der eigentliche Tempel ist nicht aus Stein gebaut. Der wahre Tempel ist das menschliche Herz.

Auf der anderen Seite stehen zwei Möglichkeiten untereinander: Religion in uns: Gott wohnt in uns. Er spricht unmittelbar zu uns. Sein Geist ist unser innerer Lehrer. Er führt uns zur Freiheit und zur Eigenverantwortung. - Religion von außen: Institutionen. Machtapparat. Traditionen. Vorschriften. Lehren. Dogmen. Kulte. Riten.

Um diesen Gegensatz geht es bei Matthäus 21, 23-27. Die Hohenpriester und Ältesten fragen Jesus: 'In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?' Sie wollen wissen, wer ihn autorisiert hat. Wer hat ihm das Recht gegeben, im Tempel zu lehren? Welche religiöse Instanz steht hinter ihm?

Das ist eine typische Frage einer Religion von außen, einer institutionalisierten Religion. Denn eine institutionalisierte Religion lebt von Zuständigkeiten. Von Ämtern. Von Hierarchien. Von Genehmigungen. Von Macht.

Jesus beantwortet diese Frage nicht. Stattdessen fragt er zurück: 'Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen?' Da geraten seine Gegner in Verlegenheit. Sie beginnen nicht zu beten. Sie fragen nicht nach Gott. Sie überlegen nur, welche Antwort für sie politisch am günstigsten wäre. Ihre Religion kreist nicht um Gott, sondern um den eigenen Machterhalt. Darum endet das Gespräch mit dem Satz: 'Wir wissen es nicht.' Dabei hätten sie es wissen müssen. Nicht mit dem Verstand. Sondern mit dem Herzen. Denn Gott ist keine Theorie. Gott ist Erfahrung.

Jesus selbst ist das Gegenbild zu dieser äußeren Religion. Er beruft sich nie auf religiöse Titel. Er sagt nicht: 'Ich darf reden, weil ich ordiniert wurde.' Er sagt nicht: 'Ich habe die Beauftragung einer religiösen Obrigkeit.' Er lebt aus einer anderen Quelle. Immer wieder zieht er sich in die Stille zurück. Immer wieder spricht er mit seinem Abba. Alles, was er sagt und tut, kommt aus dieser inneren Einheit mit Gott. Seine Vollmacht entsteht nicht durch eine Institution. Sie wächst aus einer lebendigen Gottesbeziehung. Darum hören die Menschen ihm so gern zu. Sie spüren: Hier spricht einer nicht aus Büchern. Hier spricht einer aus dem Herzen. Hier spricht einer mit göttlicher Vollmacht.

Das ist die Botschaft der Collage. Der Tempel steht im Herzen. Nicht das Herz im Tempel. Schon der Prophet Jeremia hatte angekündigt: 'Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und schreibe es ihnen ins Herz.' Und der Apostel Paulus sagt: 'Ihr seid Gottes Tempel, und Gottes Geist wohnt in euch.'

Das verändert alles. Da wird Religion nicht etwas, das von außen auf uns zukommt. Nicht Vorschriften. Nicht Kontrolle. Nicht Angst. Nicht Gehorsam gegenüber Menschen. Sondern Vertrauen. Hören. Liebe. Ein inneres Gespür dafür, was dem Leben dient.

Das bedeutet nicht, dass institutionalisierte Religionen, Gottesdienste oder Traditionen wertlos wären. Sie können wertvolle Wegweiser sein. Sie können Menschen zusammenführen. Sie können Räume öffnen, in denen Gott erfahrbar wird. Aber sie dürfen niemals den Platz Gottes einnehmen. Denn jede Institution gerät in Gefahr, sich selbst wichtiger zu nehmen als den Geist, aus dem sie entstanden ist.

Wo Macht wichtiger wird als Liebe, wo Dogmen wichtiger werden als Menschen, wo Gehorsam wichtiger wird als das Gewissen, da wird Religion von außen zur Last. Davor hat Jesus gewarnt. Die große Frage lautet deshalb nicht: 'Wer hat dir das erlaubt?' Die große Frage lautet: 'Spricht hier die Liebe Gottes?' Bringen diese Worte mehr Freiheit? Mehr Leben? Mehr Vertrauen? Mehr Empathie? Oder erzeugen sie Angst, Abhängigkeit und Unfreiheit? Daran erkennt man den Geist Gottes.

Das Herz auf der Collage umschließt den Tempel. Es sagt uns: Der schönste Tempel, den Gott bewohnt, ist kein Gebäude aus Stein. Es ist unser Herz. Hier wohnt Gott. Hier spricht er. Als innere Stimme der Liebe. Als Kraft des Vertrauens. Als Geist der Freiheit. Wer auf seine Stimme hört, braucht keine äußere Vollmacht, um in seinem Namen zu reden und zu handeln.