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Zärtlich ruht der Jünger an Jesu Brust -
als Zeichen inniger Nähe,
als Bild vollkommener Geborgenheit.
Keine Worte, kein Tun -
nur das Lauschen des Herzens,
nur das stille Vertrauen.
Jesus hält ihn -
nicht fest, sondern offen,
nicht besitzergreifend, sondern schützend.
So darf Nähe sein:
frei und stark zugleich.
So darf Liebe sein:
ohne Angst, ohne Bedingung.
Im Schoß des Meisters wird das Herz weit.
Wer bei ihm ruht,
lernt das Geheimnis der Liebe:
dass sie nicht nimmt, sondern gibt,
dass sie nicht fordert, sondern trägt.
Bleib einen Moment still -
und lege dein Herz
an die Brust dessen,
der dich kennt
und liebt.
Der Jünger, den Jesus liebte
Text: Johannesevangelium 21, 1–25 - Einheitsübersetzung neu
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. 2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. 3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. 7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. 8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. 9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. 10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! 11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. 12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. 14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
Gottes Wort ist für uns wie Licht in der Nacht
Nur der Verfasser des vierten Evangeliums erwähnt in seinem Evangelium an fünf Stellen „den Jünger, den Jesus liebte”.
Der Jünger den Jesus liebte, lag beim letzten Abendmahl an der Seite Jesu. Beim Essen lag man damals bei Tisch. Er stand mit Maria der Mutter Jesu unter dem Kreuz Jesu. Und Jesus vertraute die beiden einander an. Er ist der Jünger, der auf Grund der leeren Grabkammer Jesu als erster Jünger zum Glauben an die Auferstehung Jesu fand. Er war dabei, als sich der auferstandene Jesus am See Genesareth einigen Jüngern offenbart hat. Dazu später mehr.
Wer ist der Jünger, den Jesus liebte? In dieser Frage gehen die Ansichten und Vermutungen der Bibelwissenschaftler weit auseinander. Er war wahrscheinlich ein Jünger Jesu, der beim letzten Abendmahl dabei war, aber nicht zum Apostelkreis gehört hat. Jesus hat das letzte Abendmahl wohl nicht nur mit den zwölf Aposteln eingenommen, sondern mit einem größeren Kreis von Jüngern. Der Jünger, den Jesus liebte, war mit Sicherheit ein Mensch, der Jesus sehr nahe stand. Vielleicht war er ein Sohn jener Familie, die Jesus den Raum für das letzte Abendmahl zur Verfügung gestellt hat. Mag sein, dass sich Jesus öfter in dieser Familie aufgehalten hat, und dass eine besonders innige Beziehung zwischen Jesus und ihm entstanden ist. Das würde erklären, dass ihm alles, was mit Jesus in Jerusalem geschehen ist, wohlbekannt war. Vermutlich lebte er später in einer christlichen Gemeinde außerhalb von Jerusalem irgendwo in Palästina und genoss dort auf Grund seiner Erfahrungen mit Jesus große Anerkennung. Es ist naheliegend, dass auch der Verfasser des vierten Evangeliums zu dieser Gemeinde gehört und durch ihn Kenntnis von Jesus erhalten hat. Denn zweimal beruft er sich in seinem Evangelium auf das Zeugnis des Jüngers, den Jesus liebte. Er führt ihn gleichsam als Bürgen an, dass sein Evangelium der Wahrheit entspricht.
Was können wir von dem Jünger, den Jesus liebte, für unseren Glauben lernen? Offensichtlich bestand zwischen ihm und Jesus eine innige Verbindung von Herz zu Herz. Er hat schon dem irdischen Jesus sein Herz geöffnet. Diese Innigkeit hat ihn befähigt über das irdische Leben Jesu hinauszuschauen und mit dem Herzen zu erfassen, Jesus lebt und geht in neuer Weise jeden Weg mit uns. Zum irdischen Jesus können wir heute im dritten Jahrtausend keine Beziehung aufbauen, wohl aber zum auferweckten. Denn er ist in gleicher Weise bei uns wie nach seiner Auferweckung bei den Menschen des ersten Jahrhunderts. Wenn wir ihm unser Herz aufmachen so wie der Jünger, den er liebte, werden auch wir mit dem Herzen erkennen: Jesus ist da. Er segnet unser Leben und lässt es gelingen, so wie er auch das Leben und Wirken der ersten Jünger mit Segen gekrönt hat, was der Verfasser mit dem Bild des erfolgreichen Fischfangs zum Ausdruck bringt.