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Das Fieber der Sorge
Text: Matthäusevangelium 8, 14–17 - Übersetzung: Das Buch
14 Dann kam Jesus in das Haus, in dem Petrus wohnte. Dort erfuhr er, dass die Schwiegermutter von Petrus krank im Bett lag. Sie hatte starkes Fieber. 15 Da fasste Jesus sie bei der Hand und befreite sie vom Fieber. Sofort stand sie auf und fing an, Jesus zu bewirten. 16 Als es dann Abend geworden war, brachten die Einwohner viele Menschen, die von bösartigen Geistesmächten beherrscht und gequält wurden, zu ihm. Jesus warf diese Geister hinaus und machte alle gesund, die irgendeine Krankheit hatten. 17 Auf diese Weise tat er genau das, was der Prophet Jesaja schon vorausgesagt hatte: 'Er hat unsere Krankheiten auf sich geladen und alle Gebrechen weggenommen.'
Tiefenpsychologische Betrachtung
Man kann sich gut vorstellen, was in dieser Frau vorging. Sie ist die Schwiegermutter des Petrus, also Teil seiner Familie. Sie sieht, dass ihr Schwiegersohn - der bisher das Einkommen der Familie sicherte - plötzlich alles stehen und liegen lässt, um mit einem Wanderprediger zu gehen. Der Fischer lässt seine Netze zurück - seine Existenzgrundlage, seinen Platz in der Gesellschaft, sein gewohnten Lebens. Für die zurückgelassene Familie bedeutet das Unsicherheit, Angst, Ungewissheit. Wer sorgt nun für ihre Tochter, für die Enkelkinder? Wie soll das weitergehen? Wie oft brennt ein solches Fieber in Müttern und Schwiegermüttern: die Angst, dass die, die sie lieben, unvernünftig handeln, sich verlieren, die Angst, die Familie könne auseinanderbrechen.
1. Fieber als Ausdruck von Sorge und Kontrollverlust
Das Fieber wäre dann Ausdruck der aufgestauten Sorge - einer inneren Überhitzung durch Ohnmacht und Kontrollverlust. Die Seele brennt vor Angst und Unruhe, weil das Leben plötzlich nicht mehr planbar ist. Was sich nicht mehr ordnen oder kontrollieren lässt, entzündet innerlich. So wird das Fieber zum körperlichen Symbol einer emotionalen Überhitzung: der Kampf zwischen dem Festhalten an der Sicherheit und der Konfrontation mit dem Unbekannten.
2. Die Begegnung mit Jesus
Und dann tritt Jesus in dieses Haus. Er steht also nicht nur symbolisch in der Tür zwischen 'alter Sicherheit' und 'neuer Lebensweise' - er kommt wirklich in ihr Haus, in ihr Denken, in ihr System. Er berührt sie - und in dieser Berührung geschieht Versöhnung: zwischen dem, was sie loslassen muss, und dem, was sie neu annehmen darf. Jesus steht hier für das Vertrauen, das die Angst überwindet, für die Liebe, die Sicherheit nicht in Kontrolle, sondern in Beziehung findet. Die Berührung ist eine seelische Kühlung: 'Du darfst loslassen. Es ist gut. Ich bin da.'
3. Das Fieber weicht - die Seele kommt zur Ruhe
Nachdem er sie berührt, 'weicht das Fieber'. Man könnte sagen: Die übermäßige Sorge, das angstvolle Kontrollbedürfnis, das innere Feuer der Angst - es darf sich lösen. Die Frau kommt wieder zu sich. Und sie steht auf - nicht, um wieder die Kontrolle zu übernehmen, sondern um zu dienen: in Liebe, nicht in Angst. Das ist der entscheidende Wandel: Sie handelt nun nicht mehr aus Sorge, sondern aus Vertrauen. Ihr Dienen ist keine Überforderung mehr, sondern Ausdruck inneren Friedens.
4. Symbolische Deutungsebene
Psychologisch gesehen steht Petrus für den männlichen Aufbruch ins Neue, die Schwiegermutter für den weiblichen Pol des Bewahrens. Beide Haltungen sind wichtig, beide notwendig - aber oft im Konflikt. Das Fieber zeigt, was passiert, wenn das Alte das Neue nicht loslassen kann. Die Heilung geschieht, wo das Alte (die Schwiegermutter) den Segen gibt - wo Bewahrung und Aufbruch sich versöhnen. So könnte man sagen: Jesus heilt nicht nur eine einzelne Frau - er heilt eine ganze Beziehungskonstellation, er bringt die Spannungen zwischen Generationen, zwischen Tradition und Aufbruch, in Einklang.
5. Tiefenpsychologische Quintessenz
Das Fieber steht für die Hitze der Angst, der Sorge, der Überforderung, die entsteht, wenn Altes und Neues miteinander ringen. Jesu Berührung steht für die Integration: Das Alte darf loslassen, das Neue darf werden. Aus Angst wird Vertrauen, aus Kontrolle wird Hingabe, aus Sorge wird Liebe.
Kernsatz:
Das Fieber der Schwiegermutter ist das Brennen der Sorge, die Angst, das Vertraute zu verlieren. Jesu Berührung stillt diese Angst - er verwandelt das Fieber der Sorge in die Ruhe des Vertrauens.
Zwiegespräch
Schwiegermutter:
Ich brenne vor Sorge.
Alles ist anders geworden.
Mein Schwiegersohn - er hat sein Boot verlassen,
seine Arbeit, sein Zuhause.
