REICH GOTTES Lernen

32. Sonntag im Jahreskreis A

Gedanken zum Matthäusevangelium 25, 1-13

Thema: Kein Ultimatum und kein Stichtag im Reich Gottes

Die Christen in den ersten Jahren und Jahrzehnten nach Jesu Sterben und Auferstehen lebten in der Überzeugung, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten als endzeitlicher Richter wiederkommen werde. Dieses Endgericht stellten sich manche so vor, dass die Guten von den Bösen endgültig geschieden werden, dass die Menschen, die dem Willen Gottes entsprochen haben, Lohn empfangen, die aber, die dem Willen Gottes nicht in gebührender Weise gefolgt sind, Strafe erhalten.

Die Wiederkunft Jesu aber blieb aus. Deshalb ermahnten die Glaubensverkünder der zweiten und dritten Christengeneration die Menschen, beständig wachsam zu bleiben und nicht nachzulassen mit dem Leben, das Gott entspricht, damit sie gut vorbereitet sind, wenn Jesus wieder kommt, denn er werde plötzlich, in einem unvermuteten Augenblick kommen.

Wie Jesus das Gleichnis von den zehn Brautjungfern ursprünglich erzählt und welche Botschaft er damit verbunden hat, lässt sich kaum noch herausfinden. Fakt ist: Der Verfasser des Matthäusevangeliums hat es umgewandelt und daraus ein allegorisches Gleichnis gemacht. Der Bräutigam in diesem Gleichnis ist ein Bild für den wiederkommenden Jesus. Sein langes Ausbleiben bedeutet die Verzögerung seiner Wiederkunft. Sein Kommen mitten in der Nacht deutet auf sein überraschendes Wiederkommen hin. Die Brautjungfern, die mit ihren Fackeln den Bräutigam auf seinem Hochzeitszug zur Braut begleiten, sind die Menschen. Die klugen versinnbildlichen jene, die so leben, dass sie im endzeitlichen Gericht bestehen werden und ins Reich Gottes gelangen, die törichten jene, die so leben, dass sie verurteilt und aus dem Reich Gottes ausgeschlossen werden. Für sie ist es auf immer zu spät. Die Tür in Gottes Herrlichkeit bleibt ihnen ewig verschlossen.

Das Gericht Gottes wurde und wird oft als etwas Bedrohliches, Beängstigendes und Furchtbares dargestellt, ein Ereignis, bei dem die Bösen den Zorn, die Rache und Vergeltung Gottes zu spüren bekommen. Das haben menschliche Bilder und Vorstellungen aus dem Gericht Gottes gemacht, nicht Jesus. Angst und Drohung sind Maßnahmen, die oft eingesetzt wurden und leider auch heute noch angewandt werden, um angestrebte Ziele in der Erziehung zu erreichen und um Menschen einzuschüchtern und gefügig zu machen. Jesus macht uns nicht Angst, sondern befreit uns von Angst. Das Gericht Gottes müssen wir nicht mit Angst und Bangen, sondern dürfen wir als etwas Freudvolles, Wunderschönes und Beglückendes sehen. Das Gericht Gottes hat nichts mit Belohnen und Bestrafen zu tun, sondern ist unsere Heimholung, unsere Heilung, unser Ganzwerden und unsere Vollendung durch Gott.

Wir glauben nicht, dass uns Jesus mit dem Gleichnis von den zehn Brautjungfern sagen will, Gott stelle uns ein Ultimatum und lege einen Stichtag fest, ab dem er die Tür zu seinem Reich für uns ein für alle Mal verschließt. Wir glauben vielmehr, dass uns Jesus mit diesem Gleichnis darauf hinweisen will, dass Wachsam sein etwas sehr Wichtiges und Wesentliches für unser Leben ist. Wachsam sein bedeutet: aufmerksam, ganz Ohr, bei der Sache, mit wachen Sinnen und voller Konzentration sein, nicht hinauszögern, nicht Zeit vergeuden, nicht aufschieben, was jetzt wichtig und wesentlich ist.

Aufmerksam und konzentriert in unser Herz, in unsere Gedanken, Gefühle und Träume sehen, hören und hineinspüren, was Gott uns persönlich für unseren Lebensweg sagt. Gewissenhaft, ausdauernd und gesammelt sein bei unserer ständigen Weiterentwicklung und nicht nachlassen beim Lernen des Reiches Gottes, weil das für uns gut ist, gut nicht irgendwann, sondern jetzt in diesem Leben.