Was Liebe ist, in einem Satz
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Was Liebe ist, in einem Satz

Text: Matthäusevangelium 7, 12 - Übersetzung: Das Buch

12 Alles das, was ihr von anderen erwartet, solltet ihr ihnen gegenüber also auch tun. Wenn ihr euch so verhaltet, dann erfüllt ihr damit das, was im Buch des Gesetzes Gottes festgelegt ist und was die Propheten, die Botschafter Gottes, immer wieder in Erinnerung gerufen haben.

Gottes Wort ist Licht auf unserem Weg

Es gibt Sätze Jesu, die wir so oft gehört haben, dass wir kaum noch merken, wie radikal sie sind. Einer davon ist dieser: 'Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen; darin besteht das Gesetz und die Propheten.' Kein langes Lehrgebäude. Keine komplizierte Moral. Ein einziger Satz - und Jesus sagt: Das reicht. Jesus spricht diese Worte am Ende der Bergpredigt. Nach all den hohen Ansprüchen. Nach der Rede von Feindesliebe, Vergebung, Vertrauen, Nicht-Richten. Man könnte meinen: Jetzt kommt noch einmal eine Zusammenfassung. Aber was Jesus tut, ist mehr als ein Resümee. Er legt uns einen Maßstab in die Hand, den wir immer bei uns tragen. 'Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun ...'

Jesus beginnt nicht beim Gesetz, nicht bei Paragrafen, nicht bei religiösen Vorschriften. Er beginnt bei uns. Bei dem, was wir uns wünschen. Bei dem, was wir ersehnen, oft unausgesprochen: verstanden zu werden, ernst genommen zu werden, fair behandelt, nicht verletzt, nicht übergangen zu werden. Jesus traut diesem inneren Wissen. Er weiß: Jeder Mensch kennt diese Sehnsucht. Und genau dort setzt er an. '... das tut auch ihnen.' Nicht: Denkt darüber nach. Nicht: Seid innerlich wohlwollend. Sondern: Tut es.

Die Goldene Regel ist keine Gefühlsregel, sondern eine Handlungsregel. Und sie ist positiv formuliert. Nicht: 'Was du nicht willst, das man dir tu ...' sondern: 'Tu das Gute, das du dir selbst wünschst.' Das ist entscheidend. Jesus ruft nicht zu bloßer Schadensvermeidung auf, sondern zu Initiative. Zum ersten Schritt. Zum aktiven Guten. Dann sagt er diesen erstaunlichen Satz: 'Darin besteht das Gesetz und die Propheten.' Mit anderen Worten: Alles, was die Bibel über Gott sagt, alles, was Propheten erhofft, kritisiert, ermahnt haben, alles läuft hier zusammen. Nicht in einer Theorie, sondern in einer Haltung. Wer so handelt, lebt Gottes Willen - nicht perfekt, aber echt. Vielleicht merken wir an dieser Stelle auch, wie anspruchsvoll dieser Satz ist. Denn er fragt uns nicht: 'Was ist erlaubt?' Sondern: 'Wie möchtest du behandelt werden?' Und diese Frage lässt sich nicht auslagern. Sie nimmt uns in Verantwortung. Sie fordert uns heraus - im Streit, im Alltag, in kleinen Begegnungen, wo niemand zuschaut.

Die Goldene Regel ist keine einfache Regel. Aber sie ist eine klare Regel. Sie macht Glauben prüfbar. Sie übersetzt Spiritualität in Alltag. Sie bewahrt uns vor frommen Ausreden. Denn man kann sehr religiös sein und diese Regel doch umgehen.

Jesus gibt uns diese Regel nicht als Last. Sondern als Hilfe. Der Maßstab liegt nicht irgendwo da draußen. Er liegt in uns. Wenn ich unsicher bin, wie ich handeln soll, muss ich nicht zuerst ein Buch aufschlagen. Ich darf mich fragen: Wie würde ich mir wünschen, dass man mir jetzt begegnet? Und dann: Tu genau das.

Im Johannesevangelium wird dieser Gedanke noch einmal vertieft. Dort sagt Jesus: 'Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.' Der Maßstab wird größer. Aber der Weg bleibt derselbe: Liebe wird sichtbar im Tun.

Am Ende bleibt vielleicht diese einfache Einsicht: Die Goldene Regel ist kein moralischer Trick, sondern ein Weg, auf dem Beziehung möglich wird. Wo Menschen so handeln, entsteht Gottes Reich - unspektakulär, aber wirklich.