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Das Kostbare in mir braucht nicht die Zustimmung der Welt. - Es genügt, dass ich es achte.
Text: Matthäusevangelium 7, 6 - Übersetzung: Das Buch
6 Ich warne euch: Werft die kostbaren Geschenke, die Gott euch gegeben hat, nicht den Hunden hin! Und werft auch nicht die Perlen, die er euch anvertraut hat, vor die Schweine! Denn die trampeln sowieso nur darauf herum und am Ende drehen sie sich noch um, greifen euch an und zerfleischen euch!
Tiefenpsychologische Betrachtung
1. Die Perlen - das Kostbare im Inneren
In jedem Menschen gibt es innere Schätze - tiefe Einsichten, seelische Erfahrungen, zarte Wahrheiten, die oft in Momenten der Stille, des Leidens oder des Gebets gewachsen sind. Diese 'Perlen' sind keine äußeren Besitztümer, sondern innere Wahrheiten, die unsere Identität, unsere Würde und unsere Berufung berühren. Tiefenpsychologisch kann man hier von Selbstanteilen sprechen, die besonders verletzlich sind: das kindliche Vertrauen, die ureigene Spiritualität, das schöpferische Potenzial, die innere Stimme. Solche inneren Perlen sind empfindlich wie ein frisch gewachsenes Pflänzchen: Sie brauchen Schutz, Erdung und einen fruchtbaren Boden - nicht lautes Getöse, Zynismus oder Missachtung.
2. 'Hunde' und 'Schweine' - Bilder für destruktive Kräfte
Jesus spricht nicht von Menschen im wörtlichen Sinn. Die Metapher zielt auf Haltungen und Dynamiken, die das Kostbare im Menschen nicht achten können:
das Zynische, das das Heilige verspottet,
das Grobe, das Feines nicht versteht,
das Destruktive, das nicht auf Resonanz, sondern auf Angriff aus ist.
Tiefenpsychologisch stehen diese Bilder für innere oder äußere Kräfte, die das Heilige in uns verächtlich machen oder entwerten. Manchmal sind es andere
Menschen, die nicht verstehen (oder verstehen wollen). Manchmal sind es eigene innere Stimmen: die Selbstverachtung, die Scham, die Angst, ausgelacht zu werden.
3. Schutz des Inneren - kein Hochmut, sondern Verantwortung
Jesus fordert hier nicht zur Abgrenzung aus Stolz auf, sondern zur klugen Unterscheidung: Nicht alles, was im Inneren kostbar ist, ist sofort kommunikationsfähig. Nicht jeder Ort und nicht jeder Moment eignet sich, um das Innerste preiszugeben. Tiefenpsychologisch gesprochen: Das Selbst braucht Schutzräume, damit es reifen kann. Wer sein Innerstes vorschnell preisgibt, riskiert, dass es zertreten wird. Wer gelernt hat, sorgsam zu unterscheiden, kann später umso freier und wahrhaftiger teilen.
4. Der Angriff nach der Entwertung
Jesus beschreibt nicht nur das Zertreten der Perlen, sondern auch die aggressive Gegenreaktion: '... sie drehen sich um und zerfleischen euch.' Dies entspricht einer psychischen Realität: Wer einem Menschen, der das Kostbare nicht tragen kann, dennoch das Innerste offenbart, erlebt oft Spott, Ablehnung oder Verletzung. Noch gefährlicher: Solche Reaktionen können das Vertrauen ins Eigene zerstören.
5. Selbstwerdung und Grenzen
C. G. Jung betont, dass Selbstwerdung - also die Reifung des Selbst - nur in einem inneren geschützten Raum wachsen kann. Wer die 'Perlen' zu früh oder am falschen Ort teilt, verliert oft nicht die Perlen selbst, aber das Vertrauen in ihren Wert. Grenzen sind daher kein Mangel an Liebe, sondern eine Form der Achtung vor dem eigenen Heiligen.
Gottes Wort verschafft mir Orientierung
'Werft das Heilige nicht den Hunden hin und eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie diese nicht zertreten und sich gegen euch wenden.'
Auf den ersten Blick klingt dieser Satz Jesu schroff, ja sogar verletzend. Er spricht von Hunden und Schweinen, von Zertreten und Zerfleischen. Doch hinter diesen Worten verbirgt sich keine Verachtung, sondern ein tiefer Schutzgedanke: Jesus ruft uns dazu auf, mit dem Kostbarsten in uns behutsam umzugehen.
Wir tragen in uns etwas, das niemand sehen kann und doch unendlich wertvoll ist: eine Sehnsucht, ein inneres Licht, eine zarte Gewissheit. Es können Erfahrungen sein, die wir im Gebet, in schweren Stunden oder in Momenten großer Klarheit empfangen haben. Es sind unsere Perlen - das Heilige, das Gott in unser Herz gelegt hat.
Diese Perlen sind nicht laut, sie brauchen keinen Beifall. Sie sind still, zerbrechlich und zugleich von unermesslichem Wert. Darum mahnt Jesus: Trage das Heilige nicht dorthin, wo es nicht verstanden werden kann. Öffne dein Herz nicht wahllos. Es gibt Menschen und Situationen, in denen das Kostbare verspottet, zerredet oder entwertet wird. Und nicht selten kommt danach der Schmerz - wie ein Messer in die Seele.
Jesus sagt damit nicht: Zieh dich zurück und verschließe dein Herz. Er sagt: Unterscheide. Sei wachsam, wem du dein Innerstes anvertraust. Das Heilige gedeiht dort, wo es geachtet wird. Nicht jeder Boden ist fruchtbar. Manches muss im Verborgenen wachsen, bis seine Zeit gekommen ist.
Auch im geistlichen Leben gilt: Schutz ist nicht Egoismus, sondern Ausdruck von Liebe zu sich selbst. Wer die Perlen bewahrt, schützt die Quelle, aus der sie kommen. Wer sie sorglos preisgibt, riskiert, dass ihr Glanz verloren geht.
Darum: Hüte das, was Gott in dein Herz gelegt hat. Vertraue es nicht jenen an, die nur darüber lachen oder es zertreten würden. Suche die Orte und Menschen, die das Heilige erkennen und achten. Und warte, bis der richtige Moment gekommen ist, damit das, was leise in dir wächst, Frucht tragen kann.
'Bewahre das Heilige in dir, damit es nicht verschwindet. Hüte die Perlen in dir, damit sie glänzen können. Achte auf das Licht in dir - und teile es mit Bedacht.'