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Ein Kreis aus unterschiedlichen Händen,
offen, leer, empfangend -
und in ihrer Mitte ein einziges Licht.
Kein Thron, kein Zentrum der Macht,
kein erhöhter Platz.
Das Licht gehört niemandem allein.
Es wird nicht verliehen, nicht kontrolliert,
nicht verteilt von oben nach unten.
Es ist einfach da -
und alle dürfen daran teilhaben.
Dieses Symbol spricht klar:
Gottes Geist ist kein Besitz, sondern Gegenwart.
Keine Vollmacht im Sinn von Herrschaft,
sondern Gabe, die weiterfließt.
Keine Elite, sondern Gemeinschaft.
Die vielen Hände
stehen für die Verschiedenheit der Charismen.
Jede Hand anders, jede notwendig.
Das Licht in der Mitte
steht für das göttliche Leben,
Ein solches Bild widerspricht jeder Hierarchie.
Es erzählt von einem Gott,
der nicht über Menschen steht,
sondern mitten unter ihnen wirkt.
Von Herz zu Herz. Von Gabe zu Gabe.
Gottes Geist kennt keine Hierarchie - Über das Ende geistlicher Machtfantasien
Text: Matthäusevangelium 10, 1 - Übersetzung: Elberfelder Bibel
Und als er seine zwölf Jünger herangerufen hatte, gab er ihnen Vollmacht über unreine Geister, sie auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.
Gottes Wort gibt uns Orientierung
Wenn wir 'Vollmacht' hören, steigen sofort Bilder auf, die aus menschlichen Ordnungen stammen: Amt, Rang, Beauftragung von oben, Legitimation durch eine höhere Instanz. Das sind vertraute Muster aus Politik, Religion und Geschichte. Und genau diese Muster haben wir allzu oft auf Gott projiziert. Wir haben Gott gedacht wie einen König, der Ämter vergibt, wie einen Herrscher, der Befugnisse verteilt, wie eine Institution, die Zuständigkeiten regelt. Aber das ist menschliches Denken - nicht göttliche Wirklichkeit.
Bei Gott gibt es kein Amt im irdischen Sinn. Keine Hierarchie, keine Karriereleiter, keine geistliche Aristokratie. Gott ist kein Machthaber, der Autorität delegiert, sondern Quelle des Lebens, die sich verschenkt. Was von Gott ausgeht, ist nicht Macht über andere, sondern Leben für andere.
Darum stößt der klassische Vollmachtsbegriff zu Recht auf Widerstand. Denn er nährt ein Denken, das Kirche über Jahrhunderte deformiert hat: das Denken in Erwählten und Nicht-Erwählten, in Klerikern und Laien, in 'die haben's' und 'die empfangen nur'. Dieses Denken hat Menschen klein gemacht, Stimmen zum Schweigen gebracht und das Wirken des Geistes auf wenige reduziert. Dabei widerspricht es zutiefst dem biblischen Atem.
Wenn man den Blick von Macht auf Gabe verschiebt, verändert sich alles. Dann ist das, was Jesus weitergibt, keine Autorität im Sinne von Befugnis, sondern Teilhabe am Leben Gottes. Er 'ermächtigt' nicht im Sinn eines Amtes, sondern er traut Menschen zu, aus dem Geist zu leben, den sie empfangen haben. Nicht einige Wenige - alle.
Charismen sind keine Auszeichnungen, sondern Ausdruck der Vielfalt des Lebens. Jede und jeder bringt etwas Einmaliges mit: Wahrnehmung, Einfühlen, Klarheit, Geduld, Mut, Trost, Kreativität, Widerstandskraft. Der Geist weht nicht selektiv, sondern verschwenderisch. Und er fragt nicht nach Rang, Weihe oder Funktion, sondern nach Offenheit.
In diesem Licht wird auch die Sendung der Jünger neu lesbar. Sie sind nicht eine Elite, sondern eine exemplarische Gruppe. Nicht 'die Zwölf statt der anderen', sondern 'die Zwölf für alle'. Was an ihnen sichtbar wird, soll sich vervielfältigen - nicht institutionell abgesichert, sondern menschlich geteilt. Jesus gründet keine Kaste, sondern eröffnet einen Raum, in dem Menschen entdecken dürfen: Auch durch mich kann Heil geschehen.
Das ist ein befreiender Punkt: Gott braucht keine Amtsmacht, weil Gott Beziehung ist. Keine Erwählung auf Kosten anderer, weil Liebe nicht exklusiv funktioniert. Keine geistliche Hierarchie, weil Leben nicht von oben nach unten fließt, sondern von Herz zu Herz.
Und vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, dieses alte Denken endgültig loszulassen. Nicht um Kirche abzuschaffen, sondern um sie wieder atmungsfähig zu machen. Nicht um Ordnung zu verachten, sondern um Machtfantasien zu entlarven. Nicht um Jesus kleiner zu machen, sondern um ihm näher zu kommen.
Denn wo Menschen ihre Gaben einbringen - frei, ungezwungen, aus Mitgefühl -, dort geschieht das, was das Evangelium meint. Ohne Amt. Ohne Elite. Ohne 'oben' und 'unten'. Einfach menschlich. Und genau darin göttlich.