Es kann nur eine Mitte geben
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Es kann nur eine Mitte geben

Text: Matthäusevangelium 10, 37–39 - Einheitsübersetzung neu

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

Bildmeditation

Ein altes Rad.
Nichts Spektakuläres.
Und doch sagt es mehr als tausend Worte.
Alles am Rad ist Bewegung -
und doch hält etwas es zusammen.
Speichen laufen von außen nach innen.
Viele Richtungen, viele Wege, viele Spannungen.
Aber sie treffen sich an einem einzigen Punkt.
In der Mitte.

Was wäre,
wenn das Rad keine Mitte hätte?
Die Speichen würden ins Leere laufen.
Keine Verbindung.
Keine Ordnung.
Kein Halt.
Das Rad würde nicht rollen -
es würde zerfallen.

So ist es auch im Leben.
Wir bestehen aus vielen Teilen:
Arbeit und Ruhe.
Beziehungen und Rückzug.
Glauben und Zweifel.
Verletzungen und Hoffnung.
Wünsche, Pflichten, Erwartungen.
Solange sie eine gemeinsame Mitte haben,
tragen sie einander.
Fehlt die Mitte,
ziehen sie in verschiedene Richtungen -
und zerreißen uns innerlich.

Jesus spricht davon, wenn er sagt:
'Wer sein Leben festhalten will,
wird es verlieren.'
Denn ohne Mitte versuchen wir,
uns selbst zusammenzuhalten.
Dann macht sich ein Randpunkt zum Zentrum:
Leistung.
Familie.
Anerkennung.
Harmonie.
Angst.
Selbstschutz.
Aber kein Randpunkt trägt das Ganze.
Wenn Besitz zur Mitte wird,
dreht sich alles um Angst vor Verlust.
Wenn Anerkennung zur Mitte wird,
werden wir abhängig vom Urteil anderer.
Wenn Familie zur letzten Mitte wird,
wird Liebe zur Fessel.
Wenn ich selbst zur Mitte werde,
beginnt das Leben sich um mich zu verkrampfen.

Ein Rad mit verrückter Mitte eiert.
Es läuft nicht ruhig.
Es schlägt aus.
Es nutzt sich ab.

Jesus will nicht weniger Liebe,
sondern eine tragfähige Mitte.
Er stellt sich nicht neben das Rad,
nicht an den Rand,
nicht als zusätzliche Speiche.
Er stellt sich in die Mitte.
Nicht als Macht,
sondern als Halt.
Nicht als Konkurrenz,
sondern als Ursprung.
Wo Christus die Mitte ist,
dürfen alle Speichen bleiben,
wo sie sind.
Nichts wird abgeschnitten.
Nichts wird verdrängt.
Alles bekommt seinen Platz -
aber nicht den ersten.

Darum sagt Jesus:

'Wer sein Leben verliert um meinetwillen,
wird es finden.'
Nicht weil Leben gering wäre,
sondern weil es ohne Mitte zerfällt.
Wer Christus in die Mitte lässt,
verliert nicht sein Leben -
er verliert nur die Illusion,
es selbst tragen zu müssen.
Dann beginnt das Rad zu laufen.
Nicht perfekt.
Nicht ohne Rost.
Nicht ohne Narben.
Aber ruhig.
Tragfähig.
In Richtung Zukunft.

Jesus -
nicht der Rand unseres Lebens,
nicht die Verzierung,
nicht das fromme Extra.
Die Mitte.
Und von dort aus
finden alle Teile ihren Zusammenhang.