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Nicht geflickt - neu gemacht - Jesus deutet Thomas die Bildworte
Text: Matthäusevangelium 9, 16–17 - Übersetzung: Hoffnung für alle
'16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem neuen Stück Stoff. Der alte Stoff würde an der Flickstelle doch wieder reißen, und das Loch würde nur noch größer. 17 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche. Sonst platzen sie. Dann läuft der Wein aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Nein, jungen Wein füllt man in neue Schläuche! Nur so bleibt beides erhalten.'
Jesus deutet Thomas die Bildworte
Thomas trat einen Schritt näher an Jesus heran. Die anderen Jünger waren schon ein Stück vorausgegangen. Er aber blieb zurück. Etwas ließ ihn nicht los. 'Jesus', begann er zögernd, 'du hast von einem neuen Flicken gesprochen und von neuem Wein in alten Schläuchen. Ich höre deine Worte - aber ich verstehe sie noch nicht. Was willst du uns damit sagen?'
Jesus sah ihn an. Sein Blick war ruhig, nicht prüfend, eher einladend. 'Gut, dass du fragst, Thomas. Denn diese Worte sind nicht dazu da, dass man sie schnell abhakt. Stell dir ein altes Gewand vor. Es wurde oft getragen. Wenn nun ein Riss entsteht und jemand meint, er könne ihn mit einem neuen, ungewaschenen Flicken reparieren - was geschieht?' Thomas überlegte. 'Der neue Stoff zieht sich zusammen. Der Riss wird größer.' Jesus nickte.
'So ist es auch mit dem Herzen eines Menschen. Wer nur versucht, das Neue, das Gott tut, als kleinen Zusatz zum Alten zu verwenden, zerreißt am Ende beides.' Thomas runzelte die Stirn. 'Meinst du das Gesetz? Die Gewohnheiten? Das, was wir gelernt haben?' 'Ich meine alles', antwortete Jesus sanft. 'Deine Sicherheiten. Deine Bilder von Gott. Auch deine Angst, etwas loszulassen.'
Er machte eine kurze Pause und fuhr fort: 'Und nun der Wein. Neuer Wein gärt. Er ist lebendig. Er drängt. Wenn man ihn in alte, spröde Schläuche füllt, dann zerreißt er sie. Nicht weil der Wein schlecht ist - sondern weil die Schläuche ihre Beweglichkeit verloren haben.' Thomas schwieg. Dann fragte er leise: 'Bist du der neue Wein?' Jesus lächelte. 'Ja. Und mehr noch: Das Reich Gottes ist neuer Wein. Die Nähe Gottes ist neuer Wein. Vergebung, die nicht berechnet. Liebe, die nicht kontrolliert. Barmherzigkeit, die sich nicht absichert.' 'Und wir?', fragte Thomas. 'Sind wir die Schläuche?' 'Ihr seid es', sagte Jesus. 'Und ihr könnt neu werden.' Thomas hob den Kopf. 'Wie?' Jesus antwortete nicht sofort. Dann sagte er: 'Indem du nicht nur etwas hinzufügst, sondern dich verwandeln lässt. Indem du nicht fragst: Wie passt das in mein bisheriges Leben? sondern: Was muss in mir neu werden, damit es Raum hat?' Thomas atmete tief ein. 'Das macht mir Angst.' 'Das ist gut', sagte Jesus. 'Denn alte Schläuche haben keine Angst. Sie sind hart geworden. Aber ein lebendiges Herz spürt, wenn etwas Größeres in es einziehen will.' Er legte Thomas die Hand auf die Schulter. 'Ich bin nicht gekommen, um dein Leben zu flicken. Ich bin gekommen, um es neu zu machen. Nicht, um dein Innerstes zu überfordern - sondern damit es weit wird.'
Thomas schwieg lange. Dann sagte er nur: 'Lehre mich, neu zu werden.' Jesus nickte. 'Dafür bin ich da.'