REICH GOTTES Lernen

6. Sonntag der Osterzeit C

Gedanken zum Johannesevangelium 14, 22–31

Thema: Die Wohnung Gottes

Der vierte Evangelist verwendet an vielen Stellen den Begriff „die Welt”. Häufig verbindet er mit diesem Ausdruck Menschen, deren Herz für Gott noch verschlossen ist. Sie interessieren sich noch nicht für Gott. Sie machen sich noch keine Gedanken über Gott und reden noch nie von ihm. Sie haben noch kein Vertrauen auf Gott und beten noch nicht zu ihm. Gott bedeutet ihnen noch nichts oder sie haben ihn vergessen. Er ist noch wie ein ganz Fremder für sie und hat noch keinen Platz in ihrem Leben. Ob es Gott gibt oder nicht, ist ihnen noch keine Frage. Sie setzen noch auf ihre selbstgemachten irdischen Götter. Ihr ganzes Sinnen und Trachten dreht sich vorrangig noch um Essen und Bekleidung, um Aussehen und Schönsein, um Geld und materielle Dinge, um Geltung und Macht und um das eigene Ich. Davon erwarten sie noch ihren Lebenssinn, ihre Lebenserfüllung und ihr Lebensglück. Sie sind noch blind und taub für Gott. Und sie entwickeln noch keine Empfindsamkeit für Gott. Sie haben ihre innere Antenne noch nicht auf Gott ausgerichtet. Sie wissen noch nicht, dass Gott unvorstellbar Großes und Schönes für sie bereithält. Sie sind noch zugeschlossen, gleichsam wie verriegelt und undurchdringlich für das Evangelium Jesu. Jesu Worte können bei ihnen noch nicht ankommen.

„Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen”, sagt Jesus in diesem Evangelium. Jesus hat die frohe Botschaft Gottes zwar für alle Menschen in die Welt gebracht, doch nur wer Jesus liebt, das heißt mit anderen Worten, wer sich Jesus schon öffnet, ist schon erreichbar für sein Evangelium. Er interessiert sich schon für Jesu Worte. Er horcht schon auf sie und nimmt sie schon in sein Herz. Er beschäftigt sich schon mit ihnen, denkt schon über sie nach, versucht schon sie zu verstehen und zu leben. Der vierte Evangelist nennt das: „Jesu Wort festhalten”.

Wer seine Lebenstür für Jesus schon aufmacht, kann schon die Freude und die Hoffnung, die Zuversicht und den Trost, den Halt und die Kraft erfahren, die das Evangelium Jesu vermittelt. Und er kann schon tiefer erfassen, dass Gott in ihm wohnt. Dieses Erfassen, diese Erkenntnis wirkt und schenkt Gottes Geist.

Der Ort, wo Gott wohnt, ist das Herz des Menschen. Gott wohnt in meinem tiefsten Inneren. Mein Innerstes hat Gott als seine Wohnung erwählt. Heimkehren zu mir selber in mein Innerstes ist der Weg zu Gott. In meiner Tiefe kann ich ihm begegnen, in meinem Herzen kann ich seine Stimme hören, sein bedingungsloses, unbefristetes JA zu mir, und kann seine Ganzhingabe zu mir erfahren.

Auch wer den Weg in sein Innerstes, seinen Weg zu Gott schon angetreten hat, kann nicht sagen, dass er schon angekommen ist. Das werden wir in diesem Leben nie sein, weil der Weg zu Gott weit über die Grenzen des irdischen Lebens hinausführt. Es ist ein langer, hohe Ansprüche stellender Lernweg. Aber er ist zugleich voll von wunderbaren Stationen mit beglückenden Überraschungen und er bietet nicht selten einen Vorgeschmack vom endgültigen Ziel: dem ewigen Daheimsein bei Gott, dem vollen Eins sein mit IHM, der vollkommenen Geborgenheit in IHM, dem vollendeten Frieden und der unendlichen Glückseligkeit durch IHN.