REICH GOTTES Lernen

7. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 6, 27–38

Thema: Reich Gottes - ein Lernprogramm

Der Mensch Jesus von Nazareth lebte nicht nach dem Motto: Wasser predigen und Wein trinken. Die Worte, die er sagte, waren sein Leben. Eins zu eins. Auch die Worte, die er in diesem Evangelium spricht, stimmten überein mit seinem Handeln.

So war Jesus: Er baute keine Feindbilder auf, sondern liebte seine Feinde. Er beantwortete Hass nicht mit Hass und Gewalt nicht mit Gewalt, sondern tat denen Gutes, die ihn hassten. Er empfand nicht Freude, Genuss und Genugtuung, wenn einer für begangenes Unrecht bestraft wird und dafür büßen und leiden muss. Er zahlte nicht heim, was ihm angetan wurde, und übte nicht Rache und Vergeltung. Er klagte nicht an, richtete nicht und verurteilte nicht. Er sprach niemanden schuldig und war nicht nachtragend, sondern er schenkte grenzenlose Vergebung. Er segnete die, die ihn verfluchten. Er betete für die, die ihn misshandelten. Dem, der ihn auf die eine Wange schlug, hielt er auch die andere hin. Und dem, der ihm den Mantel wegnahm, ließ er auch das Hemd. Er gab jedem in reichem, vollem, überfließendem Maß. Er tat allen Gutes, nicht nur denen, die ihm Gutes taten. Er war warmherzig, so wie der Vater im Himmel warmherzig ist. Die Goldene Regel war Richtschnur seines Tuns: Was er von anderen erwartete, das tat er ihnen. So hat Jesus gelebt, und deshalb war in ihm das Reich Gottes schon vollendet.

Jeder Mensch wünscht sich eine Welt, in der es Gnadenlosigkeit, Herzenshärte und menschliche Kälte, Anklagen, Richten und Verurteilen, Feindschaft und feindseliges Verhalten, Hass und Gewalt, Rache und Vergeltung, Aggression, Krieg und Zerstörung nicht gibt. Kurzum: In der Tiefe jedes Menschenherzens wohnt die Sehnsucht nach dem Reich Gottes. Beim Wünschen und bei der Sehnsucht aber darf es nicht bleiben. Es reicht nicht, die eigenen Hände bequem in den Schoß zu legen und gemütlich nur darauf zu hoffen und zu warten, dass Gott sein Reich anbrechen lässt. Reich Gottes ist wohl Gabe Gottes, aber ist auch Aufgabe und Verantwortung des Menschen. Wir sind gefragt. Das Reich Gottes ist lebenslanges Lernprogramm für uns. Jesus traut uns zu, dass wir so wie er lernen können zu leben und zu handeln, wie es dem Reich Gottes entspricht. Dazu leitet er uns an mit seinen Worten. Seine Worte sind nicht Befehle, Erlässe oder Gesetzesbestimmungen, sondern Orientierungshilfen für uns und Herausforderungen zum Lernen.

Jesus von Nazareth glaubte daran, dass bei den Menschen einmal Allgemeingut wird, wie er gelebt hat. Er war überzeugt, dass das letzte große Ziel der Welt das Reich Gottes ist und dass die Welt zwar auf vielen Umwegen, aber mit Gewissheit auf dieses Ziel zugeht.

 

Warmherzig sein -
warmherzig sein mit anderen
warmherzig sein vor allem mit mir selbst
warmherzig sein mit meinen Schwächen
warmherzig sein mit meinen Grenzen
warmherzig sein mit meinen Zielverfehlungen
warmherzig sein mit meinen Ängsten
warmherzig sein mit meinen Niederlagen
warmherzig sein mit meinen unerfüllten Wünschen
warmherzig sein mit den Wunden meines Lebens
warmherzig sein mit meiner Lebensgeschichte

Warmherzig sein, so wie es Gott, der Vater, ist