Bitten - Suchen - Anklopfen
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Beten heißt, sich Gott auszusetzen - nicht ihn zu instrumentalisieren

Text: Matthäusevangelium 7, 7–11 - Übersetzung: Das Buch

7 Bittet Gott! Und er wird euch beschenken. Sucht! Und er wird euch finden lassen. Klopft an! Und Gott wird euch seine Türen öffnen. 8 Es stimmt: Jeder, der bittet, wird beschenkt werden. Jeder, der sucht, wird finden. Und jeder, der bei Gott anklopft, erfährt, dass er ihm die Tür öffnet. 9 Stellt euch einmal vor: Dein eigenes Kind bittet dich um Brot. Gibt es einen unter euch, der ihm stattdessen einen Stein andreht? 10 Oder dein Kind bittet dich um ein Stück Fisch. Würdest du ihm eine Schlange vorsetzen? 11 Ihr Menschen seid ja von Bosheit geprägt. Dennoch seid ihr in der Lage, für eure eigenen Kinder zu sorgen und ihnen Gutes zu tun. Um wie viel mehr wird euer Vater, der über allem thront, denen wirklich gute Dinge schenken, die ihn darum bitten!

Worte des Lebens für uns

Manchmal beten wir, als hätten wir einen Plan. Wir wissen, was geschehen soll. Wir wissen, wie Gott handeln müsste. Und wir wissen auch ziemlich genau, wann es endlich soweit wäre. Dann beten wir - und erwarten, dass Gott funktioniert.

Hier setzt der Theologe Karl Rahner einen Schnitt: 'Beten heißt, sich Gott auszusetzen - nicht ihn zu instrumentalisieren.'

Instrumentalisieren heißt: Gott als Mittel zum Zweck zu benutzen. Ihn einzuspannen in unsere Pläne. Ihn auf unsere Erwartungen festzulegen.

Sich Gott aussetzen - das ist etwas anderes. Das heißt: Ich komme ohne Sicherung. Ich bringe keine Bedingungen mit. Ich halte Gott nicht fest - ich lasse mich halten. Beten ist dann kein Tun, sondern ein Geschehenlassen. Ein Sich-hineinstellen in eine Gegenwart, die größer ist als meine Vorstellungen.

Jesus selbst betet nicht, um Gott zu lenken. Im Garten Getsemani sagt er: 'Nicht mein Wille, sondern deiner geschehe.' Das ist kein resigniertes Wort. Das ist radikales Vertrauen. Jesus setzt sich Gott aus - mit Angst, mit Zittern, mit Sehnsucht. Er instrumentalisiert Gott nicht, sondern vertraut sich ihm an.

Beten im Sinne Jesu ist nicht Bitten um Veränderung, sondern Zulassen von Verwandlung. Im Gebet geht es zuerst nicht darum, dass Gott etwas für uns tut, sondern dass Gott etwas mit uns tut. Beten heißt dann: still werden, loslassen, sich anschauen lassen.

Gott ist kein Werkzeug, das man benutzt. Im Gebet begegnen wir keinem System, keiner Macht, keinem Automatismus. Wir begegnen einem Du. Und dieses Du ist frei. Und gerade deshalb verlässlich.

'Beten heißt, sich Gott auszusetzen - nicht ihn zu instrumentalisieren.' Das ist die tiefste Form des Glaubens: nicht zu wissen, was geschieht - aber zu wissen, wem wir uns anvertrauen. Nicht Gott zu benutzen, sondern uns voll Vertrauen in seine ewigen Pläne fallen zu lassen.