REICH GOTTES Lernen

6. Sonntag der Osterzeit A

Gedanken zum Johannesevangelium 14, 13–21

Thema: Die Gabe Gottes: sein Geist

„Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben wird. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.”

Das sagte Jesus von Nazareth in seinen Abschiedsworten vor seinem Leidensweg am Ende seines Lebens.

Gott schenkt der Welt seinen Geist. Immer schon. Vom Anbeginn der Schöpfung an. Gottes Geist ist Mutter und Vater aller Geschöpfe. Alles, was ist, ist durch ihn geworden. Er ist Urgrund von allem, was existiert und was lebt. Er ist der kreative, schöpferische, Leben erschaffende Geist. Er bringt nicht nur alles hervor, sondern erhält alles am Sein und am Leben. Nichts könnte einen Augenblick bestehen ohne ihn. Ohne ihn würde die ganze Schöpfung auf der Stelle ins Nichts fallen. Gottes Geist ist in allem, in allen Geschöpfen, in uns und in allen Teilen unseres Körpers, unseres Geistes und unserer Seele. Er durchströmt und durchflutet alles. Gottes Geist erweckt zum Leben und erfüllt mit Leben.

Gottes Geist ist ganz gut und vollkommen. Er hat alle guten Eigenschaften in vollem, unbegrenztem, unüberbietbarem Maß. Er ist aufbauend, annehmend, lebensbejahend, sich verschenkend, friedvoll, vergebend, versöhnend, aufrichtend, tröstend, ermutigend, sanft, mild, gütig, langmütig, freundlich, warmherzig, einfühlsam, zärtlich, ruhig, leise, rücksichtsvoll, behutsam, schonend, geduldig, gewaltlos, achtsam, heilend, fördernd, fruchtbar, freudebringend, licht, hell, weit, großzügig, befreiend.

Gottes Geist ist Gottes Gabe. Uns geschenkt. Wir müssen ihn uns weder verdienen noch erbitten noch herbeirufen. Voraussetzungslos und bedingungslos ist er bei uns und in uns. Das machen wir uns bewusst und denken daran, dass Gottes Geist in uns ist.

Wir lernen Gottes Geist kennen, indem wir auf Jesus schauen. Wir lesen in den Evangelien, was Jesus gesagt und getan hat, und was über ihn geschrieben wurde. Wir denken über seine Botschaft nach und erwägen sie sorgfältig mit Herz und Verstand. So lernen wir Jesu Geist immer besser kennen, seinen Geist, der dem Geist Gott gleich ist und der sein Fühlen und Denken und sein Reden und Tun bestimmt hat.

Jesus sagt, dass die Welt den Geist Gottes nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht erkennt. Solange Menschen von Jesus nichts hören und erfahren, können sie ihn und seine Botschaft und seinen Geist nicht kennenlernen. Und solange Menschen Jesus und seiner Botschaft keine Aufmerksamkeit schenken, solange bleibt ihnen sein Geist fremd und unbekannt.

Das Kennenlernen Jesu und seines Geistes ist eine Voraussetzung, dass unser Fühlen und Denken und unser Reden und Tun seinem ähnlich wird.

Jesus war von dem tiefen Vertrauen und der großen Hoffnung erfüllt, dass alle Menschen einmal zur Erkenntnis seines Geistes gelangen. Dieses Vertrauen und diese Hoffnung teilen wir mit Jesus. Auch wenn es noch viele Schritte sind, bis Gottes Geist alles Fühlen und Denken und alles Reden und Tun bestimmt, so ist doch gewiss, dass die ganze Welt dem guten Geist Gottes nach und nach ähnlicher wird. Wenn die ganze Welt den Geist Gottes erkannt und erfasst hat, dann ist das Reich Gottes vollendet.