Wer einem der Kleinen hilft
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Wer einem der Kleinen hilft - oder: Die Nacht, in der Minka davonlief

Text: Matthäusevangelium 10, 40–42 - Einheitsübersetzung neu

Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Gotteswort ist Licht auf unseren Wegen

Die Katze hieß Minka. Eigentlich war sie keine ängstliche Katze. Sie lag gern auf der warmen Fensterbank, jagte Sonnenflecken an der Wand und kannte jedes Geräusch ihres Hauses: das Klappern der Futterschüssel, das Knarren der Stiege, das leise Pfeifen des Wasserkochers.

Doch in der Silvesternacht war alles anders. Als es draußen zu krachen begann, zu explodieren, zu pfeifen und zu dröhnen, verkroch sich Minka zuerst unter dem Sofa. Der Boden vibrierte, die Fenster zitterten, und jedes Knallen fühlte sich an, als würde der Himmel zerreißen.

Dann geschah es. Eine besonders laute Explosion ließ sie aufspringen. In panischer Angst schoss sie zur Terrassentür, die gerade einen Spalt offenstand, und verschwand hinaus in die Dunkelheit. Niemand bemerkte es sofort. Erst viel später, als der Lärm langsam verebbte, rief man nach ihr. Doch Minka kam nicht zurück.

Die nächsten Tage waren kalt. Minka irrte durch Gärten, über Straßenränder und zwischen fremden Häusern umher. Sie versteckte sich unter Autos, schlief in Schuppen und suchte Schutz vor Wind und Schnee. Hunger nagte an ihr, und jede fremde Stimme ließ sie zusammenzucken. Sie wusste nicht mehr, wo ihr Zuhause war. Alles roch anders. Alles klang fremd. Sie war nur noch ein kleines Wesen mit zitterndem Herz.

Am dritten Tag entdeckte sie eine Familie. Eigentlich entdeckte die Familie zuerst sie. Die Kinder sahen die Katze unter der Hecke sitzen - schmutzig, abgemagert, mit großen, ängstlichen Augen. Als sie näherkamen, fauchte sie nicht. Sie blieb einfach sitzen. Zu müde, um noch davonzulaufen. Die Mutter brachte eine Schale Wasser. Der Vater etwas Futter. Ein paar Schritte entfernt warteten sie. Niemand drängte. Niemand griff zu. Sie ließen der Katze Zeit. Nach einer Weile kam sie langsam näher, Schritt für Schritt, als würde sie prüfen, ob diese Menschen es gut meinten. Dann begann sie zu trinken. Erst hastig, dann ruhiger. An diesem Abend durfte sie in der Garage schlafen. Warm. Trocken. Sicher. In den nächsten Tagen kümmerten sie sich liebevoll um sie. Sie gaben ihr einen Karton mit Decke, streichelten sie vorsichtig, redeten leise mit ihr. Die Kinder gaben ihr den Namen 'Tinkerbell'.

Sie sagten: 'Sie gehört jemandem.' Also machten sie Fotos. Hängten Zettel auf. Schrieben in Online-Gruppen. Und sie warteten.

Als sich schließlich die Besitzer meldeten, weinte die Frau am Telefon vor Erleichterung. Seit Tagen hätten sie gesucht. Oft nach ihr gerufen.

Als die Familie die Katze zurückbrachte, erkannte Minka ihre Menschen sofort. Sie sprang aus der Transportbox, miaute laut und rieb sich an ihren Beinen, als wollte sie sagen: Ihr habt mich gefunden.

Die Kinder waren ein wenig traurig. Aber sie wussten: Liebe hält nicht fest.

Sie hatten ein liebes Geschöpf Gottes aufgenommen und sich liebevoll um es gekümmert. Darin lag der 'Lohn'. Sie erlebten die Erleichterung, die Freude und das Glück der Besitzer, als sie die Katze gesund zurückbrachten.