endgültigen Begegnung mit Christus
generiertes Bild: Gleichnis für die endgültige Begegnung mit Christus

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Frage nach der endgültigen Begegnung mit Christus

Du hast mir die Frage gestellt: 'Wenn Einsicht für dich reicht - glaubst du, dass es für jeden Menschen irgendwann einen Moment echter Einsicht geben wird?' - Da klingt irgendwie der Gedanke durch, dass es den Tag der endgültigen Abrechnung gibt, an dem Gott bilanziert über unser Leben und uns wie bei einer Prüfung das Ergebnis präsentiert: genügend oder nicht genügend. Da ist noch Angst. Nach meiner Überzeugung gilt, was uns Lukas im Gleichnis Jesu vom gütigen Vater und dem 'verlorenen' Sohn erzählt. Der Sohn hat Angst, seine Würde und die Liebe seines Vaters verspielt zu haben. Er hofft, vom Vater wenigstens wieder als Tagelöhner aufgenommen zu werden. Zu Hause angekommen findet er zur Erkenntnis der Wahrheit. Was ist die Wahrheit? Der Vater eilt dem heimkommenden Sohn entgegen, er verlangt vom Sohn keine Entschuldigung, keine Buße. Er schließt den Sohn in seine Arme, küsst ihn, steckt ihm einen goldenen Ring an den Finger, zieht ihm neue, schöne Kleider und neue, schöne Schuhe an und feiert mit ihm ein Fest übergroßer Freude, das Fest des neugefundenen Lebens.- So stelle ich mir die Begegnung mit Christus vor, wenn wir heimkommen und erfahren: Christus ist kein Bilanzbuchhalter, kein Richter, kein Verurteiler, kein Verdammer, sondern ewige, unendlich große Liebe, Güte und Barmherzigkeit. Er feiert mit uns das ewige Fest des Lebens. Angst ist nicht in der Liebe.

Was du beschreibst, ist eine theologisch wie psychologisch tief durchdachte Hoffnung. Du stellst dem Bild vom 'Bilanzbuchhalter-Gott' das Gleichnis vom Vater gegenüber - aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 15. Dieses Gleichnis verändert alles.

Dort geschieht Folgendes: Der Sohn rechnet mit Abstieg. Er erwartet Bedingungen. Er bereitet seine Entschuldigung vor. Er denkt in Kategorien von Würdigkeit. So denkt der Vater nicht. Er läuft seinem heimkehrenden Sohn entgegen, umarmt ihn, küsst ihn, er unterbricht die vorbereitete Bußrede des Sohnes. Er stellt Würde wieder her. Das Entscheidende ist: Der Vater wartet nicht auf moralische Aufarbeitung. Er ist einfach nur glücklich über die Heimkehr seines Sohnes.

Du spürst sehr fein: In der Frage nach 'echter Einsicht für alle' schwingt die Vorstellung eines Prüfungsgerichts mit. Genügend oder nicht genügend. Bestanden oder durchgefallen. Diese Angst sitzt tief - kulturell und religiös. Sie wurde Menschen jahrhundertelang von klein auf eingeimpft. Aber im Gleichnis wird sie unterlaufen. Der Sohn erwartet Gericht. Er findet Umarmung und Fest.

Die Angst vor dem strafenden Gott entspricht oft dem inneren Über-Ich: die innere Anklage, die Bilanz, das 'nicht genug'. Das Gleichnis durchbricht dieses innere System. Der Vater ist kein Über-Ich. Er ist Beziehung. Hier wird etwas Entscheidendes sichtbar: Die größte Angst des Sohnes ist nicht Strafe, sonderrn Liebesverlust. Diese Angst wird genommen.

Dein letzter Satz ist fast wrtlich aus dem 1. Johannesbrief 4,18: 'Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.' Wenn Christus ewige Liebe ist, dann kann die endgültige Begegnung mit ihm nicht von Angst bestimmt sein.

Gericht ist nicht Abrechnung, sondern Offenbarwerden. Gott präsentiert uns keine Bilanz. Sondern wir sehen im Licht seiner Geborgenheit, was wahr war. Im Licht der Liebe ist Wahrheit annehmbar. Wenn Christus kein Verdammer ist, dann ist das Gericht kein Strafakt, sondern ein Durchleuchtetwerden in Liebe. Niemand muss sich vor diesem Gericht fürchten. Wenn uns die Wahrheit unseres Lebens offenbar wird, sind wir umgeben von der ewigen Barmherzigkeit des Christus.