REICH GOTTES Lernen

Dreifaltigkeitssonntag B

Interview mit Jesus zum Matthäusevangelium 28, 16–20

Thema: Jesus bleibt bei uns

Jesus, es heißt in diesem Evangelium, du hast nach deiner Auferstehung deine Schüler und Schülerinnen, um ihnen zu begegnen, auf einen Berg bestellt. Warum auf einen Berg?

Jesus:

„Berg” ist hier nicht geografisch, sondern symbolisch zu verstehen. In unserer jüdischen Religion galt der Berg als Ort der Gottbegegnung und Gotterfahrung. Der Evangelist will damit zum Ausdruck bringen, dass er und andere in der festen Überzeugung gelebt haben, in mir Gott zu begegnen und Gott zu erfahren. Mit der Hinzufügung „einige fielen vor mir nieder” unterstreicht er diese Überzeugung. Und so wie heute gab es auch damals Menschen, die Zweifel hatten oder noch nicht zum Glauben gefunden haben, dass ich in unsichtbarer Weise in ihnen bin. Ich sage bewusst „noch nicht”.

Jesus, du sprichst davon, dass dir alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde. Was bedeutet dir Macht?

Jesus:

Unermüdlich habe ich meine Schüler und Schülerinnen gelehrt, dass meine Macht Gottes Macht, und dass Gottes Macht völlig anders ist als irdische Macht. Meine Macht ist die Macht der unerschöpflichen Gnade, der grenzenlosen Warmherzigkeit, der unendlichen Güte und der bedingungslos bejahenden Zuwendung. Sie hat nicht im Geringsten etwas gemeinsam mit Herrschen und Beherrschen und mit Unterdrücken und Gewalt ausüben. Irgendwann werden alle zur Einsicht gelangen, dass die einzig wirkliche Macht die wahre Liebe ist.

Jesus, du hast deinen Schülern und Schülerinnen den Auftrag gegeben, zu allen Völkern zu gehen, alle Menschen zu deinen Schülern und Schülerinnen zu machen, sie zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie zu lehren, was du sie gelehrt hast. Was sagst du uns damit?

Jesus:

Das war kein Befehl, sondern eine Einladung an meine Schüler und Schülerinnen. Ich bin immer einladend mit Menschen umgegangen, ihnen Freiheit und freiwillige Entscheidung überlassend. Ich habe niemanden bedrängt oder unter Druck gesetzt, ich habe niemals jemanden bedroht oder zu etwas gezwungen. Bestürmen, im Nacken sitzen, in die Enge treiben, ungeduldig zusetzen, nötigen, zu Leibe rücken, das Haus einrennen, die Hölle heiß machen, einheizen und in die Zange nehmen - dies alles war niemals mein Stil, denn das ist nicht Umgangsform meines Abba-Gottes.
Menschen zu meinen Schülerinnen und Schülern zu machen, darunter verstehe ich, ihnen ein einladendes Angebot zu machen, ihnen behutsam, geduldig und mit Fingerspitzengefühl meine Freudenbotschaft und die göttlichen Wertmaßstäbe zu verkünden. Überzeugend wirken vor allem die eigene Begeisterung, der eigene gelebte Glaube und der aufbauende, wertschätzende, bejahende und heilende Umgang, den ich gepflogen habe. Dazu gehört insbesondere auch, Menschen nicht zu überfordern, sie Fehler machen zu lassen und ihnen alle Zeit zu schenken, die sie beim Lernen, Erkennen, Erfassen und Einsehen brauchen.
Auch bei der Taufe ist die freie Entscheidung zu achten und zu würdigen. Sich taufen lassen bedeutet sich eintauchen lassen in das Wasser, das ein Zeichen für das neue Leben ist, das mein Abba-Gott gibt, sich eintauchen lassen in das liebende Eins sein in Gott, in den Fluss der ewig in Gott strömenden Liebe und aus Gott herausfließenden Gnade.
An alle, die sich taufen lassen, ergeht meine Einladung, die Botschaft von meiner umfassenden Gnade, Güte und Freundlichkeit im Reden und Tun ohne Aufdringlichkeit weiterzutragen und weiterzugeben.

Jesus, du schenkst uns die Zusage und die Gewissheit, immer und überall bei und in uns zu sein.

Jesus:

Wie eine gute, liebevolle Mutter für ihre Kinder da ist, so bin ich für euch da. Ich nehme die Angst von euch, ihr seid nicht allein in der Welt, jeden Augenblick bin ich in euch und jeden Weg gehe ich mit euch, euch segnend, behütend und beschützend. Ihr dürft mir vertrauen und euch ganz fest auf mein Wort verlassen.