REICH GOTTES Lernen

28. Sonntag im Jahreskreis B

Gedanken zum Markusevangelium 10, 17–30

Thema: Wer nichts mehr braucht, der hat genug

Wo fängt Reichtum an? Wer ist reich? Jeder bestimmt Reichtum anders. Jeder legt den Maßstab für Reichtum höher als das, was er selber hat. Für reich werden immer die anderen gehalten, die noch mehr haben. Darum ist auch die Rede von den Reichen und den Superreichen.

Gehöre ich als Mensch der materiellen Wohlstandsgesellschaft auch zu den Reichen? Wenn ein Afrikaner, der in einer armseligen Lehmhütte aufgewachsen ist und bisher viel Not erlebt hat, nach Europa kommt und hier die Warenangebote sieht, wird er uns Europäer unwillkürlich reich nennen.

Jesus spricht in diesem Evangelium von den Reichen. Er meint damit die Menschen, die den Sinn ihres Lebens im materiellen, käuflichen Reichtum suchen, selbst wenn sie nicht viel haben und besitzen. Reich ist hier im Sinne Jesu, wer materiellen Reichtum in seiner Wertepyramide auf die oberste Stufe stellt, wer Geld, Besitz und materiellen Reichtum zu seinem Gott und Götzen macht und das höchste Glück von materiellen Gütern erwartet.

Jesus lehnt Besitz nicht grundsätzlich ab, sondern möchte vor dem Irrtum bewahren, dass materieller Reichtum das Höchste sei. Geld und Besitz als persönlicher Götze und Reich Gottes sind für Jesus nicht vereinbar. Daran lässt er keinen Zweifel offen, indem er sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes.”

Der Mensch, der sein Sinnen und Trachten auf den Erwerb materiellen Reichtums setzt, will haben und ist getrieben vom Habenmüssen. Er will immer noch mehr haben. Von Gier besetzt hat er nicht genug und beneidet andere, die mehr haben.

Besitz und materieller Reichtum sind vergänglich und halten deshalb nicht, was sich die Reichen davon versprechen. Niemals kann Vergängliches dauerhaft und ganz glücklich machen. Weil das so ist, gibt sich der Reiche nie mit dem zufrieden, was er hat, sondern braucht immer mehr.

Ein reicher Mensch kommt zu Jesus und möchte Auskunft, wie er das wahre, ganz erfüllte Leben finden kann. Jesus lädt ihn ein, so zu leben wie er, indem er auf alle materiellen Güter verzichtet. Jesus verspricht ihm als Konsequenz dieses Verzichtes einen Schatz im Himmel. „Schatz im Himmel” das sind Werte, die bei Gott zählen und Gültigkeit haben. „Schatz im Himmel” bedeutet etwas, was Ewigkeitswert hat, daher bleibend und unvergänglich ist und wahrhaft glücklich macht. Der reiche Mensch hört Jesu Worte und geht entsetzt weg. Sein Herz hängt noch zu sehr an seinen materiellen Werten. Darum ist er noch nicht bereit, sich von ihnen zu lösen.

Freiwilliger Verzicht auf Besitz und materiellen Reichtum schenkt Leichtigkeit, Freiheit, Unbeschwertheit, Freude am Dasein, Freiheit von der Angst, die materiellen Güter zu verlieren; denn Besitz und materieller Reichtum sind ständig bedroht, zu zerbrechen und verloren zu gehen. Freiwilliger Verzicht auf Besitz und materiellen Reichtum macht frei vom Habenmüssen, vom noch mehr Habenmüssen, vom Brauchen müssen, von der Gier nach mehr, von der Unruhe, der Hetze und der Hast nach mehr, von der Last der täglichen Sorgen und Anstrengungen um die materiellen Güter, und von dem Aufwand, den der Umgang mit ihnen abverlangt.

Wer nichts mehr braucht, der hat genug. In dieser Freiheit hat Jesus gelebt. In dieser Freiheit war das Reich Gottes in ihm schon Wirklichkeit.

Von dieser Freiheit des Reiches Gottes wollte Jesus den reichen Menschen überzeugen. Zu dieser Freiheit will er auch mich führen.