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Nicht in der Hand von dunklen Mächten, sondern in Gottes Hand ruht unser Leben
Text: Matthäusevangelium 14, 24-27 - Übersetzung: Drewermann
24 Das Boot aber hielt schon viele Stadien weit vom Land ab und mühte sich ab mit den Wogen, denn der Wind stand entgegen. 25 Zur vierten Nachtwache aber ist er zu ihnen gekommen, einherwandelnd über das 'Meer'. 26 Die Jünger aber, als sie ihn sahen, wie er über das 'Meer' einherwandelt, waren erschrocken, sprechend: Ein Gespenst ist das, und vor Furcht schrien sie auf. 27 Doch gleich redete Jesus zu ihnen, sprechend: Fasst Mut, ich bin! Fürchtet euch nicht.
Gottes Wort ist frohmachende Botschaft für uns
Diese Geschichte wirkt fremdartig, mythologisch. Wenn sie heute in der Zeitung stünde, würde sie von ihren Lesern als magisch abgetan. Umso wichtiger, dass wir sie uns genauer ansehen.
Die Männer im Boot auf dem See haben Gegenwind. Jeder Ruderschlag kostet unendlich viel Kraft. Sie kommen kaum voran.
Für die Menschen zur Zeit Jesu war das Meer mehr als nur Wasser. Das Meer war Sinnbild der chaotischen Mächte. Dort vermutete man die dunklen Gewalten, die das Leben bedrohen. Das Meer stand symbolisch für alles, was Menschen verschlingen und zerstören kann. In der vierten Nachtwache - das ist die Zeit zwischen drei und sechs Uhr morgens - sehen sie eine Gestalt auf dem Wasser. Sie denken sofort. 'Ein Nachtdämon.' Ihre Angst malt ihnen das Schlimmste aus. Sie schreien vor Angst.
Da hören sie eine Stimme, die sagt: 'Fasst Mut! Ich bin. Fürchtet euch nicht!' Nicht ein Dämon kommt ihnen entgegen. Nicht eine dunkle Macht. Nicht ein grausiges Schicksal.
Jesus kommt.
Und mit ihm die Botschaft, die durch die ganze Bibel klingt: Ihr seid nicht den Mächten des Chaos ausgeliefert. Ihr seid nicht Spielball blinder Kräfte. Euer Leben liegt nicht in den Händen der Finsternis.
Jesus sagt: 'Ich bin.' Das sind Worte, die an den Gottesnamen erinnern. So hatte Gott sich einst Mose vorgestellt. Jesus sagt damit: Dort, wo ihr nur Dunkelheit seht, ist Gott. Dort, wo ihr nur Bedrohung wahrnehmt, trägt euch Gott. Unser Leben ruht nicht auf Zufall. Unser Leben ruht nicht auf dem Schicksal. Unser Leben ruht nicht auf dunklen Gewalten. Unser Leben ruht im Geheimnis Gottes, dem absoluten Grund allen Seins. Es gibt keinen anderen. Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter geborgen ist, wie ein Vater sein Kind hält, wenn es zu stürzen droht, so hält Gott jeden Menschen. Nicht immer bewahrt er uns sofort vor jedem Gegenwind. Nicht immer beruhigt sich sofort das Meer der Angst. Die Nacht der Trübsal endet nicht augenblicklich.
Aber mitten im Gegenwind, mitten in unseren Ängsten spricht er: 'Fürchte dich nicht. Ich bin.' Das ist die große Botschaft dieser Geschichte. Der Gegenwind ist nicht Gott. Die Angst ist nicht Gott. Das Schicksal ist nicht Gott. Die dunklen Mächte sind nicht Gott. Gott steht über all dem. Und seine Liebe ist unendlich größer als alles, was uns bedroht. Darauf dürfen wir immer vertrauen - auch in den dunklen Stunden unseres Lebens.
Unter allen Wellen, unter allen Ängsten, unter allen Fragen trägt uns eine Hand: Die Hand des mütterlich und väterlich ewig Liebenden. Und seine Hand lässt keinen Menschen und kein Geschöpf fallen.