REICH GOTTES Lernen

 

Herbstwald, original_R_K_B_by_Rainer_Klinke_pixelio.de

Die Natur zeigt uns das Loslassen,
zum Beispiel an den Bäumen,
die im Herbst ihre Blätter fallen lassen.

Schau nicht zurück – Lerne loslassen

Das Alte Testament erzählt die Geschichte von Lot und seiner Familie. Eines Tages lässt Gott Lot sagen: „Verlass deine Heimatstadt, geh fort! Ich werde diese Stadt wegen der Schlechtigkeit ihrer Bewohner vernichten.” Lot hört auf Gott. Ein Gottesbote führt ihn, seine Frau und seine Kinder aus der Stadt hinaus und sagt zu ihm: „Bring dich in Sicherheit, es geht um dein Leben.

Sieh dich nicht um, und bleib in der ganzen Gegend nicht stehen!” Als Schwefel und Feuer auf die Stadt fällt, bleibt Lots Frau stehen, dreht sich um und schaut zurück. Sie erstarrt zu einer Salzsäule.

Schau nicht zurück auf das, was gewesen ist! Lass deine Vergangenheit los! Löse dich von dem, was deinem Leben schadet!

Es geht um das Loslassen. Loslassen heißt mit anderen Worten: Freiheit schenken, fortlassen, freigeben, herausgeben, hinauslassen, nicht mehr festhalten, gehen lassen.

Loslassen können ist etwas Wichtiges in unserem Leben. Es muss gelernt werden. Es ist ein Entwicklungsprozess, der unterschiedlich schnell verlaufen kann. Es geht nicht so einfach, wie ich mit einem Schalter Licht ausmache.

Loslassen bedeutet, sich frei zu machen von dem, was mich quält, einschnürt, festhält und niederdrückt, was mich behindert und blockiert, was mir den Atem nimmt und die Energie raubt, was mich nicht leben lässt, was es mir erschwert, im Hier und Jetzt zu sein, was mir die Lebensfreude verdirbt und zerstört, was mich schwer und unbeweglich macht und krank an Körper, Geist und Seele.

Es ist erstaunlich, an wie vielen Dingen wir festhalten, obwohl sie uns nicht gut tun, und wie viel wir mitschleppen, was uns hinunterzieht. Wir bleiben hängen an Kränkungen, seelischen Verletzungen, Beleidigungen, Demütigungen, Entwürdigungen und Erniedrigungen, an Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen und verkrampfen uns darin. Wir verkrallen uns in Ängste und Sorgen, in Schuldgefühle, in Selbstzweifel, Selbstvorwürfe und Selbstanklagen, in Ablehnung gegen uns selbst und Selbstbestrafung. Wir sitzen fest in negativen Gedanken und Gefühlen, in Ärger, Wut und Zorn und in angstmachenden Gottesbildern und Leben verneinenden Glaubenssätzen. Wir tragen anderen ihre Fehler und Versäumnisse nach und gestehen ihnen nicht zu, dass sie genauso unvollkommene Menschen sind wie wir selbst und dass sie genauso lernen dürfen wie wir.

Wir wollen uns nicht trennen von Lebensplänen, die sich nicht erfüllen oder erfüllt haben, und von zu hohen Erwartungen und Zielen, die wir uns in den Kopf gesetzt haben. Wir stecken in Verhaltensweisen und Gewohnheiten, in Zwängen, Abhängigkeiten und ständig wiederkehrenden Situationen und ändern sie nicht, obwohl wir längst wissen, dass sie unserem Lebensglück im Wege stehen. Wir kleben an Erwartungen an Menschen und an Bildern und Vorstellungen, die wir uns von Menschen gemacht haben.

Wir können uns nicht verabschieden von negativen Gefühlen, die Menschen uns entgegenbringen, und von Beziehungen zu Menschen, die uns nur schaden und noch nicht in Frieden mit uns leben können. Eltern geben ihre Kinder nicht frei, obwohl sie nicht ihr Besitz sind und genauso wie sie das Recht haben, eigene Wege zu gehen. Kinder können nur leben lernen und selbständige Menschen werden, wenn die Eltern sie frei gehen lassen. Wir lassen Menschen oder Tiere nicht los, die verstorben sind, und wollen uns nicht damit abfinden, dass sie nicht mehr so wie früher bei uns sind. Wir hängen an Vergangenem und richten den Blick zurück. Die Vergangenheit aber gehört uns nicht mehr. Und die Zukunft gehört uns noch nicht. Das Einzige, das uns gehört, ist der Augenblick.

Loslassen fällt uns schwer. Und eines ist sicher: Je mehr wir uns an etwas klammern, von dem wir uns lösen sollten, umso anstrengender und schwieriger wird das Loslassen. Aber genau die Fähigkeit loszulassen, was uns nicht gut tut, ist ein Schlüssel für mehr Lebensqualität und Zufriedenheit. Denn sie ist die Voraussetzung für Freiheit, Erleichterung, Lebensfreude, für Kraft schöpfen, Gesundheit und Glück. Sie ist Voraussetzung, unbeschwert und erlöst leben und seine Fähigkeiten und Talente ungehindert entwickeln zu können.

Neues kann immer nur entstehen, wenn wir Altes loslassen. Leben ist Veränderung. Leben ist im Fluss. Wenn es still steht, erstarrt es und ist tot.

Um loslassen zu können, ist es wichtig, mir das Ziel zu setzen, glücklich zu sein, und daran zu glauben, dass ich glücklich sein darf. Ich lasse Dinge los, die mir nicht guttun, weil ich mich selber liebe und das Recht habe, dass es mir gutgeht und ich mich frei und leicht fühle. Ich trage Verantwortung für meine seelische und körperliche Gesundheit, deshalb habe ich sogar die Pflicht loszulassen, was meiner seelischen und körperlichen Gesundheit schadet.

Was das Loslassen angeht, ist Bewusstwerdung sehr wichtig. Ich nehme mir die Zeit zu überlegen, was ich alles gerne loslassen möchte. Ich übe das Loslassen ein, indem ich mir vorsage: „Ich lasse los. Ich bin bereit loszulassen. Ich sage Ja zu dem, was war und wie es war.”

Uns persönlich hilft dabei, uns bewusst zu machen, dass alles seine Zeit hat, dass es eine göttliche Ordnung gibt, und dass Gott weiß, warum alles zu welcher Zeit so sein muss. Ihm vertrauen wir uns an. Was wir loslassen, legen wir in seine Hände.

Schau nicht zurück auf das, was gewesen ist! Lass deine Vergangenheit los! Löse dich von dem, was deinem Leben schadet!

Diese Worte richtet Gott an Lot und an mich. Denn ER will, dass ich lebe und glücklich bin.