Ein innerer Monolog Jesu
generiertes Bild: Ein innerer Monolog Jesu

Klicke auf das Bild, um es zu vergrößern!

Ein innerer Monolog Jesu

Text: Matthäusevangelium 11, 20–24 - Übersetzung: Gute Nachricht Bibel 2018

20 Dann begann Jesus mit harten Worten über die Orte zu sprechen, in denen er die meisten Wunder getan hatte; denn die Menschen dort hatten sich nicht geändert: 2 'Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind, die Leute dort hätten schon längst den Sack umgebunden, sich Asche auf den Kopf gestreut und ihr Leben geändert. 22 Ich versichere euch: Am Tag des Gerichts wird es den Bewohnern von Tyrus und Sidon besser ergehen als euch! 23 Und du, Kafarnaum, meinst du, du wirst in den Himmel erhoben werden? In den tiefsten Abgrund wirst du gestürzt! Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann würde es heute noch stehen. 24 Ich versichere dir: Am Tag des Gerichts wird es Sodom besser ergehen als dir!'

Ein innerer Monolog Jesu

Ich gehe die Wege noch einmal in Gedanken. Die staubigen Straßen von Chorazin, die Ufer von Betsaida, die vertrauten Gassen von Kafarnaum. Wie oft bin ich dort gewesen. Wie oft habe ich gesprochen, gehofft, gewartet.

Ich sehe ihre Gesichter vor mir. Die Kranken, die Müden, die Suchenden. Hände, die sich nach mir ausstreckten. Augen voller Erwartung. Wie viele habe ich berührt. Wie viele haben wieder gehen, sehen, aufatmen können.

Und doch frage ich mich heute: Was ist geblieben?

Meine Worte waren gütig, menschenfreundlich. Ich wollte ihnen den Himmel öffnen, nicht sie beschämen. Ich habe Gleichnisse erzählt von der Nähe Gottes, von seiner heilenden Liebe, von einem neuen Weg, der möglich ist - für jeden.

Ich habe ihnen gezeigt, dass Vergebung stärker ist als Schuld, dass Barmherzigkeit mehr wiegt als Gesetz, dass der Mensch größer ist als seine Vergangenheit.

Aber sie hörten - und gingen weiter wie zuvor. Sie staunten über das Wunder - und kehrten zurück in ihre alten Gewohnheiten. Sie suchten Hilfe - doch nicht den Wandel.

Ich wollte sie nicht überreden. Ich wollte sie gewinnen. Ich wollte, dass sie verstehen, dass Gott kein ferner Richter ist, sondern ein Vater, der auf seine Kinder wartet.

Und nun sitze ich da und spüre diese schwere Traurigkeit. Keine Wut. Kein Groll. Nur Schmerz.

So viele Möglichkeiten - ungenutzt. So viele Türen - offen gelassen, aber nicht durchschritten. So viele Samen - ausgestreut, doch kaum einer hat Wurzeln geschlagen.

Ich frage: Haben sie wirklich gehört, was ich sagte? Haben sie wirklich gesehen, was ich tat? Oder wollten sie nur das Wunder - ohne die Verwandlung?

Ich klage nicht über sie. Ich klage um sie.

Denn ich weiß, was ihnen entgeht: das Leben, das größer ist als ihre Angst, die Freiheit, die größer ist als ihre Gewohnheit, der Frieden, der größer ist als ihr Stolz.

Vater, du kennst mein Herz. Du weißt, dass ich sie liebe - auch jetzt.

Vielleicht wird eines Tages ein Wort von mir doch noch in ihnen aufwachen. Vielleicht wird eine Erinnerung keimen, wenn die Stunde reif ist. Ich werde weitergehen. Weiter sprechen. Weiter heilen. Weiter hoffen.

Auch wenn heute so vieles vergeblich scheint.

Denn die Liebe gibt niemals auf.