Helft einander leben
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Bild oben rechts: Mädchen tröstet ihre sorgenbeladene Mama.
Bild unten links: Junge Frau trägt einem älteren Herrn die Einkaufstaschen heim.
Bild unten rechts: Krankenschwester auf der Chirurgie nimmt sich nach Dienstschluß Zeit für einen Mann in großer Angst. Seine Frau wird gerade operiert.

Helft einander leben !

Text: Matthäusevangelium 5, 21-22 - Übersetzung: Elberfelderbibel

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird.

Gottes Wort in Menschenwort

Es ist merkwürdig: Wir sind uns fast alle einig, dass Töten falsch ist. 'Du sollst nicht töten' - dieses Wort aus den Zehn Geboten klingt klar, eindeutig, unmissverständlich. Es steht im 2. Buch Mose und wird von Jesus in seiner Bergpredigt aufgegriffen. Und doch bleibt etwas offen. Denn wenn ich niemanden umbringe - habe ich damit schon alles erfüllt, was Gott von mir will? Jesus geht einen Schritt weiter. Er bleibt nicht bei der äußeren Tat stehen. Er schaut ins Herz. Er spricht vom Zorn, von der Verachtung, von Worten, die einen Menschen herabsetzen. Er zeigt: Töten beginnt nicht erst mit einem Messer. Es beginnt dort, wo ich dem anderen das Lebensrecht im Herzen entziehe. Wo ich ihn innerlich abschreibe. Wo ich sage: 'Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben.' 'Du bist für mich gestorben!'

Jesus ruft in eine größere Bewegung. Es geht nicht nur darum, einander nicht zu töten. Es geht darum, einander leben zu helfen. Was heißt das? Leben ist mehr als biologisches Funktionieren. Ein Herz kann schlagen - und ein Mensch kann sich trotzdem wie tot fühlen. Ein Körper kann gesund sein - und die Seele verdorrt. Man kann existieren - und doch nur dahinvegetieren.

Wie viele Formen des 'Tötens' kennen wir, ohne dass Blut fließt: Ein spöttisches Wort, das einen jungen Menschen innerlich zerbrechen lässt. Ein dauerhaftes Ignorieren, das jemanden unsichtbar macht. Ein hartes Urteil, das keine zweite Chance erlaubt. Ein kaltes Schweigen, das Beziehung verhungern lässt. Wir können einander das Leben schwer machen. Aber wir können einander auch das Leben ermöglichen.

Leben helfen - das beginnt oft unspektakulär. Es beginnt dort, wo ich jemanden ansehe und ihm signalisiere: Du bist da. Und es ist gut, dass du da bist. Wo ich nicht nur Recht behalten will, sondern Beziehung bewahren. Wo ich nicht nur Grenzen setze, sondern Hoffnung eröffne.

Jesus hat genau das getan. Er hat Menschen nicht nur vor dem Tod bewahrt - er hat sie ins Leben gerufen. Er hat den Gedemütigten Würde zurückgegeben. Den Ausgegrenzten Gemeinschaft. Den Schuldigen eine Zukunft. Den Verängstigten Vertrauen.

Vielleicht ist das die eigentliche Radikalität des Evangeliums: Nicht die Minimalforderung - 'Tu nichts Böses' - sondern die Maximalbewegung - 'Tu Gutes. Schenke Leben.' Leben helfen heißt: Den Mutlosen ermutigen. Den Übersehenen wahrnehmen. Den Streitenden versöhnen. Dem Verhärtetenmit Herz begegnen. Dem Verzweifelten Hoffnung schenken.

Und es heißt auch: sich selbst leben lassen. Sich nicht innerlich verurteilen. Sich nicht kleinreden. Sich von Gott sagen lassen: Dein Leben ist gewollt.

Gott ist kein Buchhalter des Minimalstandards. Er fragt nicht nur: 'Hast du jemandem umgebracht?' Er fragt: 'Wann und wo hast du Leben gefördert?'

Vielleicht können wir uns am Ende jedes Tages eine einfache Frage stellen: Ist durch mich heute irgendwo ein kleines Stück mehr Leben möglich geworden? Ein Mensch, der sich gesehen fühlt. Ein Mensch, der wieder atmen kann. Ein Mensch, der neu hoffen darf. Dann haben wir mehr getan als ein Gebot eingehalten. Dann haben wir im Sinne Jesu gehandelt.