REICH GOTTES Lernen

5. Sonntag der Osterzeit A

Gedanken zum Johannesevangelium 14, 1–12

Thema: Jesus - das wahre Bild Gottes

„Wer mich mit seinem Herzen 'sieht', der 'sieht' Gott; wer erkennt, wie ich bin, der erkennt, wie Gott ist; wer meine Worte und Taten versteht, der versteht Gottes Worte und Taten; denn Gott und ich sind eins; ich bin in ihm und er ist in mir”, sagt Jesus.

Jesus ist das treue Bild Gottes. In Jesus von Nazareth ist Gott in einem Menschen sichtbar, erfahrbar und erkennbar.

Jesus ist der wahre Maßstab für alle Vorstellungen und Bilder von Gott. Alles, was über Gott gedacht, gesagt und geschrieben wurde und wird, ist an der Person Jesu zu messen.

Viele menschliche Verhaltensmuster wurden und werden von Menschen auf Gott gespiegelt und auf ihn übertragen. Viele menschliche Verhaltensweisen wurden und werden Gott zugewiesen.

Alle Vorstellungen und Bilder von Gott, die nicht mit Jesus übereinstimmen, sind Zerrbilder, Entstellungen und Verfälschungen von Gott. Davon gibt es unzählige.

Einige solche Verzerrungen führen wir hier an.

Der „nützliche Handelspartner-Gott”, mit dem ich ins Geschäft kommen und Verträge abschließen kann. Ich halte mich an seine Gebote und Verbote, gebe ihm meine Gebete, meine frommen Leistungen und guten Werke und darf mir als Gegenleistung von ihm die Erfüllung meiner Wünsche und Bedürfnisse erwarten. Ich gebe, damit er gibt.

Der „erhobene Zeigefinger-Gott oder Droh- und Angstmacher-Gott”, dem ich es nie recht machen kann, der immer unzufrieden ist mit mir, der kein Verständnis aufbringt für meine Unvollkommenheit, meine Schwächen und Zielverfehlungen, der mir immer Angst macht, zu versagen und zu scheitern, und von dem ich mich bedroht fühle, für immer von ihm abgewiesen zu werden.

Der „Spitzel- und Spion-Gott oder himmlische Polizist- und Ordnungshüter-Gott”, der alles weiß und sieht, was ich denke, sage und tue, der auch alle meine geheimsten Gedanken kennt, vor dem ich mich nirgends verstecken kann, der mich maßregelt und Strafmandate über mein Denken, Reden und Tun verordnet.

Der „Bilanzbuchhalter-Gott”, der alles aufschreibt und notiert, was ich denke, rede und tue, der alle meine guten und schlechten Gedanken, Worte und Taten zählt und der am Ende meines Lebens abrechnet, mir die Bilanz präsentiert und mich entsprechend belohnt oder bestraft.

Der „Richter-Gott oder Strafe-und Rache-Gott”, der anklagt und schuldig spricht, der hart und streng nach ewigen Paragraphen ein gerechtes Urteil fällt und Maßnahmen über mich verhängt, der mich am Ende meines Lebens entweder freispricht zu ewigem Lohn oder mich verurteilt zu ewiger Strafe.

Der „Herrscher-Gott oder Tyrann-Gott”, der nach Willkür und Laune Macht über mich ausübt, der Kult und Verehrung von mir verlangt, der mich kleinhält und demütigt, wie es ihm gefällt, und mich auf die Knie zwingt vor seiner Majestät.

Der „abwesende Schöpfer-Gott”, der vor langer Zeit die Schöpfung ins Dasein gerufen hat, sich seither aber gleichgültig von ihr zurückzieht und ihr fern und unbekümmert ihren Lauf lässt.

Die Verzerrungen von Gott haben negative Auswirkungen. Sie rufen in Menschen Angst und Schrecken hervor, machen Menschen an Seele, Geist und Körper krank und führen zu seelisch-geistigen Lähmungen und Verstümmelungen.

Der Gott aber, den Jesus mit seinem Reden und Tun gezeigt und verkündet hat, ist der Gott des Heiles, der ganzheitlichen Gesundheit und der Befreiung zum Leben in Fülle.