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Gott ist Empathie - oder: Jesus - die menschgewordene Empathie Gottes in persona
Text: Matthäusevangelium 9, 35-38 - Einheitsübersetzung neu
Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
Gottes Wort ist Liebesbotschaft an uns
Wenn wir von Gott sprechen, denken viele zuerst an Größe, Macht, Ordnung, an Gesetze und Gebote. An einen Erhabenen - und zugleich Entfernten und Unnahbaren. An einen Gott, der richtet, wägt, entscheidet.
Doch das Evangelium öffnet uns eine andere Tür. Es lässt uns in das Herz Gottes blicken. Und dieses Herz schlägt nicht kalt. Es schlägt warm. Es schlägt einfühlend. Es schlägt empathisch.
Im Evangelium heißt es von Jesus von Nazareth: Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Das ist kein beiläufiger Satz. Es ist eine Offenbarung Gottes. Gott ist kein distanzierter Beobachter der Welt. Kein trockener Theoretiker. Kein verkopfter Dogmatiker, der das Leben von außen beurteilt. Der Gott, den Jesus zeigt, hat Nerven. Hat ein Herz. Hat Gefühle.
Jesus sieht die Menschen - und dieses Sehen geht unter die Haut. Er registriert nicht nur ihre Zahl, nicht ihre Fehler, nicht ihre Frömmigkeit oder Unfrömmigkeit. Er sieht ihre Müdigkeit. Ihre Erschöpfung. Ihre innere Verlorenheit. Und dieses Sehen löst etwas aus: Mitleid. Erbarmen. Empathie. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, meint ein Ergriffenwerden bis in die Eingeweide hinein. Gott lässt sich berühren. Gott lässt sich treffen.
Jesus hat nicht nur Empathie - er ist Empathie. Jesus zeigt uns nicht bloß, dass Gott empathisch handelt. Jesus ist die Empathie Gottes. In ihm ist Gott nicht Gegenüber, sondern Mitgehender. Er lacht mit den Lachenden. Er ist traurig mit den Traurigen. Er weint mit den Weinenden. Er schweigt bei denen, denen die Worte fehlen. Wo Jesus steht, ist Gott nicht über den Menschen - sondern bei ihnen und in ihnen Nicht über dem Leid - sondern mitten darin.
Wenn Jesus Kranke berührt, dann nicht nur, um zu heilen, sondern um Nähe zu schenken. Wenn er Schuld vergibt, dann nicht aus moralischer Überlegenheit, sondern aus innerem Mittragen. Wenn er Hungernde speist, dann nicht, weil es ein Programm verlangt, sondern weil er ihre Not spürt. Gott begegnet der zerrissenen Welt nicht mit Macht, sondern mit Mitgefühl. Nicht mit Distanz, sondern mit Nähe. Nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit solidarischem Dasein. Jesus ist der Gott, der stehenbleibt, wenn andere weitergehen. Der hinschaut, wo andere wegsehen. Der sich berühren lässt, wo andere sich schützen.
Darum ist das Christentum keine Ideologie, sondern Beziehung. Keine Theorie über Gott - sondern eine Begegnung mit Gottes Herz. Und was heißt das für uns? Wer an diesen Gott glaubt, kann nicht gefühllos bleiben. Wer sich von der Empathie Jesu berühren lässt, wird selbst empfänglich für die Not anderer.
Christlicher Glaube heißt: lernen, mit den Augen Jesu zu sehen. Nicht zu urteilen. Nicht abzustempeln.
Empathie heißt nicht, alles gutzuheißen. Aber es heißt, niemanden aufzugeben. Niemanden auf seine Schwäche zu reduzieren. Niemanden allein zu lassen.
Gott ist Empathie. Und Jesus ist diese Empathie in menschlicher Gestalt. Wo er ist, da ist Gott. Da ist Gott nah. Da ist Gott berührbar. Da ist Gott mitten unter den Müden, den Erschöpften, den Suchenden.
Das ist eine der größten Hoffnungen unseres Glaubens: Dass wir nicht einem kalten Himmel anvertraut sind, sondern einem Gott mit Herz. Mit Tränen. Mit offenen Armen.