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Gottes Wesen ist gewaltfreies Handeln - oder: Jesus erzählt von seinem Schmerz im Tempel von Jerusalem
Text: Matthäusevangelium 21, 12–13 - Übersetzung: Das Buch
12 Dann ging Jesus in den Tempelbereich hinein und warf alle Verkäufer und Marktschreier hinaus. Er stieß die Tische der Geldwechsler um und die Hocker, auf denen die Taubenverkäufer saßen. 13 Dabei sagte er: In Gottes Buch steht: 'Mein Haus soll als Haus des Gebets bekannt sein.' Aber ihr habt es in eine räuberhöhle verwandelt!'
Text: Markusevangelium 11, 15–17 - Übersetzung: Das Buch
15 Dann kamen sie wieder nach Jerusalem. Als Jesus in den Tempelinnenhof hineinkam, fing er an, die Leute hinauszutreiben, die dort im Tempel verkauften und ihre Geschäfte betrieben. Die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenverkäufer stieß er um. 16 Er ließ nicht zu, dass irgendjemand irgendetwas durch den Tempelhof trug. 17 Öffentlich unterwies er die Menschen: Steht nicht in Gottes Buch: 'Mein Haus soll ein Haus des Gebets für alle Völker sein'? Aber ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht!'
Text: Lukasevangelium 19, 45–46 - Übersetzung: Das Buch
45 Dann ging Jesus in das Tempelgelände hinein und fing an, die Verkäufer hinauszuwerfen. 46 Er sagte ihnen: In Gottes Buch steht geschrieben: 'Mein Haus ist ein Haus des Gebets!' Aber ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht!'
Text: Johannesevangelium 2, 13–66 - Übersetzung: Das Buch
13 Als das Passafest der Judäer nahe herbeigekommen war, machte sich Jesus auf die Reise nach Jerusalem. 14 Als er in den Tempelbezirk kam, traf er auf die Kaufleute, die Ochsen und Schafe und Tauben verkauften, und die Geldwechsler, die dort saßen. 15 Da flocht er sich eine Peitsche aus einzelnen Stricken und trieb sie alle aus dem Tempelhof hinaus, zusammen mit ihren Schafen und Ochsen. Er stieß die Tische der Geldwechsler um, sodass die Münzen über den Boden rollten. 16 Denen, die Tauben verkauften, befahl er: 'Tragt sie fort von hier! Und macht aus dem Haus, das meinem Vater gehört, kein Kaufhaus!'
Jesus erzählt von seinem Schmerz im Tempel von Jerusalem
Ich trete durch das Tor des Tempels. Schon von weitem höre ich das Geräusch. Es ist kein Gebet. Es ist ein Drängen, ein Rufen, ein Feilschen. Das Klirren von Münzen. Das Blöken von Schafen. Das Schlagen von Flügeln in Käfigen.
Ich bleibe stehen. Und ich schaue.
Menschen kommen hierher, weil sie Gott suchen. Mit ihren Hoffnungen. Mit ihrer Sehnsucht. Sie kommen mit leeren Händen - und gehen mit gekauften Opfern.
Ist das der Weg zu meinem Abba?
Ich sehe die Händler. Ich sehe die Geldwechsler. Ich sehe, wie alles geregelt ist, organisiert, eingespielt. Ein System, das funktioniert. Und doch stimmt etwas nicht. Etwas ist verloren gegangen.
Wo ist hier noch Raum für Gott? Sie bringen Opfer - und übersehen den, dem sie sie bringen. Sie erfüllen Vorschriften - äußerlich - und verlieren das Herz. Mein Abba ist kein Händler, der hier Tauschgeschäfte veranstaltet. Und sein Haus ist kein Markt.
Ich gehe weiter hinein. Ein Mann hält ein Lamm fest, als wäre es eine Ware. Ein anderer zählt Münzen, schnell, geübt, ohne aufzusehen. Eine Frau steht unsicher am Rand. Sie hat nicht viel. Reicht es überhaupt für ein Opfer?
Ich spüre, was in mir aufsteigt. Es ist kein blinder Zorn. Kein unkontrollierter Gewaltausbruch. Niemals hätte ich eine Peitsche in die Hand genommen und auf jemanden eingeschlagen. Gottes Wesen ist gewaltfreies Handeln. Daran habe ich mich gehalten. Was ich bei meiner Rede auf dem Berg zu den vielen Menschen gesagt habe 'Richtig vor Gott sind die Sanftmütigen, Friedfertigen, Geduldigen, Warmherzigen, Gütigen, Gewaltlosen', das habe ich persönlich gelebt.
Tieferes steigt in mir auf: Ein Schmerz. Wie kann es sein, dass Menschen Gott suchen und dabei an Kassen vorbeimüssen? Wie kann es sein, dass der Weg zu ihm über Preise und Vorschriften führt? Haben sie vergessen, wer Gott ist?
Ich erinnere mich an die Worte der Propheten: 'Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.' Nicht Tiere auf einem Altar. Nicht Blut und Rauch. Sondern ein Herz, das lebt. Ein Mensch, der liebt. Ein Blick, der den anderen sieht.
Und hier? Hier wird mit Gott Handel getrieben. Mein Abba ... sein Haus ... ein Markt. Da dreht sich mir das Herz um. Ich höre meine eigene Stimme: 'Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein! Ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle!' Es ist nicht die Lautstärke, die aus mir spricht. Es ist die Wahrheit, die sich Bahn bricht. Ich treibe niemanden fort. Ich will Raum schaffen. Raum für Gott. Ich will mit meinen Worten die Menschen aufrütteln.
Einige starren mich an. Andere sind empört. Wieder andere stehen einfach schweigend da. Vielleicht spüren sie es auch. Dass Gott keinen Kaufpreis hat. Dass man ihn nicht erwerben kann. Dass man sich ihn nicht mit Opfern gnädig stimmen muss, weil er durch und durch Gnade ist, Liebe, die sich bedingungslos schenkt.
Die Verfasser der Evangelien stellen mich dar, als hätte ich im Tempel Gewalt ausgeübt. Das ist literarische Überzeichnung dessen, was in mir war.