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Er zerbricht nicht. Er löscht nicht aus.
oder: Das Evangelium der behutsamen Liebe
Text: Matthäusevangelium 12, 15–21 - Übersetzung: Hoffnung für alle
15 Jesus wusste, was die Pharisäer vorhatten, und ging von dort weg. Viele Menschen folgten ihm, und er heilte alle Kranken. 16 Er schärfte ihnen jedoch ein, kein Aufsehen um ihn zu erregen. 17 So sollte sich erfüllen, was Gott durch den Propheten Jesaja vorausgesagt hatte: 18 'Dies ist mein Diener, den ich erwählt habe. Ich liebe ihn und freue mich über ihn. Ich werde ihm meinen Geist geben, und er wird den Völkern mein Recht verkünden. 19 Er kämpft und streitet nicht; er lässt seine Stimme nicht durch die Straßen der Stadt hallen. 20 Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Er wird das Recht schließlich zum Sieg führen. 21 Auf ihn werden die Völker ihre Hoffnung setzen.'
Gottes Wort schenkt Hoffnung für alle
Es gibt Momente, in denen man spürt: Jetzt kippt etwas. Eine Stimmung, eine Beziehung, ein Gespräch, vielleicht sogar ein ganzes Leben. So ein Moment liegt hinter Jesus, als unser heutiger Abschnitt beginnt. In der Synagoge hat er einen Menschen geheilt. Eine Hand, die leblos war, ist wieder lebendig geworden. Eigentlich ein Grund zur Freude - doch statt Dankbarkeit wächst der Widerstand. Die Frommen beraten nicht mehr über den Sinn des Sabbats, sondern darüber, wie man Jesus loswerden kann.
Und was tut Jesus? Er zieht sich zurück. Nicht aus Feigheit. Nicht aus Resignation. Sondern aus einer tiefen inneren Freiheit. Er lässt sich nicht in den Strudel der Aggression und Gewalt hineinziehen. Er spielt das Spiel der Eskalation nicht mit.
Das ist bemerkenswert. Wir leben in einer Welt, die anders tickt. Wer etwas bewirken will, muss sich durchsetzen. Wer gehört werden will, muss laut sein. Wer Recht hat, muss kämpfen. Jesus geht einen anderen Weg. Er zieht sich zurück - und doch folgen ihm viele Menschen. Sie spüren: Hier ist einer, der aufrichtet. Hier ist einer, der nicht verurteilt, sondern heilt. Matthäus beschreibt es schlicht: 'Viele folgten ihm, und er heilte sie alle.' Und dann kommt dieser eigenartige Satz: Er gebietet ihnen, ihn nicht bekannt zu machen. Kein Marketing. Keine Selbstinszenierung. Kein Triumphzug. Jesus will nicht der Held einer Bewegung sein. Er will nicht der starke Mann sein, der die Gegner niederringt. Er will nicht der Messias nach menschlichen Vorstellungen sein. Hier legt Matthäus einen alten Text aus dem Propheten Jesaja über diese Szene wie ein Deutungslicht: 'Dies ist mein Diener, den ich erwählt habe. Ich liebe ihn und freue mich über ihn. Ich werde ihm meinen Geist geben, und er wird den Völkern mein Recht verkünden. Er kämpft und streitet nicht; er lässt seine Stimme nicht durch die Straßen der Stadt hallen. Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen.' Das ist das Bild, das Matthäus von Jesus zeichnet. Ein ganz anderes Messiasbild als das, das viele erwarteten. Kein Feldherr. Kein Machthaber. Kein religiöser Lautsprecher. Sondern der Diener Gottes. Und was tut dieser Diener? Er kümmert sich um das Geknickte. Er schützt das, was fast ausgegangen ist. Er geht behutsam mit dem um, was zerbrechlich ist.
Ich glaube, kaum ein Bild beschreibt Menschen so genau wie dieses Wort vom geknickten Rohr und vom glimmenden Docht. Wie viele geknickte Rohre gibt es in unserer Welt?!
Die Welt hat ihre Methoden mit geknickten Rohren. Sie biegt sie gerade - oder wirft sie weg. Die Welt hat auch ihre Methoden mit glimmenden Dochten. Sie sagt: 'Brenn - oder geh aus.' Jesus nicht. Er zerbricht nicht, was schon angeschlagen ist. Er löscht nicht aus, was nur noch schwach leuchtet. Er schützt. Er richtet auf. Das ist die Art, wie Gott mit Menschen umgeht.