REICH GOTTES Lernen

32. Sonntag im Jahreskreis B

Gedanken zum Markusevangelium 12, 38–44

Thema: Groß und klein im Reich Gottes

Jesus ist mit seinen Schülern auf dem Weg. Auf dem Weg sein ist Gegenteil von Stillstand und Tod. Weg ist Bewegung, Leben, Veränderung. Wahres Leben ist Lernen, Entwicklung, Wachstum, Reifung.

Jesus ist der Lehrer des Reiches Gottes. „Reich Gottes” ist das Wesen und Sein Gottes. „Reich Gottes” ist eine ganz andere Weise des Denkens, Redens und Handelns, vor allem eine ganz andere innere Haltung. Es ist die Art des Lebens, die dem Plan und Willen Gottes entspricht. Es ist Leben, das zu wahrer Erfüllung und Glückseligkeit führt.

Jesus lehrt seine Schüler das Reich Gottes. Sie lernen es von ihm durch sein Reden und vor allem durch das, was er ihnen in seinem Wirken und Handeln zeigt und vorlebt. Nicht in akademischen, theoretischen, trockenen Abhandlungen spricht Jesus vom Reich Gottes, sondern er erzählt Geschichten, bringt bildhafte Vergleiche. Mit Beobachtungen, Anekdoten, Begebenheiten und Ereignissen des Alltags aus seiner Umgebung führt er seine Schüler hin zu dem, was „Reich Gottes” ist.

Einmal spricht er von Menschen, die um sich groß zu machen, aufzufallen und bewundert zu werden, in langen Gewändern umhergehen. Sie lassen sich gern verehren, umjubeln und anhimmeln. Am liebsten ist es ihnen, vergöttert zu werden. Sie brauchen die Bühne und das Mikrophon, stehen gerne vor der Kamera, setzen sich gern in Szene und können nie genug prahlen mit ihren Taten. Um ihre Bekanntheit zu erhöhen, stehen sie mit Vorliebe im Mittelpunkt und Rampenlicht. Sie stellen sich gern über die anderen. Und sie verstehen es meisterhaft, sich beliebt zu machen und mit betont gutbürgerlichem Gehabe zu Macht, Einfluss und Geld zu gelangen.

Jesus sagt seinen Schülern, sie tun gut daran, sich vor Menschen in acht zu nehmen, die solche Merkmale an sich tragen. Dabei meint er diese Menschen nicht persönlich; denn ihnen ist von Gott die gleiche grenzenlose Zuwendung geschenkt. Vor der inneren Haltung auf der Hut zu sein, die sich hinter solchen äußeren Merkmalen verbirgt, darum geht es Jesus.

Es ist die innere Haltung, die unbändig nach dem strebt und verlangt, was in dieser Welt groß und bedeutungsvoll da steht: Ruhm, Glanz und Glorie, Auftreten, Schönheit und Prunk, Titel, Auszeichnungen und Orden, Ansehen, Rang und Namen, Geld, Reichtum und Macht.

Müht euch nicht ab um diese Werte, erklärt Jesus seinen Schülern, das sind keine glücklich machenden Dinge. Sie bringen euch nicht ans Ziel, sondern ziehen euch hinter. Sie haben keinen Bestand. Im Reich Gottes sind sie klein und unbedeutend, null und nichtig. Seht doch, wie in dieser Welt vergöttert und verteufelt werden oftmals nahe beisammen liegen! Heute umjubelt, morgen vergessen oder verachtet!

Einmal beobachtet Jesus die Menschen beim Opferkasten im Tempel von Jerusalem. Da fällt ihm eine Frau auf, eine armselige Witwe, die ihre letzten paar Cent hergibt. Witwen waren damals so gut wie lebendig tot. Sie waren abgeschrieben und vergessen. Von einem Tag auf den anderen wussten sie nicht, wie sie für sich und ihre Kinder das Lebensnotwendige aufbringen werden. Es gab in jener Zeit keine Mindestsicherung, keine Sozialgesetze und keine sozialen Unterstützungen und Einrichtungen. Am schlimmsten war es für eine Witwe, wenn sie auch noch kinderlos war.

Diese Frau ist unbekannt und unbeachtet, klein, bedeutungslos und gering geschätzt in dieser Welt. Jesus aber stellt ihre innere Haltung groß heraus und seinen Schülern als leuchtendes Vorbild vor Augen. Ihre Haltung ist die Haltung eines zutiefst warmen Herzens, das bereit ist, zu geben, sogar das letzte Hemd herzugeben. Diese Haltung zählt im Reich Gottes. Sie ist die Haltung Gottes, der sich seiner Schöpfung bedingungslos und unbegrenzt hingibt. Diese Haltung führt den Menschen zu wahrer Lebenserfüllung.