REICH GOTTES Lernen

5. Fastensonntag A

Gedanken zum Johannesevangelium 11, 1–45

Thema: Entscheidung für das Leben

 

„Lazarus, komm heraus aus deinem Grab!” sagte Jesus zu seinem Freund. Das bedeutet mit anderen Worten: Lazarus, entscheide dich für das Leben!

Statt Lazarus können wir unseren eigenen Vornamen einsetzen.

Jesus und die biblischen Menschen denken ganzheitlich. Auch Sterben sehen sie nicht allein als biologischen Vorgang am Ende des irdischen Lebens, sondern als vielfältiges Sterben mitten im Leben in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht, als Aufhören zu leben, als das Leben ausgrenzen mit allen seinen schönen Seiten. Auch mit Gräbern bezeichnen sie nicht nur die Orte, wo die Leichname der Verstorbenen bestattet werden, sondern verstehen damit bildhaft die mannigfachen Gräber im Leben vor dem irdischen Sterben.

„Komm heraus aus den Gräbern, die du dir selbst schaufelst! Entscheide dich für das Leben und gegen das Sterben! Lebe, was in dir leben will, und lass dich von niemandem davon abhalten! Sag ein klares und entschiedenes Ja zum Leben und lass los, was dich hindert und einschränkt, deine Lebendigkeit, deine Einmaligkeit, deine Fähigkeiten, deine Kraft und Freude zu leben! Wähle die Fülle des Lebens, die ich für dich bereithalte! Genieße das Leben mit allen Sinnen und lass dich ein auf das Spiel des Lebens! Gib dich dem Fluss des Lebens hin, spüre deine Lebensfreude und deine Lebenskraft und bringe sie zum Ausdruck! Lebe, was dir Freude macht und dein Herz zum Singen bringt!” Diese Worte sagt uns Jesus.

Die Entscheidung für das Leben ist die wichtigste und größte Entscheidung unseres Lebens. Es ist eine täglich neue Entscheidung.

Sich bewusst für das Leben entscheiden hat viele Facetten und unterliegt wie so vieles in unserem Leben Lernprozessen.

Wir lernen, dankbar zu sein für unser Leben.

Wir lernen, lebensbejahend zu denken und zu reden.

Wir lernen, uns anzunehmen und bewusst Ja zu uns zu sagen und zu allem, was und wie wir sind, Ja zu unserem Äußeren und unserem Wesen, Ja zu unseren in unserer Natur liegenden Veranlagungen, Ja zu unseren Besonderheiten und Eigenarten, Ja zu unseren Begabungen und Vorzügen, Ja zu unserer Unzulänglichkeit, unseren Zielverfehlungen und Schwächen, Ja zu unseren hellen und dunklen Seiten, Ja zu unseren Trieben und Leidenschaften, Ja zu unserer Lebensgeschichte und unserer Vergangenheit.

Wir lernen, nicht an uns herumzunörgeln, uns nicht anzuklagen und zu verurteilen, nichts an uns zu verneinen, nichts an uns abzulehnen, nichts von uns zu verdrängen und abzuspalten, nichts an uns zu verleugnen, nichts an uns zu hassen, nichts an uns abzutöten. Wir lernen, uns zu freuen über alles, was uns ausmacht. Wir lernen, alles für gut und richtig zu sehen, was zu unserer Person gehört.

Wir lernen, keine Aggressionen gegen uns selbst zu richten, sondern gut auf uns selber zu schauen und uns um unsere Bedürfnisse zu kümmern.

Wir lernen, eins zu sein mit uns selber, freundlich gesinnt, sanft, achtsam, zärtlich und feinfühlig mit uns selber umzugehen, in Harmonie und Frieden mit uns zu leben und dadurch nach außen in Frieden zu sein mit der ganzen Schöpfung.

Wir lernen, unsere Lebensmelodie in der großen Musik des Lebens eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu spielen und uns davor zu schützen, dass andere über uns bestimmen, uns bevormunden und gängeln, Macht über uns ausüben und uns beherrschen.

Wir lernen, auf gesunde Ernährung und Bewegung zu achten, auf Ruhe und Erholung und seelische Ausgeglichenheit. Wir lernen zu vermeiden, was uns körperlich und seelisch beeinträchtigt und Schaden zufügt.

Wir lernen, uns selber jeden Tag bewusst Freude zu machen.

Wir beten an jedem Morgen: Danke, Jesus, dass du es möglich machst, dass ich mich heute wieder für das Leben entscheide.