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Bild oben links: Theologen und Pharisäer fordern von Jesus einen eindeutigen Beweis, dass er tatsächlich von Gott gesandt ist.
Bild oben rechts: Jona wird nach drei Tagen und drei Nächten im Bauch eines Fisches an Land gespien.
Bild unten links: Mit dem Zeichen des Jona deutet Jesus seine Lebenshingabe an, die durch Leiden, Sterben und Auferstehen bis zum Äußersten geht.
Bild unten rechts: Die wahre Gottesfamilie: Alle, die das Wort Gottes hören, in ihr Herz nehmen und es im Alltag leben.
Gott ist nicht im Spektakel zu finden
Text: Matthäusevangelium 12, 38–50 - Übersetzung: Das Buch
38 Daraufhin versuchten einige Theologen und Pharisäer, Jesus vorzuführen. Sie forderten ihn heraus: 'Lehrer, lass uns einen Beweis sehen, dass du überhaupt das Recht hast, in Gottes Namen aufzutreten!' 39 Aber Jesus ließ sie abblitzen: 'Obwohl ihr so fromm tut, schert ihr euch in Wirklichkeit überhaupt nicht um Gott oder ein gerechtes Leben! Und ihr wollt von mir einen Beweis verlangen? Ihr werdet kein anderes Zeichen bekommen als das, was damals mit dem Propheten Jona passierte. 40 Jona verbrachte drei Tage und Nächte im Innern des großen Fisches. Genau dasselbe wird mit dem Weltenrichter geschehen. Drei Tage und drei Nächte wird er im Innern der Erde verbringen. 41 Die Menschen aus der Stadt Ninive werden am Gerichtstag zusammen mit den Menschen von heute aufstehen und sie anklagen. Denn schließlich änderten sie ihr Leben vollständig, als Jona ihnen Gottes Botschaft brachte. Und hier vor euch steht einer, der unendlich viel bedeutender ist als Jona. 42 Auch die Königin des Südens wird am Tag des Gerichts vortreten und die Menschen dieser Zeit anklagen. Denn sie kam vom äußersten Ende der Erde bis nach Jerusalem, um von der Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Und hier, vor euch, steht einer, der unendlich viel bedeutender ist als Salomo. 43 Wenn der unsaubere Geist endlich aus einem Menschen hinausgetrieben wird, durchwandert er unbehauste Gegenden und sucht nach einem Ruheort. Doch er findet nichts. 44 Schließlich sagt er zu sich selbst: 'Ich werde wieder in meine vorherige Wohnung zurückkehren!' Wenn er dann dorthin zurückkehrt, findet er sie aufgeräumt vor, gereinigt und schön hergerichtet. 45 Daraufhin zieht er wieder los und holt sieben andere Geister, die noch bösartiger sind als er, und sie hausen dann alle zusammen dort. Am Ende ist es um diesen Menschen schlimmer bestellt als am Anfang. Genauso verhält es sich mit den Menschen dieser Zeit, die sich ganz der Bosheit verschrieben haben.' 46 Jesus war umgeben von unzähligen Menschen und sprach mit ihnen. In diesem Augenblick kamen seine Familienangehörigen, seine Mutter und seine Geschwister. Sie blieben draußen vor dem Haus stehen und verlangten, mit ihm sprechen zu können. 47 Jemand kam zu Jesus und sagte ihm: 'Deine Mutter und deine Geschwister stehen draußen und wollen unbedingt mit dir sprechen!' 48 Da sagte Jesus zu dem, der ihm diese Nachricht brachte: 'Wer ist denn eigentlich meine Mutter? Und wer sind meine Geschwister?' 49 Da streckte er seine Hand aus und zeigte auf seine Schüler mit den Worten: 'Schaut genau hin! Das sind meine Familienangehörigen, das sind meine Mutter und meine Geschwister! 50 Denn jeder, der beginnt, den Willen meines Vaters, der über allem thront, umzusetzen, der gehört zu meiner Familie. Solche Menschen sind für mich Bruder und Schwester und Mutter!'
Gottes Wort ist Licht auf unserem Weg
Jesus soll sich vor seinen Gegnern ausweisen mit einem Zeichen, das die Naturgesetze durchbricht. Er soll einen eindeutigen Beweis liefern, dass er der von Gott gesandte Messias ist. Er soll etwas Spektakuläres machen, das es noch nie gab, das sie noch nie gesehen haben. Dann würden sie ihm glauben, sagen sie.
Das lässt uns an Menschen denken, die an 'Erscheinungsorte' pilgern, womöglich mit dem insgeheimen Wunsch, jemanden aus der jenseitigen Welt zu sehen und zu hören, um dadurch in ihrer Frömmigkeit bestätigt und gestärkt zu werden. Wer etwas Außergewöhnliches braucht, etwas Aufsehenerregendes, um an Gott glauben oder fester an ihn glauben zu können, der sieht nur oberflächlich, sein Sehen geht nicht in die Tiefe. Denn in jedem Augenblick geschehen im Alltag tausend Wunder. Wir nennen nur ein paar Beispiele: Die Abläufe, die in unserem Körper, diesem großartigen Organismus, ununterbrochen vor sich gehen, die unzähligen kleinen Entwicklungsschritte, wenn neues Leben entsteht, die Schönheit einer blühenden Blume, eines herbstlichen Waldes, eines Sonnenaufgangs oder -untergangs. Wer gerät da nicht in Staunen über so viel von Gottes Weisheit geschaffene Herrlichkeit, wer braucht da noch Durchbrechungen der Naturgesetze?!
