REICH GOTTES Lernen

4. Sonntag der Osterzeit A

Gedanken zum Johannesevangelium 10, 1– 10

Thema: Jesus führt ins volle Leben

Jesus verwendet in diesem Evangelium Bilder aus dem damaligen Alltag und Leben der Schaf- und Ziegenhirten in Palästina. Die Kenntnis von diesen Bildern ermöglicht uns das rechte Verständnis dessen, was uns Jesus damit sagt.

In Palästina gab es damals den Beruf des Hirten. Die Hauptaufgabe der Hirten bestand darin, mit ihrer Herde auf gute Weideplätze zu gehen und sie vor Dieben und Raubtieren sicher zu schützen. Am Abend führten die Hirten ihre Herde in einen Pferch. Das war im Freien ein Gehege, das aus Steinen und Dornengestrüpp errichtet war. In der Nacht legte sich der Hirte in die Öffnung des Pferches, sodass den Tieren das Weglaufen unmöglich war, und Diebe und Raubtiere nicht eindringen konnten. Der Hirt war sozusagen die Tür zu seiner Herde.

Dieses Bild gebraucht Jesus, wenn er sagt: Ich bin die Tür der Schafe.

In den größeren Siedlungen Palästinas gab es eigene Ställe, in denen mehrere Herden gleichzeitig Platz für die Nacht fanden. Die Ställe waren eingezäunt und überdacht. Abends brachten die Hirten ihre Herde in den Stall, wo ein Türhüter während der Nacht bei den Tieren wachte. Frühmorgens kamen die Hirten in den Stall zurück und holten ihre Tiere, um sie wieder auf die Weide hinauszuführen. Jedes Tier war mit seinem Hirten vertraut und erkannte ihn an seiner Stimme. Nur ihm folgte es, Fremden nicht. Meist gaben die Hirten jedem einzelnen Tier einen Namen, riefen es bei seinem Namen, und das Tier hörte auf seinen Namen.

Diese Bilder bezieht Jesus in dieser Textstelle auf sich. Sie beinhaltet eine der „Ich-bin”-Aussagen Jesu, die uns das vierte Evangelium überliefert. Darin eröffnet und veranschaulicht uns Jesus bildhaft, wer er ist und wer er für uns ist.

Wer auf Jesu Botschaft, auf seine Stimme, auf seine Worte hört, vernimmt daraus die Güte und Menschenliebe, die Sanftmut und Herzenswärme Gottes. Seine Worte an uns und sein Umgang mit uns sind weich und warm, schonend und zart, wertschätzend und aufbauend, heilend und lebensbejahend. Kein harter und grober, kein scharfer und verletzender, kein kalter und herzloser, kein anfahrender und schroffer, kein drohender, anklagender und verurteilender Ton liegt darin.

Wir können von Jesus lernen, so miteinander zu reden, wie er mit uns spricht, so miteinander umzugehen, wie er mit uns umgeht. Auf diese Weise lernen wir das Leben im Reich Gottes. Denn Jesu Sprache und Umgang sind Sprache und Umgang im Reich Gottes.

Wie der Hirte das Leben seiner Tiere vor lauernden Gefahren schützt, so können wir uns in Jesus bergen und in ihm sicher sein vor allem, was uns körperlich, geistig und seelisch nicht leben lässt, was uns heruntermacht und entwürdigt. Denn er sorgt dafür, dass wir nicht zugrundegehen, und lässt uns nicht in den bodenlosen Abgrund stürzen. Jesus - der göttliche Hirte - bewahrt uns vor allem Lebensverneinenden und Lebenszerstörenden.

Jesus von Nazareth ist den Weg zur Fülle des Lebens gegangen. Er führt auch uns in das ganze, in das vollendete Leben, in das bleibende Glück, indem er uns den Weg zum vollen, wahren Leben zeigt. In ihm und durch ihn können wir diesen Weg kennen- und gehen lernen. Seine Frohe Botschaft, das Evangelium, ist für uns die Anleitung zu diesem Weg.