REICH GOTTES Lernen

25. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Markusevangelium 9, 30-37

Thema: Dienen statt sich bedienen zu lassen

Jesus, die Evangelien erzählen davon, dass du deinen Schülern mehrmals dein Leiden, Sterben und Auferstehen angekündigt hast, dass sie aber deine Worte nicht begriffen haben. In diesem Evangelium lesen wir, dass deine Schüler mehr an persönlichen Positionen als an deiner Leidensankündigung interessiert waren. Warst du da nicht sehr enttäuscht von ihnen?

Jesus:

Meine Schüler haben zu dieser Zeit meine Worte noch nicht verstanden. Ich habe aber fest vertraut, dass die Zeit kommen wird, in der sie sie verstehen. Alles braucht seine Zeit, ganz besonders das Lernen, Reifen und Wachsen. Ich habe ihnen meine Geduld geschenkt. Wie wir sehen, haben meine Schüler später den Sinn meiner Worte erfasst.
Warum haben sie mich hier noch nicht verstanden? Es war die allgemeine Erwartung an den kommenden Messias: Er wird das Volk befreien und seine Gegner bezwingen. In dieser Erwartung lebten auch meine Schüler. Was Menschen nicht glauben wollen, können sie zunächst nicht einsehen. Ein leidender und sterbender Messias - das ging über ihr Vorstellungsvermögen. Ihr Herz begriff nicht, was ihre Augen und Ohren wahrnahmen. Wie vielen anderen Zeitgenossen in Israel fehlten auch meinen Schülern die Voraussetzungen zum richtigen Verständnis. Ein Messias, der sich auf die Seite der Schwachen, der Ausgegrenzten und der als Sünder Gestempelten stellt, der sein Leben hingibt bis zum Äußersten und Leiden und Sterben auf sich nimmt, das ging noch nicht in ihren Kopf und in ihr Herz hinein.
Meine Schüler haben auch bis dahin noch nicht wirklich erfassen können, was ich mit dem Begriff 'Reich Gottes' gemeint habe. Sie haben sich darunter eine Herrschaft vorgestellt wie irdische Reiche, wo es Oben und Unten und eine Hierarchie der Macht gibt, wo es auf der einen Seite die gibt, die bestimmen und sich bedienen lassen, und auf der anderen die, über die bestimmt wird und die dienen. Das Streben nach Ansehen, Geltung und Prestige, nach Einfluss, Macht und Stärke, das Trachten nach den ersten und vorderen Plätzen und Positionen und das Begehren, zu herrschen und sich bedienen zu lassen, sind im Menschen tief verankert. Im Reich Gottes zählen diese Dinge nicht. Im Reich Gottes sind einander Dienen, füreinander Sorgen und füreinander Dasein, das Leben miteinander teilen großgeschrieben. Ich habe meinen Schülern gezeigt und vorgelebt, dass ich nicht gekommen bin, mich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.
In der Welt steht der Diener hinten am letzten Platz, im Reich Gottes aber steht er ganz vorne am ersten Platz.

Jesus, du hast ein kleines Kind in die Mitte deines Schülerkreises gestellt, es dann in deine Arme genommen und gesagt: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.” Was hast du damit zum Ausdruck gebracht?

Jesus:

Damit habe ich meinen Schülern zu allen Zeiten ein Gleichnis gegeben. Ein kleines Kind ist angewiesen auf andere, es ist ein Bild für Schwachheit, Hilfs- und Schutzbedürftigkeit. Schwache, hilfs- und schutzbedürftige Menschen habt ihr immer unter euch. Sie zu stärken, ihnen materiell und nichtmateriell unter die Arme zu greifen, sie zu schützen und ihnen Sicherheit zu geben und ihnen so leben zu helfen - dies lege ich euch ans Herz.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.