Und meine Tochter?
Was wird aus ihr, was aus meinen Enkelkindern?
Ich verstehe ihn nicht.
Ich habe Angst
Jesus:
Ich weiß.
Du hast viel getragen, viel gehalten.
Du willst Sicherheit -
und sie zerfließt dir zwischen den Händen.
Du wolltest schützen,
und kannst nicht mehr.
Schwiegermutter:
Es brennt in mir.
Ich kann nicht loslassen.
Ich möchte glauben,
doch ich fürchte das,
was kommt.
Jesus:
Du musst nicht alles verstehen.
Ich bin hier.
Du darfst loslassen.
Ich halte dich.
(Er berührt ihre Hand.)
Schwiegermutter:
Etwas in mir wird still.
Die Hitze weicht,
die Angst löst sich.
Ich spüre Frieden -
tief, echt.
Jesus:
Steh auf.
Das Leben wartet.
Diene - nicht aus Angst,
sondern aus Liebe.
Schwiegermutter:
Ja.
Ich stehe auf.
Und tue,
was ich tun kann.
Frei.
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Jeder von uns kennt Momente, in denen die Sorge brennt. Wenn jemand, den wir lieben, Wege geht, die wir nicht verstehen. Wenn die Sicherheit unseres Lebens plötzlich wankt. Wenn wir merken: Ich habe keine Kontrolle mehr über das, was geschieht. Sorge kann heiß werden. Sie kann uns innerlich verbrennen, die Nächte rauben, das Herz eng machen. Manchmal wird sie sogar körperlich spürbar - in Spannung, Erschöpfung, Fieber. So könnte man auch das Fieber der Schwiegermutter des Petrus verstehen. Nicht nur als medizinisches Symptom, sondern als Ausdruck einer überhitzten, besorgten Seele.
Jesus kommt in das Haus des Petrus. Er, der Fischer vom See, hat sein Netz liegen lassen, sein Boot, seine Arbeit, seine Sicherheiten - und folgt nun einem Wanderprediger, ohne Einkommen, ohne Haus, ohne Zukunftsplan. Da bleibt die Familie zurück: seine Frau, die Kinder, und eben die Schwiegermutter, die das alles mitansehen muss. Sie hat Verantwortung getragen, Ordnung gehalten, für Stabilität gesorgt. Und jetzt - ist alles anders. Wie oft erleben Menschen solche Momente: Wenn ein Sohn oder eine Tochter plötzlich eine andere Richtung einschlägt, wenn ein Partner einen neuen Weg geht, wenn etwas Altes zerbricht und wir es nicht mehr halten können. Die Schwiegermutter des Petrus liegt 'im Fieber'. Vielleicht ist das nicht nur körperlich gemeint, sondern Ausdruck einer seelischen Erhitzung: die Sorge um die Tochter, die Angst um die Familie, die Unruhe, was aus allem werden soll. Das alte Leben ist aus den Fugen geraten.
Der Verfasser des Evangeliums schreibt: 'Er kam in das Haus des Petrus und sah, dass seine Schwiegermutter im Fieber lag.' Jesus sieht. Er geht nicht vorbei, er urteilt nicht, er fragt nicht nach Schuld oder Glaube - er sieht einfach. Das ist der erste Schritt jeder Heilung: gesehen werden. Wie viele Menschen heute liegen im 'Fieber der Sorge', überfordert von Veränderungen, von Verlusten, von Entwicklungen, die sie nicht mehr begreifen. Und sie wünschen sich jemanden, der einfach hinsieht - nicht analysiert, nicht moralisiert, sondern da ist.
Dann heißt es: 'Er berührte ihre Hand, und das Fieber wich von ihr.' Keine großen Worte, keine Predigt, keine Forderung. Nur eine Berührung. Diese Berührung steht für Nähe, Zuwendung, Einfühlen. Sie kühlt das Brennende, beruhigt das Überhitzte, stellt den Kontakt wieder her zwischen Herz und Vertrauen. Tiefenpsychologisch gesprochen: Die Berührung Jesu ist das Symbol für das heilende Prinzip des Lebens, das uns mit dem Grundvertrauen verbindet, das unter all unseren Ängsten liegt. Er bringt sie in Kontakt mit dem, was sie trägt - mit Gott, mit dem inneren Frieden, der tiefer ist als Sorge und Kontrolle.
Und dann geschieht das Entscheidende: Sie steht auf - und dient. Das Wort 'aufstehen' (ege-íro) ist dasselbe, das später auch für die Auferstehung Jesu gebraucht wird. Das heißt: In ihr geschieht Auferstehung im Kleinen. Das Fieber der Sorge verwandelt sich in die Kraft des Vertrauens. Aus Angst wird Hingabe, aus Verkrampfung wird Bewegung. Sie dient - nicht mehr aus Pflicht, sondern aus Liebe. Ihr Herz ist wieder frei. So ist jede wahre Heilung ein Stück Auferstehung. Nicht spektakulär, nicht laut, sondern leise und heilsam: Ein Mensch, der innerlich loslässt, wird frei, anderen Gutes zu tun.
Matthäus fügt hinzu: 'So sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.' Jesus heilt, indem er Anteil nimmt. Er trägt das Leid, er nimmt die Sorge in sich auf, ohne sie zu verurteilen. Er heilt nicht durch Überlegenheit, sondern durch Einfühlen. Das zeigt: Heilung geschieht nicht, indem man alles erklärt, sondern indem man sich berühren lässt - von Gott, von einem Menschen, von der Liebe.