REICH GOTTES Lernen

7. Sonntag der Osterzeit C

Gedanken zum Johannesevangelium 17, 20–26

Thema: Eins sein

 

Jesus betet um die Einheit unter den Glaubenden. Er bittet den Vater, dass er es möglich mache, dass alle ebenso eins seien, wie er und der Vater eins sind.

An Einheit unter Menschen, auch unter Christenmenschen, mangelt es hin und hin, unter einzelnen Menschen ebenso wie unter Gruppen und Gemeinschaften und unter Religionen, Staaten und Völkern der Erde.

Äußere Einheit hat eine entscheidende Grundvoraussetzung. Es können Menschen untereinander nicht in Einheit leben, solange sie mit sich selber nicht eins sein können, solange sie nicht Einheit in sich selber haben, solange sie innerlich zerrissen sind. Solange Menschen sich selber nicht ganz annehmen können und nicht zu allem, was zu ihnen gehört und was ihre Person ausmacht, JA sagen können, solange sie mit sich selber nicht in vollem Frieden sind, ist die Einheit nach außen nicht möglich. Solange Menschen Teile an sich ablehnen und abspalten, sie zu entfernen und auszumerzen versuchen, sie bekämpfen und ausrotten wollen, sind Entzweiung, Spaltung, Zerrissenheit und Unfrieden nach außen von vornherein unvermeidlich. Erst wenn Menschen alles an sich selbst bejahen, auch ihre Unvollkommenheit, ihre Anfälligkeit Fehler zu machen, ihre Mängel, ihr Versagen und ihr Unvermögen, ihre Triebe und Leidenschaften, ihre Schatten und dunklen Seiten, ihre Schwachstellen und Irrwege im Leben und ihre ganze Lebensgeschichte, alles, was war und gegenwärtig ist, wie jemand war und wie jemand geworden ist, sind sie fähig zum Eins sein, zu Toleranz, Verständigung und Frieden im Außen.

Noch einmal: Einheit im Innen ist wesentliche Grundlage für Einheit im Außen.

Um zum Eins sein mit uns selber zu kommen, schenkt uns Gott seinerseits die wichtigste Voraussetzung: sein bedingungsloses und unbefristetes JA zu uns. Gott sagt zu mir: So wie du bist, und so wie du geworden bist, bist du OK. Du bist in meinen Augen einmalig wertvoll, großartig und wunderbar. Ich nörgle nicht an dir herum. Ich klage dich nicht an, bedrohe und bestrafe dich nicht. Ich erkläre dich nicht für schuldig und verurteile dich nicht. Ich nenne dich nicht schlecht und böse. Du bist mein Geschöpf. Und ich habe meine ganze Schöpfung als gut bezeichnet. Ich nehme dich mit deiner ganzen Lebensgeschichte an. Deine Würde wirst du bei mir nie verlieren. Du darfst lernen, dich entwickeln und entfalten, wachsen und reifen. Und ich schenke dir die Zeit, die du dazu brauchst. Ich dränge dich nicht und setze dich nicht unter Druck.

Das hat Gott uns in seinem Sohn Jesus von Nazareth gesagt und gezeigt. „Ich und der Vater sind eins”, sagt Jesus: Wer sieht, was ich tue, und wer hört, was ich sage, wer versteht und erkennt, was ich zeige, der sieht Gottes Wirken und hört seine Worte, der versteht und erkennt sein Wesen.

Liebe Leserin, lieber Leser, du hast diese Worte gelesen. Nun liegt es an dir, dich diesen Worten zu öffnen. Diese Arbeit kann niemand für dich tun. Diese Arbeit musst allein du persönlich erledigen. Das sei dir in Aussicht gestellt: Wenn du dich diesen Worten öffnest, wirst du erfahren, wie herrlich Gott ist und wie wunderbar er in deinem Leben wirkt und immer schon gewirkt hat.