Bergeversetzendes Gottvertrauen
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Die Kraft des Gottvertrauens

Text: Matthäusevangelium 21, 18–22 - Einheitsübersetzung neu

Des Morgens früh aber, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. Und als er einen Feigenbaum an dem Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm als nur Blätter. Und er spricht zu ihm: Nie mehr komme Frucht von dir in Ewigkeitt! Und sogleich verdorrte der Feigenbaum. Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum sogleich verdorrt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!, so wird es geschehen. Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.

Gottes Wort ist Licht über unseren Pfaden

Jesus sagt etwas Unvorstellbares: 'Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!, so wird es geschehen.' Fast ebenso kühn sagt er an anderer Stelle: 'Alles ist möglich dem, der glaubt.' Und immer wieder hören wir nach einer Heilung: 'Dein Glaube hat dich geheilt.' Oder genauer übersetzt: 'Dein Glaube hat dich gerettet.'

Was meint Jesus damit? Hat Glaube magische Kräfte? Keinesfalls. Aber Jesus ist überzeugt: Gottvertrauen besitzt eine unvorstellbare Kraft. Auffallend ist: Jesus sagt nie: 'Ich habe dich geheilt.' Er sagt: 'Dein Glaube hat dich geheilt.' Warum? Weil der zu heilende Mensch sich im Vertrauen ganz für Gottes Wirken geöffnet hat. Nicht der Mensch selbst verfügt über göttliche Kräfte. Sondern: Wenn ein Mensch Gott alles zutraut, kann Gottes Kraft ungehindert wirken. Gottvertrauen ist wie ein Fenster. Die Sonne muss nicht erst geschaffen werden. Sie war schon immer da. Aber das Fenster lässt ihr Licht ins Haus.

Jesus kennt die Wirkkraft des Vertrauens auf Gott, seinen Abba, aus eigenen Erfahrungen. Deshalb sagt er: 'Alles kann, wer glaubt.' Das ist kein Aufruf zum Wunschdenken. Es ist eine Einladung, Gottes Möglichkeiten weiter zu denken als unsere Grenzen. Wir sehen nur das Hindernis. Der Berg ist ein passendes Bild. Der Berg steht für das Unbewegliche. Einen Berg versetzen steht für das Unmögliche. Für das, was wir niemals schaffen.

Wer Gott vertraut, erfährt Möglichkeiten, wo vorher Grenzen waren. Ein wunderbares Bild dafür gibt uns Psalm 18. Der Beter sagt: 'Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.' Nicht: Ich überspringe Mauern. Sondern: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

Gottvertrauen eröffnet Kraft, die vorher nicht da war. Es gelingt, was unmöglich schien. Die Kraft, eine schwere Krankheit zu tragen. Die Kraft, nach einem Schicksalsschlag neuen Mut zu schöpfen. Die Kraft, einem Menschen zu vergeben. Die Kraft, nach vielen Niederlagen neu anzufangen. Die Kraft, Hoffnung gegen allen Augenschein festzuhalten.

Woher kommt diese Kraft? Viele Menschen sagen hinterher: 'Ich weiß nicht, woher ich diese Kraft hatte.' Die Bibel kennt die Antwort: Sie kommt aus dem Gottvertrauen. Gottertrauen ist keine Schwäche. Es ist eine der stärksten Kräfte, die ein Mensch besitzen kann. Wahrscheinlich die stärkste Kraft überhaupt.

Wer nur auf sich selbst vertraut, stößt irgendwann an seine Grenzen. Wer Gott vertraut, erfährt Möglichkeiten, die über die eigenen Kräfte hinausgehen. Deshalb konnten Menschen wie Franz von Assisi, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Mutter Teresa, Dietrich Bonhoeffer, Franz Jägerstätter und viele, viele andere Wege gehen, die vernünftig betrachtet unmöglich waren. Sie waren außergewöhnliche Menschen, weil sie Gott Außergewöhnliches zutrauten.

Denken wir an das Bild eines Kindes. Es klettert auf eine Mauer, wagt sich nun nicht mehr zurück und schreit um Hilfe. Der Vater kommt und sagt: 'Spring herab in meine Arme!' Das Kind springt vom hohen Mauervorsprung direkt in die Arme seines Vaters. Das Kind springt, weil es Urvertrauen zu seinem Vater hat. Das Urvertrauen eines Kindes meint Jesus, wenn er von bergeversetzendem Gottvertrauen spricht.

Paulus schreibt: 'Alles vermag ich durch den, der mich stark macht.' (Philipper 4,13) Nicht: Ich vermag alles. Sondern: Alles vermag ich durch den, der mich stark macht. In einem seiner Briefe schreibt er - der Narr um Christi willen - von seinem (Ur)Vertrauen auf Christus. Es gab ihm die nötige Kraft alles zu ertragen, was er bei seiner Christusverkündigung ertragen hat: 'Ich ertrug Mühsal, war häufig im Gefängnis, wurde geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die vierzig Hiebe weniger einen; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer. Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit.'

Das ist das Geheimnis des Glaubens: Gottvertrauen kann Berge versetzen. Gottvertrauen kann Mauern überspringen. Gottvertrauen kann Menschen heilen und verwandeln.