REICH GOTTES Lernen

7. Sonntag im Jahreskreis A – Teil 1

Gedanken zum Matthäusevangelium 5, 38–42

Thema: Wie Gott mir, so ich dir

 

In unserer Welt – in der kleinen und in der großen – wird täglich an allen Ecken und Enden von Einzelpersonen, von Gruppen und Staaten gegen irgendwen Rache geübt. Die Grundsätze „Wie du mir, so ich dir” und „So schlecht, wie du dich mir gegenüber verhältst oder verhalten hast, so verhalte ich mich auch dir gegenüber” bestimmen das Leben der Menschen und der Menschheit. Diese Grundsätze werden Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt. Wie oft hören Kinder von klein auf aus dem Mund von Älteren „Das wirst du mir büßen”, „Dem werde ich es mit gleicher Münze heimzahlen”, „Das lasse ich nicht auf mir sitzen”, „Mit denen habe ich noch eine alte Rechnung zu begleichen”, „Das lasse ich mir nicht gefallen”, „Der Tag der Abrechnung wird kommen, das schwöre ich dir”, „Dir werde ich eins auswischen”?!

Wie oft wird Kindern Rache nehmen, auf Rache sinnen, Böses mit Bösem vergelten, Heimzahlen, gegenseitiges Kränken und Verletzen, Schlagen und Zurückschlagen vorgelebt!?

In beinahe unzähligen Szenen in Filmen werden Racheakte bis in alle Einzelheiten in Kinos und am Bildschirm vorgeführt. Kinder lernen am Vorbild und Beispiel. Sie ahmen nach, was sie hören, sehen und erleben. Es wird ihnen anerzogen: Rache und Vergeltung sind die Norm. Sie gehören geradezu zum Leben der Menschen.

Das Rache üben unter Menschen wurde und wird von Vertretern verschiedener Religionen oftmals auch auf Gott gespiegelt und übertragen. Von ihnen wird Gott dargestellt als ein Nachtragender, Rachedurstiger und Vergeltungssüchtiger, der den Menschen das Böse mit irdischen und ewigen Strafen heimzahlt. Wer Gott so verkündet, hat von dem Gott, den Jesus seinen Abba (Papa, lieber Vati) und unseren Abba nennt, noch nicht viel verstanden und er missbraucht Gott für eigene Ziele und Zwecke, insbesondere als Machtmittel und Waffe, um Menschen damit zu drohen, klein und beherrschbar zu machen.

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn”, sagt Jesus seinen Zuhörern bei seiner großen Rede auf dem Berg. Er meint damit Stellen in den Schriften des Alten Testamentes, in denen Rächen und Vergelten als etwas hingestellt wird, das in manchen Fällen dem Gebot und dem Willen Gottes entspricht. „Ich aber sage euch” fährt Jesus in seiner Rede fort und nimmt für sich die Autorität Gottes in Anspruch. Er erklärt, was ihr da im Alten Testament lest und hört, ist nicht Gotteswort, sondern Menschenwort. Jesus hat die Maßstäbe vermittelt, die im Reich Gottes tatsächlich gelten: Nicht Widerstand leisten dem Bösen, dem Schlechten, dem Verkommenen, dem Nichtswürdigen, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, wende ihm auch die andere hin.

Das hat Jesus gelebt. Eine Szene beim Verhör Jesu vor seinem Leiden und seiner Kreuzigung zeigt uns das. Als einer Jesus ins Gesicht schlägt, schlägt er nicht zurück, sondern fragt: Warum schlägst du mich? Wenn ich dir Unrechtes getan habe, sage es mir. Habe ich dir aber nichts Unrechtes getan, wieso schlägst du mich dann?

Seine Schüler haben von Jesus gelernt, z. B. Petrus. Er hat Jesus verstanden und es Jesus nachgemacht: „Wie Gott mir, so ich dir”. In seinem ersten Brief an Christinnen und Christen in der damaligen Welt schreibt er: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt!” (1 Petrus 3, 9) Wie Petrus hat auch der Jesusschüler Paulus Reden und Handeln Jesu erfasst und umgesetzt. An die Christengemeinde in Korinth und an alle Christinnen und Christen aller Zeiten und überall richtet er die Worte: „Wenn man uns beleidigt, dann segnen wir. Verfolgt man uns, wehren wir uns nicht dagegen; und wenn man uns verhöhnt, antworten wir freundlich.” (1 Kor 4, 12b – 13a)