Lohn in sich
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Nicht draußen,
nicht am Ende des Weges -
der Lohn liegt in jedem Schritt,
der aus Liebe getan wird.

Die Sonne fragt nicht,
ob ihr Licht gesehen wird.
Sie leuchtet -
aus sich heraus.
So ist auch mein Weg:
nicht für Applaus,
nicht für Belohnung.
Sondern weil es gut ist.
Weil ich aus Liebe lebe.
Der Lohn ist das Leuchten selbst.

Der "Lohn"

Text: Matthäusevangelium 10, 40–42 - Einheitsübersetzung neu

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Worte des Lebens für uns

Es war ein heißer Tag. Die Sonne stand hoch über dem staubigen Weg, der von Kafarnaum hinaus in die Hügel führte. Händler zogen vorbei, römische Soldaten, Pilger auf dem Weg nach Jerusalem. Die Luft flimmerte, und jeder Schritt wurde schwerer als der vorherige.

Am Rand des Weges saß ein Mann. Ein Wanderer. Staub im Gesicht, rissige Lippen, leerer Blick. Nur Durst. Eine Frau kam vorbei. Sie trug einen Krug Wasser bei sich - nicht viel, gerade genug für den Heimweg. Sie hätte weitergehen können. Niemand hätte es bemerkt. Niemand hätte ihr vorgeworfen, dass sie nichts gab. Doch sie blieb stehen. Sie sagte kein großes Wort. Sie stellte keine Fragen. Sie rechnete nicht nach. Sie reichte ihm einen Becher Wasser. Mehr nicht. Als sie weiterging, war nichts anders als zuvor: keine Engel am Himmel, kein Applaus der Menge, keine Stimme, die sagte: 'Gut gemacht.' Und doch - war etwas Großes geschehen.

Jesus erzählt später von genau solchen Augenblicken. Nicht von großen Heldentaten. Nicht von religiösen Höchstleistungen. Nicht von Menschen, die im Rampenlicht stehen. Sondern von einem Becher Wasser. 'Wer einem dieser Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt', sagt er, 'wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.'

Man könnte fragen: Welchen Lohn? Was bekommt diese Frau? Was bekommt der, der gibt? Mehr Besitz? Mehr Sicherheit? Ein besseres Leben?

Nein. Denn Gott zahlt nicht wie ein Arbeitgeber. Er rechnet nicht in Leistungspunkten. Er führt kein himmlisches Konto. Gott gibt keinen Lohn für die Liebe. Der Lohn ist die Liebe selbst. Der Lohn ist in sich. Denn in dem Moment, in dem der Becher gereicht wurde, geschah etwas Größeres: Ein Mensch wurde gesehen. Ein Durst wurde ernst genommen. Ein Leben war für einen Augenblick nicht allein. Und noch etwas: Die Frau ging anders weiter, als sie gekommen war. Nicht äußerlich reicher - aber weiter im Herzen. Nicht sicherer - aber lebendiger. Nicht frommer - aber menschlicher.

Vielleicht ist das der Lohn Gottes. Nicht etwas, das wir bekommen, sondern etwas, das wir werden. Wer liebt, wie Gott liebt, steht plötzlich mitten im Raum Gottes. Nicht irgendwann. Nicht erst nach dem Tod. Sondern jetzt.

Jesus sagt an anderer Stelle: 'Was ihr einem meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.' Nicht: Als hättet ihr es mir getan. Sondern: Ihr habt es mir getan. Gott war der Durstige. Gott war der Müde. Gott war der Namenlose am Weg. Und dort, wo ein Mensch teilt, wo einer bleibt, da ist Gott nicht der Beobachter - sondern der mpfangende.

Der Lohn Gottes ist deshalb kein Preis am Ende des Lebens. Der Lohn ist Beziehung. Der Lohn ist Teilhabe. Der Lohn ist, dass unser Herz beginnt zu schlagen im gleichen Rhythmus wie Gottes Herz. Ein Herz, das nicht fragt: 'Was bekomme ich dafür?' Sondern: 'Wer braucht mich jetzt?'

Vielleicht ist der Himmel genau so: kein Ort aus Gold und Licht, sondern eine Welt, in der niemand mehr verdurstet, weil jeder gelernt hat, den Becher weiterzureichen. Und vielleicht beginnt der Himmel jedes Mal neu, wenn ein Mensch stehen bleibt und sagt: 'Hier. Trink.'