Texterläuterung zu Matthäus 11, 20-24
Text: Matthäusevangelium 11, 20–24 - Übersetzung: Gute Nachricht Bibel 2018
20 Dann begann Jesus mit harten Worten über die Orte zu sprechen, in denen er die meisten Wunder getan hatte; denn die Menschen dort hatten sich nicht geändert: 2 'Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind, die Leute dort hätten schon längst den Sack umgebunden, sich Asche auf den Kopf gestreut und ihr Leben geändert. 22 Ich versichere euch: Am Tag des Gerichts wird es den Bewohnern von Tyrus und Sidon besser ergehen als euch! 23 Und du, Kafarnaum, meinst du, du wirst in den Himmel erhoben werden? In den tiefsten Abgrund wirst du gestürzt! Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann würde es heute noch stehen. 24 Ich versichere dir: Am Tag des Gerichts wird es Sodom besser ergehen als dir!'
Texterläuterung
Chorazin war ein Dorf in Nord-Galiläa in Israel. Es lag drei Kilometer nordwestlich von Kafarnaum auf einer Anhöhe am Ufer des Sees Genesareth. Betsaida ist eine Ortschaft in der antiken Gaulanitis (Golan) am See Genesareth, 8 km von Chorazin entfernt. Kafarnaum (oder: Kapernaum) befindet sich am nordwestlichen Ufer des Sees Genezaret, etwa 5 km südwestlich der Einmündung des Jordanflusses in den See.
Tyros im Libanon ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Die Küstenstadt am Mittelmeer war eine der frühesten phönizischen Hauptstädte. Sidon ist heute die viertgrößte Stadt des Libanon. Sie liegt am Mittelmeer nördlich von Tyros südlich der Hauptstadt Beirut.
Sodom und Gomorra sind zwei Städte, die häufig in der Bibel erwähnt werden und nach biblischem Glauben Gott wegen ihrer Sündhaftigkeit zerstörte. Die Zerstörung der Städte wird mit einer atmosphärischen Meteoritenexplosion um 1650 v. Chr. in Verbindung gebracht, oder alternativ mit einem Erdbeben am Ufer des Toten Meeres.
Matthäus formt die Passage als Weherufe ('Weh dir ...'). Das ist keine Beschimpfung, sondern eine alte prophetische Sprachform: ein Klagelaut über einen Weg, der ins Verderben führt. In diesen Weherufen steckt Schmerz.
'Am Tag des Gerichts': Gericht ist hier kein sadistisches 'Jetzt kriegt ihr's', sondern das Offenbar werden dessen, wohin Menschen geraten, wenn sie Gott (= Liebe und Menschlichkeit) aus ihrem Leben ausklammern.
Und schließlich das Bild 'in den tiefsten Abgrund': Das ist biblische Sprache - nicht primär ein Reisebericht ins Jenseits, sondern ein Sturzbild: Du meinst, du steigst; in Wahrheit fällst du. Es ist der Kontrast zur Selbstwahrnehmung einer Stadt, die sich sicher und gesegnet glaubt.