Die Gegner Jesu haben laufend beobachten können, wie Jesus mit der Macht der Liebe spricht und wirkt, wie durch ihn 'Blinde sehend', 'Lahme gehend', 'Taube hörend', 'Stumme redend', 'Aussätzige rein', 'Tote lebendig' werden. Diese Wunder der Liebe, der Menschlichkeit, der Zärtlichkeit, der Güte, der Barmherzigkeit, der Vergebung, des Friedens, mit denen er tagtäglich Menschen aufgerichtet, gestärkt, Heil und Heilung gebracht hat, haben ihnen nicht gereicht, um in Jesus Gott selbst redend und wirkend zu erfahren.
Darin liegt eine Gefahr - damals wie heute. Auch unser Herz kann sich verschließen, obwohl wir meinen religiös zu sein. Man kann Gottesdienste besuchen, fromme Worte sprechen, religiöse Traditionen pflegen - und innerlich trotzdem auf Distanz bleiben. Man kann immer neue Argumente verlangen, immer neue Sicherheiten, und doch nie bereit sein, sich wirklich auf die Liebe Gottes einzulassen.
Jesus sagt: Gott ist nicht im Spektakel zu finden und er lässt sich nicht beweisen. Zu seinen Gegnern sagt er: Ihr werdet kein anderes Zeichen bekommen als das, was damals mit dem Propheten Jona passierte. Jona verbrachte drei Tage und Nächte im Innern des großen Fisches. Genau dasselbe wird mit dem Menschensohn geschehen. Drei Tage und drei Nächte wird er im Innern der Erde verbringen. Jesus deutet damit sein Leiden, Sterben und Auferstehen an.
Das größte Zeichen Gottes ist nicht Machterweis, sondern Liebe, die sich verschenkt mit allen Konsequenzen. Gott erweist sich durch Liebe, die bis zum Äußersten geht. Durch Christus, der lieber leidet, als seiner Sendung durch Gott untreu zu werden.
Dann erzählt Jesus von den Menschen aus Ninive. Sie hörten auf den Propheten Jona und änderten ihr Leben. Und er erwähnt die Königin des Südens. Sie machte sich auf einen weiten Weg, um Weisheit zu suchen. Sowohl die Leute aus Ninive als auch die Königin des Südens waren offen für Gottes Wort und nahmen es in ihr Herz. Die religiösen Experten dagegen bleiben verschlossen. Das ist eine erschütternde Möglichkeit des Glaubens: Dass ein Mensch äußerlich religiös sein kann und innerlich doch weit weg von Gott bleibt. Denn wahre Gottesbeziehung entsteht nicht automatisch durch religiöses Wissen. Nicht durch Tradition. Nicht durch Herkunft. Nicht durch die richtige Gruppe. Gottesbeziehung entsteht dort, wo ein Herz sich wahrhaft berühren lässt von Gottes Wort.
Dann spricht Jesus vom leeren Haus, in das die alten zerstörerischen Kräfte zurückkehren. Dieses Bild ist hochaktuell. Ein Mensch kann vieles aus seinem Leben entfernen: schädliche Gewohnheiten, Abhängigkeiten, Zynismus, Verbitterung, Selbstzerstörung. Aber das allein genügt nicht. Denn das Herz verträgt keine Leere. Wenn das Innere leer bleibt, kehren oft die alten Gewohnheiten und Abhängigkeiten zurück - in anderer Weise und stärker als je zuvor. An die Stelle von Alkoholabhängigkeit zum Beispiel tritt dann eine andere Sucht, vielleicht Spielsucht.
Glaube ist mehr als moralische Selbstverbesserung. Mehr als 'ein besserer Mensch werden'. Glaube bedeutet: Dass ein Mensch in seinem Herzen bewohnt wird. Von Gottvertrauen. Von Liebe. Von Hoffnung. Von einem neuen Geist: dem Geist Gottes. Das Evangelium will nicht nur unser Verhalten ändern, es will unser Innerstes verwandeln.
Und schließlich kommt Jesu Familie. Seine Mutter. Seine Geschwister. Sie suchen ihn. Und Jesus sagt diesen überraschenden Satz: 'Wer den Willen meines Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.' Das klingt zuerst hart gegenüber seiner Familie. Aber in Wahrheit erweitert Jesus den Begriff von Familie. Die neue Gemeinschaft Gottes entsteht nicht durch Blutsverwandtschaft. Nicht durch Herkunft. Nicht durch Nation. Nicht durch religiöse Abstammung. Nicht durch bloße Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft. Sondern durch Menschen, die sich von Gottes Liebe verwandeln lassen. Die Gottesfamilie keine Institution. Keine religiöse Organisation. Keine ideologische Gruppe. Sie ist eine Familie von Menschen, die lernen wahrhaft auf Gott zu vertrauen. Von Menschen, die einander lieben. Von Menschen, die nicht perfekt sind, aber sich ganz in die unverdiente Liebe Gottes fallen lassen.
Dieser ganze Abschnitt kreist letztlich um eine einzige Frage: Wie entsteht wirkliche Gottesbeziehung?
Nicht durch Sensationslust. Nicht durch religiösen Stolz. Nicht durch äißere Zugehörigkeit. Nicht durch moralische Selbstoptimierung. Sondern durch ein Herz, das sich von Gott berühren und verwandeln lässt.