REICH GOTTES Lernen

3. Sonntag der Osterzeit B

Interview mit Jesus zum Lukasevangelium 24, 35–48

Thema: Der Weg zum Glauben an die Auferweckung Jesu

Jesus, alle vier Evangelien erzählen davon, dass du dich nach deiner Auferweckung verschiedenen Personen und Personengruppen auf unterschiedliche Weise offenbart hast. Was bedeutet denn „Offenbarung”? Ist darunter eine sinnenhafte Erfahrung zu verstehen? Bist du Menschen sichtbar erschienen?

Jesus:

Offenbarung besagt, jemandem wird eine Einsicht geschenkt, eine Erkenntnis in etwas, das ihm bis jetzt unbekannt und verborgen war, es geht ihm ein Licht auf für etwas, das bis jetzt in Dunkel gehüllt war. Es handelt sich um keine äußere Sinneswahrnehmung, sondern um einen inneren Vorgang. Offenbarungen sind von Menschen nicht machbar, nicht mit menschlicher Willens- und Erkenntniskraft herbeizuführen, sondern werden zuteil.

Jesus, wie kommt es, dass die Erzählungen von deiner Auferweckung in den Evangelien teilweise stark voneinander abweichen und erhebliche, nicht zu übersehende Widersprüche aufweisen?

Jesus:

Auferweckung bedeutet, aus der irdischen Welt Hinübergehen in eine völlig neue, für Menschen unfassbare und unvorstellbare Wirklichkeit. Diese ganz andere Existenzweise gehört nicht dem Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren, des Mess-, Zähl-, Beweis- und Überprüfbaren an.
Menschen, denen die Erkenntnis geschenkt wurde, dass ich auferweckt wurde und lebe, dass ich sie nicht verlassen habe, dass ich bei und in ihnen bin, tun sich schwer darüber zu reden, weil ihnen geeignete Begriffe und Worte dazu fehlen. Sie verwenden Umschreibungen, Bilder, symbolische und bildhafte Vergleiche, die aber meilenweit hinter jener Wirklichkeit herhinken. Jeder, dem eine Offenbarung meiner Auferweckung zuteilwurde, erzählt davon auf seine einmalige Art und Weise mit seinen Worten und seinem einmaligen Erlebens- und Verstehenshintergrund. Das ist der Grund für die Verschiedenartigkeit und Widersprüchlichkeit der Ostererzählungen.

Jesus, wie haben wir den Text dieses Evangeliums zu verstehen? Er erzählt, du hättest nach deiner Auferweckung sozusagen zum Beweis, dass du wahrhaft lebst, Menschen aufgefordert, deinen Körper - Hände und Füße - zu berühren, und du hättest vor ihnen gegessen. Damit wird der Eindruck erweckt, du wärst ins irdische Leben zurückgekehrt.

Jesus:

Gegen die Botschaft von meiner Auferweckung wurden von mancher Seite Einwände vorgebracht. Es wurde gesagt, ich wäre nur scheintot gewesen und hätte mich einige Stunden nach meiner Bestattung in ein fernes Land davongeschlichen, oder meine Schüler hätten meinen Leichnam aus dem Grab weggeschafft und an unbekanntem Ort begraben und dann die Behauptung meiner Auferweckung aufgestellt. Den Verkünderinnen und Verkündern meiner Auferweckung wurde unterstellt, sie hätten meine Auferweckung erfunden oder sie wären einer Einbildung oder irgendwelchen Hirngespinsten, Spinnereien und Geistergeschichten aufgesessen.
Die Verfasser der Ostererzählungen haben versucht, diese Einwände zu zerstreuen. So z. B. in der vorhandenen Erzählung im Lukasevangelium. Um darzulegen, dass die, denen meine Auferweckung offenbar wurde, keinem Gespenst begegnet sind, sondern eindeutig erkannt haben, dass ich wahrhaft lebe, hat Lukas geschrieben, dass ich nach meiner Auferweckung einen Leib zum Berühren hatte und gegessen habe.

Jesus, die Evangelien erzählen, dass Menschen insbesondere dadurch zum Glauben an deine Auferweckung gefunden haben, dass sie sich an die Schriften des Alten Testamentes erinnert haben, in denen geschrieben steht, dass der Messias leiden und sterben müsse und auferweckt werde.
Heißt das, dass es auch für uns eine gute Möglichkeit ist zur Überzeugung zu finden, dass du lebst und bei uns und in uns bist und bleibst, dass du jeden Weg mit uns gehst und dass unser Leben in dir geborgen ist, die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes zu lesen und zu hören, deine Botschaft und die Botschaft deines Abba-Gottes immer wieder in unser Herz zu nehmen, darüber nachzusinnen und uns darüber in gemeinsamen Gesprächen auszutauschen?

Jesus:

Ja, ich sage euch: Das ist der Weg schlechthin zur Glaubensüberzeugung.