REICH GOTTES Lernen

4. Sonntag der Osterzeit B

Interview mit Jesus zum Johannesevangelium 10, 11 – 18

Thema: Das Bild des guten Hirten

Hirte

Jesus, du hast von Gott und von dir selber nicht trocken in theoretischen Abhandlungen, sondern erfrischend, spannend, anschaulich in lebendigen Geschichten, Bildern und bildhaften Vergleichen gesprochen. In diesem Evangelium sagst du von dir, der gute Hirt zu sein. Was meinst du mit diesem Bild? Was sagst du uns über dich mit diesem bildhaften Vergleich? Was macht einen guten Hirten aus? An welchen Eigenschaften ist er zu erkennen?

Jesus:

Wenn ich von meinem Abba-Gott und über mein Selbstverständnis gesprochen habe, habe ich Bilder aus unserer alltäglichen Lebenswelt verwendet. Das Bild vom Hirten konnten sich alle unsere Landsleute gut vorstellen, weil es in meiner Heimat Israel damals viele Hirten gegeben hat. Die Hirten waren ein eigener Berufsstand.
Der gute Hirt ist ununterbrochen bei seinen Tieren. Er lässt sie nie allein und lässt sie in keiner Situation im Stich. Den guten Hirten zeichnet seine Liebe zu Tieren aus und seine Sorge um sie. Er behütet und beschützt sie. Davon kommt auch die Bezeichnung Hüter für den Hirten. Der gute Hirt kennt jedes seiner Tiere und ist mit allen vertraut. Er kennt die Eigenart und den Charakter von jedem Tier und versucht den Zugang zu jedem einzelnen Tier zu finden, indem er sich mit der Einmaligkeit jedes Tieres beschäftigt. Der gute Hirt gibt seinen Tieren Namen und ruft sie bei ihren Namen. Sie erkennen ihn an seiner Stimme und folgen ihm. Er schenkt ihnen seine Zuwendung, indem er sie berührt und streichelt, an sich drückt und mit ihnen spricht. Er mag jedes seiner Tiere auf je eigene Weise und behandelt jedes seiner persönlichen Eigenart und Besonderheit entsprechend. Er macht keine Unterschiede, er bevorzugt und benachteiligt keines, er teilt sie nicht in gute und böse ein. Der gute Hirt sorgt für seine Tiere, dass sie genügend gute Weide finden und Wasser haben. Er hat Einfühlungsvermögen und ist mit seinen Tieren so verbunden, dass er merkt, wenn einem etwas fehlt. Er pflegt die kranken Tiere und verbindet ihre Wunden. Er trägt sie, wenn sie verletzt, schwach oder erschöpft sind. Wenn ein Tier fehlt, geht er ihm solange nach und sucht es, bis er es findet, weil ihm jedes Tier wichtig ist und am Herzen liegt. Der gute Hirt öffnet sein Herz für seine Tiere und gibt sich ihnen hin. Er bleibt bei ihnen und passt auf sie auf, wenn sie in Not und Gefahr sind. Um das Leben seiner Tiere vor Angriffen durch Diebe und Raubtiere zu schützen, ist er bereit, sein eigenes Leben zu riskieren. Er läuft seinen Tieren nicht davon, wenn ihres und sein Leben bedroht sind.
Wer das Wesen eines guten Hirten ein wenig begreift, kann ein Stück weit verstehen, wie ich bin und wie mein Abba-Gott ist. Mein Abba-Gott ist der, der unbedingt da ist in seiner Schöpfung und sich nie von ihr zurückzieht, der mit seinen Geschöpfen mitgeht durch alle Situationen hindurch. Er ist der, der sich der Welt bedingungslos hingibt - mit allen Konsequenzen bis zum Äußersten. Das habe ich euch mit meinem Leben, mit meinem Reden und Tun und mit meinem Sterben und Auferstehen gezeigt.