Anmerkungen zu Matthäus 7, 24-27

Text: Matthäusevangelium 7, 24-27 - Übersetzung: Das Buch

24 Jeder Mensch, der meine Worte hört, sie aufnimmt und das in die Tat umsetzt, was ich sage, der ist wie ein umsichtiger Mensch, der sein Haus auf einem festen, felsigen Untergrund baute. 25 Selbst wenn in der Regenzeit ganz viel Niederschlag auf einmal fällt und die ausgetrockneten Flusstäler sich mit Wasser füllen und wenn die Stürme sich erheben und gegen das Haus stoßen, macht das dem Haus nichts aus. Es steht unerschütterlich, denn es ist ja auf dem Felsen gebaut. 26 Aber jeder, der hört, was ich sage, und es dann nicht in die Tat umsetzt, ist wie ein ziemlich dummer Mensch, der sein Haus im Flusstal auf den sandigen Untergrund baut. 27 Wenn dann die Regenzeit kommt und mit ihr starke Regenfälle, wenn die Sturzbäche durch das Flusstal donnern und wenn die Sturmwinde gegen das Haus schlagen, fällt es zwangsläufig in sich zusammen. Kein Stein bleibt auf dem andern.

Anmerkungen

Das Bild vom Hausbau ist im palästinischen Raum zur Zeit Jesu unmittelbar lebensnah. In Galiläa und Judäa gab es: felsigen Untergrund (v. a. in Hanglagen), aber auch trockene Bachläufe (Wadis), die im Sommer harmlos wirkten und im Winter durch plötzliche Regenfälle zu reißenden Strömen werden konnten.

Ein Haus auf Fels zu gründen bedeutete: mühsames Abtragen von Erde, mehr Zeit und Kraftaufwand, dafür Stabilität bei Unwettern. Ein Haus auf Sand (oder ungefestigtem Untergrund) zu errichten war: schneller, weniger anstrengend, aber existenzgefährdend, sobald Stürme und Wasser kamen. Jesu Hörer kannten solche Katastrophen aus eigener Erfahrung.

Matthäus 7,24-27 bildet den Schlussakkord der Bergpredigt (Mt 5-7). Das Gleichnis ist nicht isoliert, sondern kulminiert eine ganze Abfolge von Zuspitzungen:

Zwei Wege (7,13-14)
Zwei Arten von Propheten (7,15-20)
Zwei Arten von Bekenntnissen (7,21-23
Zwei Arten von Fundamenten (7,24-27)

Damit stellt Jesus seine Hörer vor eine Entscheidung: Hören allein genügt nicht - entscheidend ist das Tun.

Mattäus akzentuiert stark: Hören und Tun der Worte Jesu als Maßstab, Jesus selbst tritt dabei mit autoritativer Selbstverständlichkeit auf: 'Meine Worte' sind das Fundament. Das erklärt auch die Reaktion in Mt 7,28-29: Jesus lehrt 'mit Vollmacht'.

'klug, weise' meint praktische Lebensklugheit, nicht intellektuelle Brillanz, sondern vorausschauendes, verantwortliches Handeln

'töricht' ist nicht dumm im kognitiven Sinn, sondern jemand, der bekannte Konsequenzen ignoriert

'Fels': fester, tragfähiger Untergrund, in der Bibel häufiges Gottesbild: Gott ist wie ein Fels

'Sand': instabil, wechselhaft, kein tragfähiger Grund für Dauer

'tun': Schlüsselbegriff bei Matthäus, meint nicht punktuelle Leistungen, sondern gängige Lebenspraxis.