Texterläuterung zu Matthäus 7, 7-11

Text: Matthäusevangelium 7, 7–11 - Übersetzung: Das Buch

7 Bittet Gott! Und er wird euch beschenken. Sucht! Und er wird euch finden lassen. Klopft an! Und Gott wird euch seine Türen öffnen. 8 Es stimmt: Jeder, der bittet, wird beschenkt werden. Jeder, der sucht, wird finden. Und jeder, der bei Gott anklopft, erfährt, dass er ihm die Tür öffnet. 9 Stellt euch einmal vor: Dein eigenes Kind bittet dich um Brot. Gibt es einen unter euch, der ihm stattdessen einen Stein andreht? 10 Oder dein Kind bittet dich um ein Stück Fisch. Würdest du ihm eine Schlange vorsetzen? 11 Ihr Menschen seid ja von Bosheit geprägt. Dennoch seid ihr in der Lage, für eure eigenen Kinder zu sorgen und ihnen Gutes zu tun. Um wie viel mehr wird euer Vater, der über allem thront, denen wirklich gute Dinge schenken, die ihn darum bitten!

Texterläuterung

Matthäus 7,7-11 steht innerhalb der Bergpredigt (Mt 5-7), die Jesus nach matthäischer Darstellung in Galiläa hält. Galiläa war im 1. Jh. n. Chr. eine ländlich geprägte Region, wirtschaftlich schwach, sozial stark geschichtet und religiös vom Jerusalemer Tempelkult abhängig. Die angesprochenen Bilder (Bitten, Suchen, Anklopfen; Brot, Stein, Fisch, Schlange) entstammen der alltäglichen Lebenswelt galiläischer Familien: Brot und Fisch waren Grundnahrungsmittel. Steine konnten in Form und Farbe Brot ähneln. Schlangen und Skorpione galten als Inbegriff lebensbedrohlicher Gefahren. Der Text setzt voraus, dass Väter grundsätzlich für das Wohl ihrer Kinder sorgen - selbst unter den schwierigen sozialen Bedingungen Palästinas.

Die Bergpredigt beschreibt das Leben im Reich der Himmel: nicht als Gesetzeskatalog, sondern als Beziehungsordnung zwischen Gott und Mensch und Mensch und Geschöpf. Mt 7,7-11 zeigt: Die radikalen Forderungen Jesu (Feindesliebe, Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit) sind nur aus der Beziehung zu Gott lebbar, nicht aus eigener Kraft.

'Bittet - sucht - klopft an': beharrlich, unermüdlich. Gemeint ist kein einmaliges Gebet, sondern eine dauerhafte Haltung des Vertrauens.

'Es wird euch gegeben / ihr werdet finden / es wird euch geöffnet': Die Passivformen sind biblische Passiva: Gott selbst ist der Handelnde.

'Wie viel mehr': Ein klassisches rabbinisches Schlussverfahren: Wenn schon unvollkommene Menschen Gutes tun - wie viel mehr Gott.

'Der Vater im Himmel': Typisch matthäisch - Gott wird nicht abstrakt beschrieben, sondern als persönlich liebender Vater, zugleich 'im Himmel' → transzendent, nicht verfügbar.

'Gutes geben': Wirklich Gutes, das dem Leben wirklich dient. Gott gibt das Rechte zur rechten Zeit.