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Die Geschichte der Helen Keller
Text: Matthäusevangelium 9, 32-34 - Einheitsübersetzung neu
Als sie gegangen waren, siehe, da brachte man einen Stummen zu ihm, der von einem Dämon besessen war. Er trieb den Dämon aus und der Stumme konnte reden. Alle Leute staunten und sagten: So etwas ist in Israel noch nie gesehen worden. Die Pharisäer aber sagten: Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Helen Keller
Die Geschichte von Helen Keller beginnt im Jahr 1880 in einem kleinen Ort in Alabama. Sie kommt gesund zur Welt, ein aufgewecktes, neugieriges Kind. Doch mit nicht einmal zwei Jahren erkrankt sie schwer - vermutlich an Scharlach oder Hirnhautentzündung. Als sie überlebt, ist alles anders: Helen ist blind und taub. Die Welt verstummt und verdunkelt sich zugleich.
Was für andere Kinder Sprache, Nähe und Orientierung ist, bleibt ihr verschlossen. Helen wächst in einem Chaos aus Empfindungen auf. Sie spürt Hunger, Ärger, Freude - doch sie kann sie nicht benennen. Wutausbrüche, Verzweiflung und Einsamkeit prägen ihre frühen Jahre. Ihre Familie liebt sie, weiß aber nicht, wie sie ihr wirklich helfen kann.
Die Wendung kommt, als Helen sieben Jahre alt ist. Eine junge Lehrerin betritt ihr Leben: Anne Sullivan. Auch sie trägt Verletzungen aus der eigenen Geschichte - fast blind aufgewachsen, voller Disziplin und Mitgefühl. Anne beginnt behutsam, mit Helen zu arbeiten. Sie schreibt Worte in Helens Handfläche. Anfangs sind es bloße Bewegungen, bedeutungslos wie das Rauschen eines Windes.
Dann geschieht der berühmte Moment am Wasserpumpenbrunnen. Kaltes Wasser strömt über Helens Hand, und Anne schreibt gleichzeitig das Wort water in ihre Handfläche. Plötzlich begreift Helen: Das hier hat einen Namen. Die Welt besteht aus Dingen - und Dinge aus Worten. In diesem Augenblick öffnet sich ein Tor. Noch am selben Tag lernt Helen dutzende Begriffe. Sprache flutet in ihr Leben wie Licht in einen dunklen Raum.
Von da an ist Helen nicht mehr aufzuhalten. Sie lernt die Blindenschrift, später auch das Sprechen - mühsam, tastend, aber unbeirrbar. Sie liest, schreibt, studiert. Sie wird die erste taubblinde Frau, die ein Universitätsstudium abschließt. Worte werden ihr Zuhause, Gedanken ihr Raum zur Freiheit.
Doch Helen Keller bleibt nicht bei der eigenen Geschichte stehen. Sie wird Schriftstellerin, Rednerin, politische Aktivistin. Sie setzt sich für Menschen mit Behinderungen ein, für Frauenrechte, für soziale Gerechtigkeit. Sie reist um die Welt, spricht vor Staatsmännern, hört mit den Händen und sieht mit dem Herzen.
Helen Keller stirbt 1968. Zurück bleibt mehr als eine beeindruckende Biografie. Ihre Geschichte erzählt davon, dass Bildung nicht Luxus ist, sondern Befreiung. Dass Kommunikation Leben schafft. Und dass selbst dort, wo Dunkelheit und Stille alles zu verschlingen scheinen, ein einziger Mensch - zur richtigen Zeit - ein ganzes Universum öffnen kann.