REICH GOTTES Lernen

8. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Markusevangelium 2, 18-22

Thema: Das Neue durch Jesus

Jesus, was waren für Johannes den Täufer und die Pharisäer, die wöchentlich Montag und Donnerstag streng gefastet haben, die Beweggründe zum Fasten?

Jesus:

Dieses Fasten war Bußübung für begangene Sünden, Sammlung von religiösen Verdiensten, Vorbereitung auf das Kommen des Messias, Zeichen der Entsagung und Enthaltsamkeit, Kasteiung und Selbstabtötung, die sie durch Tragen unansehnlicher Kleider, durch Bestreuen des Kopfes mit Staub und Asche und durch Anstimmen von Klage- und Trauergesängen zum Ausdruck brachten.
Dieses Fasten war Ausdruck des Bruches mit der Welt und ging in Richtung Weltverachtung. Es bedeutete ein Nein zu irdischen Freuden und Genüssen, um zu Gott ganz Ja sagen zu können. Sie glaubten, dass Gott es so will und von ihnen verlangt.
Die Folgen solchen Fastens zeigen sich oft in Verbitterung, Missmut und Unzufriedenheit, in Reizbarkeit und Ungeduld und in Neigung zu Unmut, Wut und Zornesausbrüchen.

Jesus, du und deine Schüler, ihr habt nicht gefastet. Warum nicht?

Jesus:

Doch, wir haben gefastet, aber aus anderen Gründen als Johannes und die Pharisäer.
Fasten macht Sinn, wenn es darum geht, in allem das rechte, gesunde Maß zu leben. Es verhindert, dass wir Dinge in unserem Leben übertreiben und ins Maßlose steigern, was für uns Süchte und Abhängigkeiten, Verlust der Freiheit und Zerstörung des Lebens zur Folge hat.
Fasten ist auch gut, weil es die eigene Selbsterkenntnis und Selbstfindung, die innere Reinigung und Läuterung, die eigene Wahrnehmung und Aufmerksamkeit fördern kann, weil es einem Gewinn an Harmonie und Demut und der Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen und wichtige Entscheidungen dienlich sein kann, und weil es die Willenskraft stärken kann.

Jesus, warum konntest du dem Fasten des Johannes und der Pharisäer keinen Sinn abgewinnen?

Jesus:

Ich bin weder den Weg der Weltanbetung noch den der Weltverachtung, sondern einen dritten Weg gegangen. Diesen skizziere ich in aller Kürze. Mein Abba-Gott ruft die Schöpfung aus Liebe zu seinen Geschöpfen ins Dasein, als Geschenk an sie und zu ihrer Freude. Warum sollte sich der Mensch dann nicht an den Gütern dieser Welt und an allem erfreuen, was ihn ausmacht und zu ihm gehört?! Mein Abba-Gott sagt ein eindeutiges JA zu seiner ganzen Schöpfung und nennt alles an ihr gut. Wieso sollte der Mensch dann die Welt und die irdischen Dinge negativ sehen, sie verachten und Anteile an sich selbst abtöten!?
Mein Abba-Gott bereitet nicht nur diese Welt mit ihren vergänglichen Freuden, sondern hält noch eine andere Welt mit unvergänglicher Freude bereit, die er jedem Menschen zu gegebener Zeit schenken wird. Diese Welt mit ihren begrenzten Freuden gibt einen Vorgeschmack auf jene andere Welt mit ihrer unbegrenzten Freude. Die Freuden dieser Welt sind gut, und wir dürfen sie genießen, aber wir machen uns bewusst, dass sie vorläufig und nicht die letzte große Erfüllung sind.

Jesus, auf die Frage, warum deine Schüler nicht fasten, hast du geantwortet: 'Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen; an jenem Tag werden sie fasten?' Was hast du mit diesen Metaphern gemeint?

Jesus:

In meiner Heimat Israel dauerte nach der Eheschließung das Hochzeitsfest eine Woche. Das Haus des jungen Paares stand in diesen Tagen allen Verwandten und Freunden offen für ein gemeinsames Freudenfest mit Essen und Trinken, Musik und Tanz. Eine sorglose Zeit. Dazu gab es eine religiöse Bestimmung: 'Alle, die zum Gefolge des Bräutigams gehören, sind aller religiösen Verpflichtungen entbunden, die ihre Freude beeinträchtigen.'
Mit einem hochzeitlichen Freudenfest habe ich die Zeit verglichen, in der ich mit der kleinen Schar meiner Schüler zusammen war. Und ich habe die Zeit meines Lebensendes angekündigt. Und ich habe gesagt, dass meine Schüler dann fasten werden, fasten im Sinne von trauern, klagen und weinen.

Jesus, was bedeuten deine bildhaften Vergleiche mit dem neuen Flicken auf ein altes Gewand, dem neuen Wein in alte Schläuche und dem neuen Wein in neue Schläuche?

Jesus:

Mit meiner Botschaft habe ich etwas völlig Neues in die Welt gebracht, das sich mit dem alten religiösen Denken und den alten religiösen Traditionen nicht in Einklang bringen lässt, nicht nur was das Fasten, sondern vor allem, was mein Gottesbild, meinen Abba-Gott, betrifft.
Ich lade Christinnen und Christen ein darauf zu achten, dass sie selber das Neue, das ich verkündet und vorgelebt habe, kennenlernen, annehmen und weitergeben, und dass sie nicht in das alte religiöse Denken und die alten religiösen Traditionen vor mir zurückgehen.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.